Legales Doping

08. Juli 2018 12:10; Akt: 08.07.2018 13:21 Print

Warum schnüffelten die Russen Ammoniak?

Die russischen Spieler hielten sich während des Spiels gegen Kroatien auffallend häufig die Hand vor die Nase. Sie sollen eine leistungssteigernde Substanz eingeatmet haben.

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Zur grossen Überraschung von Fussball-Fans und -Kennern weltweit schaffte es das russische Nationalteam bis ins Viertelfinale. Erst das Out gegen Kroatien im Viertelfinal beendete am Samstagabend den Höhenflug der Mannschaft. Dass der Gastgeber so weit kommen würde, hätte dem Team im Vorfeld der WM wohl kaum jemand zugetraut. Auch die beachtliche Laufleistung einzelner Spieler wurde von Experten als erstaunlich bewertet.

Nicht zuletzt irritierten TV-Aufnahmen, die etwas abseits des Rasens gemacht wurden. Eine Szene aus dem Spiel Kroatien - Russland in Sotchi, kurz vor der zweiten Halbzeit: Die russischen Spieler Alexander Golowin und einzelne Teamkollegen halten sich immer wieder die Hand vor die Nase.

«Benutzen Shampoo und trinken Wasser»

Schon beim Sensations-Sieg im WM-Achtelfinale gegen Spanien waren ähnliche Handlungsmuster aufgefallen. Die Spieler hätten sich in Ammoniak getränkte Watte unter die Nase gehalten, sagte ein Sprecher des russischen Verbandes anschliessend der «Süddeutschen Zeitung».

Um dann noch genervt hinterher zu schicken: «Ausserdem benutzen russische Fussballer Shampoo, wenn sie duschen, und sie trinken Wasser, wenn es heiss wird.»

Verboten ist der Gebrauch von Ammoniak nicht. Die chemische Verbindung von Stickstoff und Wasserstoff soll «kurzfristig stimulierend und fokussierend wirken», informiert die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada). Dass die Russen aber so tun, als sei Ammoniakschnüffeln beim Fussball so normal wie das Shampoonieren der Haare beim Duschen, sei absurd, urteilen Sportjournalisten und Experten.

Schmutzige gegen saubere Probe ausgetauscht

Die verbreitete Skepsis, was den Überraschungserfolg der Mannschaft angeht, rührt auch vom Wissen um die jahrelange Praxis des Staatsdopings her. In den vergangenen Monaten war deutlich geworden, dass auch Fussballer von diesem System profitierten, unklar bleibt aber weiterhin, in welchem Ausmass das geschah.

Die «Süddeutsche Zeitung» verweist auf den Doping-Kronzeugen Grigorij Rodtschenkow und den für die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) tätigen Sonderermittler Richard McLaren. Beide hatten berichtet, dass vor drei Jahren eine schmutzige Probe eines Spielers, der an der WM 2018 im vorläufigen Kader stand, gegen eine saubere ausgetauscht worden sei.

WM-Center

(jdr)