Zwei Ansätze

15. Januar 2019 12:11; Akt: 15.01.2019 12:39 Print

Basler Forscher verhindern Streuen von Tumoren

Die Angst vieler Brustkrebspatientinnen ist, dass sich Metastasen bilden. Gleich zwei Basler Forscherteams wollen das verhindern. Und sie sind nah dran.

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Brüste sind etwas Schönes – so lange sie gesund sind. Wächst aber ein Tumor in ihnen, machen sie Angst, vor allem wenn dieser anfängt zu streuen. Denn metastasierte Krebserkrankungen haben in der Regel eine schlechte Prognose. Entsprechend versuchen Mediziner weltweit, das Streuen von Krebstumoren zu verhindern. Darunter auch zwei Forschergruppen aus Basel. Das Team um Biomediziner Nicola Aceto von Uni und Unispital Basel hat einen Wirkstoff entdeckt, der die Bildung von Tochtergeschwüren bei Brustkrebs unterdrückt. Nun ist eine klinische Studie geplant, um die Metastasen-hemmende Wirkung der Medikamente auch bei Patientinnen zu testen. (Im Bild: ein kolorierter Krebszellenverband, der durch das Präparat aufgelöst werden kann) Der Gruppe um Gerhard Christofori, ebenfalls von der Uni Basel, ist es in Studien mit Mäusen gelungen, mit einer Kombinationstherapie Krebszellen in Fettzellen umzuwandeln. Ob das auch beim Menschen gelingt, muss sich allerdings erst zeigen. (Im Bild: grün markierte Krebszellen und eine rot markierte Fettzelle an der Oberfläche eines Tumors (links). Nach der Therapie (rechts) haben sich drei ehemalige Krebszellen in Fettzellen umgewandelt. Die kombinierte Markierung mit Grün und Rot lässt sie dunkelgelb erscheinen) Damit die Heilungschancen möglichst gross sind, ist es wichtig, dass der Tumor schnell entdeckt wird. Daher raten Ärzte ihren Patientinnen zur Selbstuntersuchung der Brust. Kein Wunder, denn etwa 80 von 100 Frauen mit Brustkrebs haben ihren Tumor selbst entdeckt. Doch möglicherweise ist das in Zukunft gar nicht mehr nötig. Denn dänische Forscher haben einen Bluttest entwickelt, Mit einer Trefferquote von 80 Prozent funktioniert die neue Methode zuverlässiger als eine Mammografie (Trefferquote 75 Prozent). Auch die Feststellung der genetischen Prädisposition ist heute geläufig. Weil bei ihr ein erhöhtes Risiko festgestellt worden war, liess sich unter anderem Angelina Jolie vorsorglich die Brüste amputieren.

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Die Diagnose Krebs ist schlimm. Noch schlimmer ist es aber, wenn dieser gestreut hat. Denn dann gelangen Krebszellen in die Blutbahn und bilden anderswo im Körper Tochtergeschwüre. Metastasierte Krebserkrankungen haben in der Regel eine schlechte Prognose.

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Deshalb setzen Forscher alles daran, dies zu verhindern. Gleich zwei Forschergruppen aus Basel sind diesem Ziel nun einen bedeutenden Schritt näher gekommen.

Mit Medikament ans Ziel

Das Team um Nicola Aceto von Universität und Universitätsspital Basel hat Wirkstoffe entdeckt, die die Bildung von Metastasen bei Brustkrebs verhindern können.

Im Labor gelang es den Forschern, mithilfe sogenannter Na/K ATPase-Inhibitoren, Verbände von Brustkrebszellen aufzutrennen.

Das ist wichtig, wie es im Fachjournal «Cell» heisst. Denn wenn ganze Krebszellverbände in die Blutbahn gelangen, ist die Metastasengefahr besonders gross – weil die Anhäufungen chemische Veränderungen am Erbgut aufweisen, die ihnen besondere Eigenschaften verleihen.

Sie werden dadurch ähnlich wie Stammzellen, also jenen ursprünglichen Zellen im Embryo, die sich praktisch unendlich teilen können und aus denen alle verschiedenen Gewebetypen hervorgehen. Bei Krebszellen sind dies ungute Eigenschaften, erlauben sie ihnen doch unkontrolliertes Wachstum und die Bildung neuen Krebsgewebes.

Laut Mitteilung bereiten die Forschenden derzeit eine klinische Studie vor, um die Metastasen-hemmende Wirkung der Medikamente auch bei Patientinnen zu testen.

Aus Krebs- Fettzellen machen

Einen anderen, aber genauso vielversprechenden Weg hat die Forschergruppe um Gerhard Christofori – ebenfalls von der Universität Basel – eingeschlagen. Dafür setzt sie an jener Stelle an, wo sesshafte zu mobilen Krebszellen – Metastasen – werden. Dabei spielt ein zellulärer Prozess eine wichtige Rolle, der normalerweise in der Embryonalentwicklung abläuft und die Entwicklung von Organen ermöglicht.

Dieses zelluläre Programm namens epithelial-mesenchymale Transition (EMT) haben sich die Wissenschaftler zunutze gemacht, um einen neuen therapeutischen Ansatz zu entwickeln, wie die Hochschule mitteilte.

Mithilfe zweier Wirkstoffe steuerten sie in Versuchen mit Mäusen das EMT-Programm so, dass aus Brustkrebszellen Fettzellen wurden. Diese umgewandelten Zellen könnten sich nicht mehr vermehren und seien kaum von normalen Fettzellen zu unterscheiden, heisst es im Fachjournal «Cancer Cell».

Bei den verwendeten Wirkstoffen handelte es sich um das Diabetes-Medikament Rosiglitazon und das Arzneimittel Trametinib gegen das Wachstum und die Ausbreitung von Krebszellen. In Kombination mit konventioneller Chemotherapie könnten diese Wirkstoffe künftig das Wachstum des primären Tumors und die Bildung von Tochtergeschwüren gleichzeitig unterdrücken, hofft Christofori.

Zunächst muss jedoch geprüft werden, ob die Kombitherapie beim Menschen ähnlich wirkt und aus aggressiven Brustkrebszellen, die sich auf Wanderschaft im Körper begeben, harmlose Fettzellen macht.

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Uschle am 15.01.2019 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Forschung

    Dass sind good News. Die Forschung ist sehr Interessant und schreitet immer mehr voran,und irgendwann gibt es sicher auch für noch viele andere Krankheiten eine Lösung.

  • N.n. am 15.01.2019 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Labor

    Das sind schöne Laborerkenntnisse. Wenn wir davon überhaupt irgendwann profitieren können, dann erst in zig Jahren. Gut ist natürlich dass geforscht wird.

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  • N.n. am 15.01.2019 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Labor

    Das sind schöne Laborerkenntnisse. Wenn wir davon überhaupt irgendwann profitieren können, dann erst in zig Jahren. Gut ist natürlich dass geforscht wird.

  • Uschle am 15.01.2019 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Forschung

    Dass sind good News. Die Forschung ist sehr Interessant und schreitet immer mehr voran,und irgendwann gibt es sicher auch für noch viele andere Krankheiten eine Lösung.