Die Uhr tickt

12. Oktober 2017 10:10; Akt: 12.10.2017 11:45 Print

Ist der Tasmanische Teufel noch zu retten?

Ein hochansteckender Krebs hat bereits Zehntausende Tasmanische Teufel dahingerafft. Nur der Mensch kann ihn noch retten.

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Der Tasmanische Teufel (Sarcophilus harrisii) ist heute nur noch in Tasmanien – einer Insel ungefähr 240 Kilometer südlich des australischen Festlands – anzutreffen. Auf dem Festland ist er wahrscheinlich schon im 14. Jahrhundert ausgestorben. Der offizielle Name des Tiers lautet Beutelteufel. Doch wegen seines schwarzen Felles, seiner Ohren, die sich bei Aufregung rot färben, seines sehr unangenehmen Geruchs, seines lauten Kreischens und seines aggressiven Verhaltens gegenüber seiner Beute ... ... wird er meist Tasmanischer Teufel oder Tasmanischer Beutelteufel genannt. Experten schätzen , dass es von ehemals 200'000 «Tassie-Devils» Mitte der 90er-Jahre heute nur noch 10'000 gibt. Der starke Rückgang hat verschiedene Gründe. So machten es die Europäer, die Australien ab 1788 besiedelten, den Aborigines nach und assen die Beutelteufel, deren Geschmack sie mit dem von Kalb verglichen. Bis in die 1930er-Jahre wurden die Tiere zudem intensiv gejagt. Erst seit 1941 stehen sie offiziell unter Schutz. (Im Bild: Routen der europäischen Entdecker bis 1913) Doch auch heute leben die Tiere gefährlich: Jedes Jahr werden Dutzende Beutelteufel auf Tasmaniens Strassen überfahren. Entsprechende Verkehrsschilder mahnen Autofahrer überall zu Rücksicht. Die grösste Gefahr stellt jedoch eine hochansteckende Krebserkrankung: Durch den Gesichtskrebs DFTD (Devil Facial Tumour Disease) werden die Beuteltiere zunächst grässlich entstellt und verenden schliesslich qualvoll daran, weil sie wegen der Geschwüre am Mund nicht mehr fressen können. Um die Tiere vor dem drohenden Untergang zu bewahren, wurde das Programm So wurde eine Halbinsel im Südosten, die nur über einen schmalen Steg zu erreichen ist, zum Schutzgebiet erklärt. Dort gibt es – ganz in der Nähe des alten Gefängnisses – auch einen privaten «Un-Zoo», in dem die Tiere frei kommen und gehen können. (Im Bild: das alte Gefängnis von Port Arthur) Weiter wurden zwei krankheitsfreie Zuchtgruppen gebildet. Eine befindet sich im Stadtgebiet von Hobart und eine zweite auf der Maria-Insel an der Ostküste Tasmaniens. Die verschiedenen Rückzugsorte sollen verhindern, dass die DFTD weiter ausbreitet. Der Tasmanische Teufel ist der grösste noch lebende Raubbeutler. Die Männchen haben eine durchschnittliche Kopfrumpflänge von 65 Zentimetern, der Schwanz hat im Mittel eine Länge von knapp 26 Zentimetern und sie wiegen etwa acht Kilogramm. Weibchen sind etwas kleiner und leichter. Grundsätzlich können die Teufel Tiere bis zu der Grösse eines kleinen Wallabys reissen. Aber in der Regel machen sie sichüber Aas aus. Dabei ist es ihnen egal, ob es sich dabei um Wombats, Vögel, Frösche, Reptilien oder Haustiere wie Schafe handelt. Meist jagen sie nachts oder in der Dämmerung. Lieblingskörperteile haben die Beutelteufel nicht: Sie verzehren alle. Konkret: Neben dem Fleisch und den inneren Organen fressen sie auch die Knochen und das Fell des jeweiligen Beutetiers. Unkompliziert sind sie auch bei der Auswahl ihres Lebensraums: Sie kommen praktisch überall in Tasmanien vor, sogar in den Aussenbezirken von Städten. Am wohlsten fühlen sie sich aber in Wäldern. und verbringen den Tag entweder in dichtem Gebüsch oder einem unterirdischen Bau. Tasmanische Teufel können auch schwimmen, tun dies aber nur selten. Auf Bäumen trifft man höchstens junge Tiere an, weil es für die älteren Exemplaren zu beschwerlich ist. Eigentlich Einzelgänger, trifft man die Beutelteufel nur in den ersten Lebensmonaten oder in der Paarungszeit zusammen mit anderen Artgenossen an. Apropos Paarung: Die findet meistens im März statt. Die Männchen kämpfen um die brünstigen Weibchen, die sich vom jeweils dominanten Männchen begatten lassen. Von Monogamie halten die Tiere nichts. Sie paaren sich, wann, wo und mit wem sie wollen. Kommt es dabei zur Befruchtung ... ... bringt das Weibchen 31 Tage später bis zu 30 Junge auf die Welt. Diese kriechen sofort nach der Geburt von der Vagina zu dem nach hinten geöffneten Beutel des Muttertiers. Dort angekommen, heften sie sich sofort an eine der Milchdrüsen, wo sie für die nächsten 100 Tage verbleiben. Doch nicht alle Nachkommen überleben. Denn jedes Weibchen hat nur vier Milchdrüsen, so dass von einem Wurf maximal vier Jungtiere heranwachsen können. Die anderen werden in der Regel von ihrer Mutter gefressen. Aufgrund der strengen Export-Beschränkungen, gibt es ausserhalb Australiens – weder in freier Wildbahn noch in Gefangenschaft – keine Tasmanischen Teufel. Mit einer Ausnahme: ... So hat die tasmanische Regierung dem Zoo Kopenhagen 2005 vier Tiere übergeben – als Geschenk zur Geburt des dänischen Prinzen Christian, da dessen Mutter, Prinzessin Mary, aus Tasmanien stammt. (Im Bild: das dänische Kronprinzenpaar mit Sohn Christian) Der zuvor letzte ausserhalb Australiens lebende Tasmanische Teufel starb 2004 im Zoo von Fort Wayne, ebenfalls an DFTD. Der letzte deutsche Beutelteufel verstarb in den 1990er-Jahren im Zoo Berlin. (Im Bild: ein Eingang des Berliner Zoos) Doch auch wenn es die Tiere in unseren Breitengraden nicht gibt, sind sie hier bekannt. Eine gewisse Mitschuld daran trägt sicher der Comic-Charakter Taz aus der Cartoon-Serie Looney Tunes. Die einzige Ähnlichkeit zwischen ihm und dem echten Tier ist allerdings nur der Appetit der beiden. Für kurze Zeit verwandelte sich auch das Linux-Maskottchen in einen Tasmanischen Teufel mit gelben Pappschnabel. Linux-Entwickler Linus Torvalds wollte damit auf die Situation des Tieres aufmerksam machen.

