Griezmann oder Hazard?

09. Juli 2018 17:28; Akt: 10.07.2018 08:30 Print

Der Formcheck vor dem Halbfinal-Kracher

von Tim Ehrensperger - Es wartet das packende Duell zwischen Frankreich und Belgien. Wer im Spiel um den Finaleinzug die besseren Karten hat.

Head-2-Head: Frankreich vs. Belgien (Omnisport)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Gewiss: Die WM-Viertelfinals waren nicht schlecht. Aber von einem Halbfinal zwischen Frankreich und Belgien (Dienstag, 20 Uhr) dürfen wir fussballerisch doch etwas mehr erwarten als von einem Duell zwischen Russland und Kroatien. Ja, die Affiche verspricht Spektakel! 90 Minuten lang. Mindestens. Lesen Sie im Formcheck, wo welches Team besser aufgestellt ist.

Umfrage
Wer wird Weltmeister?

Der Torhüter

Aufgefallen sind an dieser WM beide Goalies mit hervorragenden Paraden im Viertelfinal. Hugo Lloris zeigte seine Klasse auf der Linie nach einem Kopfball Uruguays und hielt so das 1:0 Frankreichs fest. Thibaut Courtois verhinderte in der Nachspielzeit gegen Brasilien den Ausgleich durch Neymar spektakulär.


Thibaut Courtois verhindert Brasiliens Ausgleich in der Nachspielzeit. (Video: SRF)

Sowieso ist Courtois der Auffälligere der beiden: Er ist zwar 5 Jahre jünger, dafür mit 1.99 Metern 11 Zentimeter grösser und hat mit Chelsea und Atletico Madrid doch schon einige Titel geholt. Lloris auf der anderen Seite hat in England mit Tottenham in 6 Saisons noch keinen Titel geholt. In der Nationalmannschaft aber ist seine Rolle umso wichtiger, er führt Les Bleus als Captain auf das Feld. In vier Spielen hat er vier Gegentore erhalten, Courtois wurde in fünf Partien deren fünf Mal bezwungen. Schuld daran waren sie beide nie.

Resultat: Lloris und Courtois begegnen sich auf höchstem Niveau - und auf Augenhöhe. Keine Gegentore, es bleibt beim 0:0.

Die Abwehr

Beide Teams spielten im Achtelfinal mit offenem Visier, es ging gerade noch gut: Frankreich siegte gegen Argentinien (4:3) und Belgien gegen Japan (3:2). Im Viertelfinal waren beide Abwehrreihen stark verbessert, die Franzosen kassierten gegen Uruguay kein Gegentor, Belgien liess sich von Brasilien nur einmal überwinden.

Die Belgier agierten gegen Brasilien mit einer Dreierkette mit Kompany im Zentrum, die in der Rückwärtsbewegung dank Meunier und Chadli zu einer Fünferkette wurde. Sie brachte den Vorsprung auch mit etwas Glück über die Zeit. Dem belgischen Bollwerk steht eine stabile französische Defensive gegenüber, die auch in der Offensive etwas bewirken kann. Lucas Hernandez auf der linken und Benjamin Pavard auf der rechten Seite sorgen mit Vorstössen immer wieder für Gefahr, Pavard gelang gegen Argentinien einer der schönsten Treffer des Turniers. Innenverteidiger Raphael Varane ist in der Luft eine Macht und traf per Kopf gegen Uruguay.


Benjamin Pavard trifft gegen Argentinien mit einem Traumtor. (Video: SRF)

Resultat: Die Franzosen sind in der Abwehr besser besetzt und auch die Verteidiger für Tore gut. Belgien geht 0:1 in Rückstand.

Das Mittelfeld

Paul Pogba ist in Frankreich einer ähnlichen Erwartungshaltung ausgesetzt, wie sie Granit Xhaka in der Schweiz erfährt. Sein Team steht im Halbfinal, die wirklich guten Leistungen von Pogba werden noch vermisst. Das spricht umso mehr für dieses französische Team. N'Golo Kante spielt neben Pogba den unermüdlichen Scheibenwischer, der Mann »mit den 15 Lungen, so sagte es eben dieser Pogba, ist für die Franzosen nicht zu ersetzen.

Bei den Belgiern spielten gegen Brasilien die beiden Lockenköpfe Axel Witsel und Marouane Fellaini nebeneinander 90 Minuten durch. Ihre Qualitäten sind im Spielaufbau beschränkter, Witsel spielt in China, Fellaini war bei Manchester United in dieser Saison oft verletzt oder nicht erste Wahl. Trotzdem spielten sie stark auf, Fellaini traf ausserdem mit dem Kopf gegen Japan zum wichtigen Ausgleich. Vor ihm müssen sich die Franzosen in Acht nehmen.


Er bringt viel Wucht mit: Marouane Fellaini gleicht gegen Japan per Kopf aus. (Video: SRF)

Resultat: Die Klasse spricht für die Franzosen, und wenn dann auch noch Pogba aufblüht, hilft den Belgiern auch ein Fellaini nicht. Frankreich erhöht auf 2:0.

Der Sturm

Was darf sich der Fussballfan auf diese genialen Offensivspieler freuen! Die Namen: Griezmann oder Mbappé, De Bruyne oder Hazard. Alle könnten sie die Nachfolger werden von Ronaldo und Messi, was die Wahl zum Weltfussballer des Jahres betrifft. Die Qualität jedes Spielers in eine Frage verpackt beschrieben:

Griezmann: Wer ist eigentlich lockerer: Er auf dem Spielfeld oder der Durchschnittsmensch im Whirlpool?

