Älter als gedacht

27. April 2016 10:12; Akt: 27.04.2016 10:12 Print

Schweizer Bergkäse gibt es seit über 2500 Jahren

Von wegen langsam: Wenn es um Käseherstellung geht, hatten die Schweizer schon immer die Nase vorn – auch in den Bergen.

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Schweizer Käse könnten seinen Ursprung schon in der Eisenzeit gehabt haben. Forscher haben erstmals Hinweise auf prähistorische Käseherstellung in alpinen Höhenlagen entdeckt. Die jüngere Geschichte der hochalpinen Käseproduktion sei zwar gut dokumentiert, aber über die Anfänge dieser Praxis gebe es wenig archäologische Befunde, schreiben die Forscher um Oliver Craig von der University of York im Fachjournal «PLoS One». Dies wegen der flüchtigen Natur der Wandertierhaltung.

In Zusammenarbeit mit den Archäologischen Diensten des Kantons Graubünden trugen die Wissenschaftler 30 Tonscherben aus einem Zeitraum von vor rund 7000 bis 2500 Jahren zusammen. An diesen konnten die Forscher erstmals mittels chemischer Analysen die Geschichte der hochalpinen Käseherstellung nachzeichnen.

Käsespuren aus der Eisenzeit

Gefunden wurden die Scherben an sechs historischen Stätten im Engadin, darunter einfache Felsunterkünfte aus der frühen Jungsteinzeit und Bronzezeit und Steinbauten aus der späten Eisenzeit. Der chemische Fingerabdruck von Fetten, die auf Käseproduktion hindeuten, liess sich dabei nur an Scherben aus den Eisenzeit-Steinbauten feststellen, wie die Forscher berichten.

Diese ersten Spuren fallen somit in einen Zeitraum von vor 3000 bis 2500 Jahren. In tieferen Lagen wurden bereits deutlich ältere Hinweise auf die Fermentierung von Milch gefunden, die bis in die Anfänge der Landwirtschaft, also die frühe Jungsteinzeit zurückreichen. Im direkten Umland der Schweizer Alpen finden sich Spuren auf rund 6000 Jahre alten Tonscherben, also aus der späten Jungsteinzeit.

Hirten wichen in Höhe aus

Die Viehhaltung und Käseproduktion in Höhen von über 1800 Metern brauchte jedoch damals wie heute besondere Kenntnisse der Bedingungen, so die Forscher. Sie vermuten, dass ein starkes Bevölkerungswachstum während der Eisenzeit sowie die klimatischen Bedingungen, die Weideflächen im Tiefland knapp werden liessen und Viehhirten zunehmend in die Höhe trieben.

Die einfachen Steinbauten aus dieser Zeit zeigen, dass Hirten im Sommer zunehmend Bergweiden nutzten. Wofür die Bauten dienten, war bisher jedoch unklar, da solche Stätten in grosser Höhe in der Regel schlecht erhalten sind.

Erfolgreiche Strategie

Archäologen hatten jedoch bereits vermutet, dass sie Artefakte einer sich neu entwickelnden Wirtschaftsstrategie sind, was sich mit der neuen Studie bestätigt. Erstaunlicherweise hätten die hochalpinen Regionen diese Strategie während drei Jahrtausenden bewahrt, schreiben die Forscher um Craig. Sie habe zur Verwaltung und dem Erhalt der Kulturlandschaft beigetragen.

Nun sei diese jedoch durch den Klimawandel und supranationale Wirtschaftsstrategien der Lebensmittelindustrie bedroht, welche den Wert von lokalen Kenntnissen der Umwelt und die damit verbundenen Praktiken zur Lebensmittelproduktion ignoriere.

Massnahmen, um die traditionelle hochalpine Käseherstellung und die alpinen Landschaften zu erhalten, müssten daher die enge Beziehung der beiden berücksichtigen, schliessen die Wissenschaftler.

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ziege R. am 27.04.2016 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Alpkäse AOC

    ist gut und gibt eine gute Laune.

  • Eva Adam am 27.04.2016 23:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alp- vs. Bergkäse

    Bergkäse ist kein geschützter Begriff, stammt teils von Hochleistungskühen, die nicht grasen dürfen und stattdessen mit Kraftfutter gefüttert werden, und wird immer im Tal oder Mittelland verkäst. Alpkäse muss gesetzlich von Kühen stammen, die auf der Alp gesömmert werden, und der Käse muss direkt auf der Alp vor Ort verkäst werden. Bergkäse ist eine moderne Marketingerfindung der letzten paar Jahre.

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  • würzigsgeheimnis am 27.04.2016 16:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    yeeii

    wow nicht nie gedacht (: wie der wohl geschmeckt hat?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gio Masa am 28.04.2016 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    iiiigitt

    Hab mich eh schon gewundert, warum die Bündner- und Savogniner Bergkäse eine Konsistenz haben wie ein Radiergummi und auch dementsprechend nach nichts schmecken...

  • Rodjo am 28.04.2016 01:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    soo alt

    Ich frag mich wer und wie käse erfunden hat? ich mag käse in fast jeglicher form und geschmacksrichtung!! kann sowas geniales per zufall entstanden sein oder sind unsere vorfahren schlauer als wir denken?

  • Eva Adam am 27.04.2016 23:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alp- vs. Bergkäse

    Bergkäse ist kein geschützter Begriff, stammt teils von Hochleistungskühen, die nicht grasen dürfen und stattdessen mit Kraftfutter gefüttert werden, und wird immer im Tal oder Mittelland verkäst. Alpkäse muss gesetzlich von Kühen stammen, die auf der Alp gesömmert werden, und der Käse muss direkt auf der Alp vor Ort verkäst werden. Bergkäse ist eine moderne Marketingerfindung der letzten paar Jahre.

    • Peter Kuederli am 28.04.2016 03:52 Report Diesen Beitrag melden

      Gut gebruellt Loewe

      Genau so ist es! Bergkaese darf in jeder x-beliebigen Fabrik hergestellt werden, Alpkaese kommt von der Alp von freilaufenden Kuehen

    • Lulu am 28.04.2016 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Eva Adam

      Das Logo welches Sie im Bild sehen Bündner Bergkäse ist eine Genossenschaft aus kleinen Käserein im Graubünden! Man muss sich halt informieren wen man wert auf Spezialitäten legt!

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  • Andy am 27.04.2016 23:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Boaaaaa

    2500 jahre,? So wird er auch schnecken. Mir schmeckt kein schweizer käse, find den grusig.

  • Märcu A am 27.04.2016 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Käse

    Helvezia Käse wen den schon Schweiz gibts erst seit 1291 das Heist die Schweiz gibt's seit 722 Jahr

    • stef am 28.04.2016 08:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Märcu A

      genau, vorher waren es helvetier, alemannen, rätier etc. einfach wilde eingeborenenstämme. wohl heute noch

    • luegii john am 28.04.2016 14:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Märcu A

      Stimmt nicht ganz, die Schweiz gibts erst seit 1848. vorher war seit 1798 die Helvetische Republik bis 1803 und von 1803 bis 1848 die Schweizer Eidgenossenschaft! Vor 1798 war die Schweiz die Alte Eidgenossenschaft! Das waren quasi kleinere und Grössere Stadtstaaten die sich zu einem Militärischen Bund zusammenschlossen jedoch die meisten mit einem eigeneren Verwaltungssystem und eigener Währung! Daher auch die begriffe wie Bazen oder 5fer Mocken usw. Es war aber nicht wirklich ein Staat! Sonder eben Genossen die sich per Eid geschworen haben sich gegenseitig im Kriegsfall zu unterstützen!

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