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Beim Tasmanischen Teufel ist der Name Programm: Regt er sich auf, werden die Ohren rot – und er fängt an zu stinken. Dazu kreischt er wild und reisst das Maul mit den gewaltigen Zähnen weit auf.

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Kein Wunder also, dass der Vierbeiner mit dem wackligen Gang nicht unbedingt zu den grossen Sympathieträgern gehört, zumal das auch Beutelteufel (Sarcophilus harrisii) genannte Tier noch Aasfresser ist.

Doch in den letzten Jahren hat sich das Image des Beuteltiers, das nur auf Tasmanien vorkommt, ziemlich gewandelt. Aus Abscheu ist bei vielen Mitleid geworden.

Übertragung durch Bisse

Grund ist die hochansteckende Krebserkrankung Devil Facial Tumour Disease (DFTD), die 1996 entdeckt wurde (siehe Box). Mehr als 80 Prozent der Teufel starben schon daran. Manche Experten schätzen sogar, dass es von ehemals 200'000 «Tassie-Devils» Mitte der 90er-Jahre heute nur noch 10'000 gibt.

Wenn es nicht gelingt, die Krankheit in den Griff zu bekommen, könnte der Tasmanische Teufel in ein paar Jahren ausgestorben sein, so wie der Tasmanische Tiger, von dem das letzte Exemplar 1936 starb.

Übertragen wird DFTD durch Bisse, die in der Paarungszeit oder bei Kämpfen um Nahrung recht häufig vorkommen (siehe Bildstrecke). Dabei gelangen einzelne Krebszellen auf den Partner oder Gegner und können sich dort ansiedeln.

«Immunologische Klone»

Solche durch direkten Kontakt von einem Tier auf ein anderes übertragbare Krebsarten gibt es extrem selten. Ursache der schnellen Ausbreitung bei den Beutelteufeln ist nach aktuellem Kenntnisstand die geringe genetische Vielfalt der Population. Damit fehlt es auch an Vielfalt bei den Immunreaktionen.

«Die meisten Teufel sind weitgehend immunologische Klone», erklärt die Genforscherin Katherine Belov von der Universität Sydney. «Die Zellen der anderen sind den eigenen sehr ähnlich.»

Deshalb sind die Tiere sehr anfällig für DFTD. Abgesehen vom Krebs gibt es noch eine andere grosse Gefahr: Autos. Jedes Jahr werden Dutzende Beutelteufel auf Tasmaniens Strassen überfahren. Zudem werden die Tiere normalerweise ohnehin nicht älter als fünf Jahre.

«Gesunde» Population gezüchtet

Mit dem Programm «Save the Tasmanian Devil» («Rettet den Tasmanischen Teufel») wird nun versucht, das Wappentier der Insel zu bewahren. Eine Halbinsel im Südosten, die nur über einen schmalen Übergang zu erreichen ist, wurde zum Schutzgebiet erklärt.