Mbappé: Wie kann ein 19-Jähriger im Offensivspiel Frankreichs eine Lücke füllen, die es eigentlich gar nicht gibt?

Hazard: Wann hat er auf dem Spielfeld das letzte Mal etwas falsch gemacht?

De Bruyne: Was ist er denn nun genau: Passgeber, Balleroberer oder Torjäger?

9 Tore schossen die Franzosen bisher, 14 die Belgier. Den Unterschied macht auch Romelu Lukaku. Der bullige Mittelstürmer ist schnell und kopfballstark. Giroud bei den Franzosen blieb noch ohne Tor und zu wenig einflussreich.


Bullig und trotzdem schnell: Romelu Lukaku trifft im Gruppenspiel gegen Tunesien. (Video: SRF)

Resultat: Beide Offensiven sind unheimlich stark, Lukaku aber gibt gegenüber Giroud den Ausschlag für Belgien. Dieses verkürzt auf 1:2.

Die Trainer

Was wird es denn nun für ein Spiel, dieser Halbfinal? Es ist anzunehmen, dass Belgiens Coach Roberto Martinez ähnlich spielen lässt wie gegen Brasilien. Was heissen würde: Frankreich passt, sucht die Lücke, hat mehr vom Spiel. Und Belgien kontert.

Diese Taktik ging im Viertelfinal gegen Brasilien für Belgien voll auf, das frühe Tor spielte den ihnen in die Karten. Wäre der späte Ausgleich nach dem 2:0 doch noch gefallen, Martinez hätte sich aber vorwerfen lassen müssen, nach der Führung zu ängstlich gespielt zu haben. Martinez aber sagt selbstbewusst: »Ich habe noch nie ein Fussballspiel taktisch verloren. Zur Verdeutlichung: Gegen Tunesien (5:2) hatten die »Roten Teufel nur 52 Prozent Ballbesitz, konterten aber wie sie wollten.


Kevin de Bruyne schliesst einen eiskalten Konter mit dem 2:0 gegen Brasilien ab. (Video: SRF)

Didier Deschamps hat sein Frankreich auf der anderen Seite äusserst stabil aufgestellt. Unter ihm tritt das Team seit Jahren gleichzeitig konstant und dazu meistens spektakulär auf. Seine Mannschaft formte er schon an der Heim-EM vor 2 Jahren zu einer Siegertruppe, im verlorenen Final gegen Portugal waren die Franzosen besser, aber nicht zwingend genug.

Was die Coaches verbindet: Beide haben namhafte Spieler zu Hause gelassen, weil sie durch diese die Chemie im Team gefährdet sahen. Die Resultate geben ihnen recht.

Resultat: Deschamps stellt sein Team stabiler auf als Martinez. Frankreich siegt 3:1.

Fazit: Der Weltmeister von 1998 geht als leichter Favorit ins Rennen um den Finaleinzug. Und irgendwie erinnert das die Belgier an die Ausgangslage vor dem Brasilien-Spiel. Und sie, die Belgier, lächeln nur spitzbübisch, und denken: Dann kontern wir eben. Wie immer.

WM-Center

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sentencer am 09.07.2018 19:36 Report Diesen Beitrag melden

    Und jetzt das Fest!

    Wer jetzt gewinnt ist mir eigentlich egal: Hauptsache keine Simulanten mehr im Turnier!

    einklappen einklappen
  • Womens Toes am 09.07.2018 17:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    allez les bleu

    Griezmann ist in der besten Form seiner Karriere,dass wird sehr schwer für Belgien. Freue mich auf einen spannenden halbfinal:-)

    einklappen einklappen
  • mike onyx am 09.07.2018 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    red devils!

    schöne parade gegen neymar-der ball wäre wohl aber ohnehin höchstens an die latte. ich hoffe auf belgien, frooonkreisch hat schon em und wm titel

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Liberty am 10.07.2018 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einmal Belgien

    Ich erwarte heute Spitzenfussball. Ein Spektakel. Ich hoffe nur nicht, dass das Spiel zum einschlafen wird. Auf alle Fälle bin ich ein wenig mehr für Belgien. Mal ein neuer Fussballweltmeister wäre top. Wieso nicht Belgien? Ich tat mich im Vorfeld sehr schwer einen Favoriten zu finden, zumal ich immer an Holland glaubte.

  • Sportsman am 10.07.2018 13:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ist noch immer Grümpelturnier?

    vor lauter Roger Federer und richtigem Spitzensport, ging das beinahe vergessen. Bin aber auch froh wenn dann wieder Champions League und somit qualitativ besserer Fussball zu sehen ist.

  • Gigolo am 10.07.2018 12:09 Report Diesen Beitrag melden

    Sorry Frankreich

    Euer Mbappé ist zwar schnell aber er läuft bei den Belgiern jedes Mal in eine Mauer und bei Konterangriffen hat Lukaku bereits ein Tor geschossen bevor die französische Verteidigung überhaupt nah genug an ihn ran kommt, denn er ist selbst mit Ball noch schneller als Mbappé. Also sorry für euch Franzosen aber ihr könnt schon mal die Koffer packen. Das ist keine Schande, Napoléon gings genau gleich in Russland.

  • Nathia__ am 10.07.2018 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Go Belgium Go

    Ich bin so stolz auf unsere Red Devils Fiebere mit und hoffe wir holen den Titel nach Hause... #GOBELGIUMGO

  • Etobej am 10.07.2018 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Belgien

    Vor dem Spiel gegen Brasilien hätte ich niemals gedacht, dass Belgien weiterkommt. Ich sehe Brasilien in der Offensive noch etwas stärker als Frankreich. Es ist alles möglich. Wünschen würde ich es mir für die Belgier.