Dort, auf dem Weg ins alte Gefängnis von Port Arthur, gibt es auch einen privaten «Un-Zoo», in dem die Tiere praktisch frei kommen und gehen können. Verkehrsschilder mahnen Autofahrer überall zur Rücksicht.

Inzwischen gibt es tatsächlich Hoffnung, dass der Teufel gerettet werden kann. In mehreren Anlagen werden sicherheitshalber Ersatzpopulationen gezüchtet. Mittlerweile gibt es dort mehr als 500 gesunde Tiere.


So tönt der Tasmanische Teufel. (Video: 20 Min, mit Material von Save the Tasmanian Devil Program)

Wirkt der Impfstoff?

Zudem haben auf Tasmanien trotz der Krebsepidemie einige Populationen überlebt. Experten erklären das damit, dass manche Teufel inzwischen Antikörper zur Abwehr des Krebses entwickelt haben.

Zudem schreitet die Entwicklung eines Impfstoffs voran. Mehr als hundert gezüchtete und geimpfte Teufel, die in den vergangenen beiden Jahren ausgesetzt wurden, leben noch. Jetzt kommt es darauf an, dass sie sich mit den wilden Tieren kreuzen und für ordentlich Nachwuchs sorgen.

Experten bleiben zuversichtlich

Allerdings gibt es auch Rückschläge. Vor ein paar Monaten wurde eine neue Form des Krebses entdeckt. Die meisten Experten bleiben dennoch zuversichtlich, dass der Tassie-Teufel gerettet werden kann. John Hamilton vom «Un-Zoo» hält den Kampf gar schon für gewonnen: «Wir haben hier auf unserer Halbinsel eine wilde Population gerettet. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass der Teufel überleben wird.»

Klar ist aber auch, dass die Rettung nur mit menschlicher Hilfe gelingen kann. Belov sagt: «Ohne die aktive Unterstützung von Forschern, Regierungsstellen, Parks, Zoos und vielen anderen würden die Tasmanischen Teufel in der Wildnis nicht überleben.»


Junge Beutelteufel sind mehr als bloss herzig. (Video: Youtube/Devil Ark)

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Herbert Gut am 12.10.2017 10:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo.

    Endlich mal ein interessanter Artikel. Danke !

  • Missy am 12.10.2017 10:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tierwelt

    es stimmt mich immer sehr traurig zu hören dass eine Tierart vom aussterben bedroht ist.. :'(

    einklappen einklappen
  • Nati am 12.10.2017 10:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tierfreund

    Allen Helfern und Unterstützern der diversen Tierarten von Nutztier bis Wildtier ein grosses Dankeschön und eine herzliche Umarmung!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Anna am 13.10.2017 23:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Wie geht es den Zoogegnern damit?

  • Leserin am 12.10.2017 18:04 Report Diesen Beitrag melden

    Die Menschheit

    Was ist mit dem Wolf, Bär, Tiger, Elefant, Wal usw.? Wer vernichtet die Bienen? Wer vernichtet die Vielfalt an Flora und Fauna?

    • sorry am 13.10.2017 18:39 Report Diesen Beitrag melden

      Ironie

      Ich nicht! Ich arbeite im Büro.

    einklappen einklappen
  • Laura am 12.10.2017 13:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tun mir leid

    Ich werde jetzt meine letzten 10.- nach dort unten spenden. Mehr hab ich nicht, aber das gebe ich sehr gerne für diese süssen Tiere die vom aussterben bedroht sind.

    • Be aussi am 12.10.2017 13:54 Report Diesen Beitrag melden

      Patenschaften

      Es sind sicher auch Patenschaften möglich, wie bei den koalas in australien.

    • Spaniel am 12.10.2017 14:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Be aussi

      Finde ich wäre eine gute Idee - ist nur aber nichts bekannt dass es das gibt.

    • sunshine am 12.10.2017 19:29 Report Diesen Beitrag melden

      @Spaniel

      Doch, das gibt es. Google mal "Devil Ark" (Links funktionieren hier soweit ich weiss nicht). Dann "How you can help" und weiter zu "Adopt a devil". Da gibt's Patenschaften für Beutelteufel. Infos dazu und zur Organisation natürlich ebenfalls. Man kann aber auch einmalig spenden ohne Patenschaft. Ziel der Organisation ist das Aussterben der Teufel zu verhindern.

    • Huch? am 13.10.2017 10:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Laura

      Das glaubst du ja selber nicht, dass du nur noch 10 Stutz hast.

    • krass am 13.10.2017 15:53 Report Diesen Beitrag melden

      Unnötig

      Wieso willst du dich im Internet so gut darstellen? Was bringt dir das? Wie Huch? schon sagt, das glaubst du ja selber nicht

    einklappen einklappen
  • Spaniel am 12.10.2017 13:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr schöner guter Artikel

    Auch von anderen erwähnt- ich schliesse mich an. Guter Artikel - bitte weiter so.

  • PROLLTRASH am 12.10.2017 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    toll

    ein interessanter artikel. gut gemacht!