Wirtschaftssystem

19. Mai 2018 11:37; Akt: 19.05.2018 11:37 Print

Das sind die Alternativen zum Kapitalismus

von Rolf Maag - Karl Marx' Gegenmodell zum Kapitalismus ist gescheitert. Es gibt aber auch andere Ideen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Margaret Thatcher war von 1979 bis 1990 Premierministerin von Grossbritannien. In ihren Reden verwendete sie häufig den Satz «There is no alternative» (Es gibt keine Alternative). Damit meinte sie, dass einzig der von ihr verfochtene Marktradikalismus auf die Dauer wirtschaftlichen Erfolg verspreche. Thatcher erhielt sogar den Spitznamen Tina, der sich aus den Anfangsbuchstaben der Wörter ihrer Formel zusammensetzt.

Umfrage
Wie stehen Sie zum Kapitalismus?

Doch seit der Wirtschaftskrise, die 2007 ihren Anfang nahm, ist nicht nur Thatchers Neoliberalismus, sondern auch der Kapitalismus als solcher wieder einmal in Verruf geraten. Manche meinen, wir bräuchten andere Wirtschaftsmodelle, weil der Kapitalismus krisenanfällig, ungerecht und ökologisch verheerend sei. Wie könnten diese aussehen?

Aktienmarkt-Sozialismus

Der in Berlin lehrende italienische Ökonom Giacomo Corneo möchte den Kapitalismus nicht abschaffen, sondern durch eine andere Verteilung der Kapitaleinkommen gerechter machen. Er nennt das «Aktienmarkt-Sozialismus».

Corneo zufolge sollte der Staat sukzessive die Aktienmehrheit an den Grosskonzernen übernehmen. Voraussetzung dafür wäre eine neue Institution, die er nach dem Vorbild der deutschen Bundesbank «Bundesaktionär» nennt. Sie würde sich um die Renditen der grossen Unternehmen kümmern.

Die Dividenden würden dann zum Teil an die Bürgerinnen und Bürger ausgeschüttet, zum Teil sozial verantwortlich investiert. Dafür würden die in den Verwaltungsräten sitzenden Vertreter des Bundesaktionärs sorgen, die ihrerseits wieder von NGOs überwacht würden. Ausserdem bekämen die Angestellten mehr Mitbestimmung. Corneo meint, dass so die Konzerne demokratisch und zum Wohl aller geführt würden, weil die Dominanz einiger weniger Grossaktionäre aufgehoben wäre.

Postwachstumsökonomie

Niko Paech ist der Guru der «Postwachstumsökonomie». Der in Siegen und Oldenburg lehrende Ökonom ist erst einmal geflogen, isst kein Fleisch und besitzt weder ein Smartphone noch einen eigenen Laptop.

Daraus ist bereits zu ersehen, dass Paech den übersteigerten Konsum als grösstes Übel unserer Zeit betrachtet. Er sei umweltschädlich und führe ab einem gewissen Niveau auch zu keiner zusätzlichen Befriedigung. Seines Erachtens sollten wir deutlich weniger verbrauchen, aber auch weniger herstellen. Das gilt sowohl für die Einzelnen als auch für die Unternehmen. Das würde einen Rückgang des Wachstums und wohl auch den Zusammenbruch grosser Teile der Industrie nach sich ziehen.

Paech möchte das durch eine Reduktion und Umverteilung der Arbeitszeit sozial abfedern. Seiner Meinung nach würden 20 Stunden Arbeit pro Woche reichen. Wir hätten dann zwar weniger Geld, dafür aber deutlich mehr Zeit, die wir beispielsweise zur Selbstversorgung in nachbarschaftlichen Netzwerken nutzen könnten.

Postkapitalismus

Für den englischen Wirtschafsjournalisten Paul Mason ist Wikpedia das Modell der Zukunft. In seinem Buch «Postkapitalismus» setzt er auf Netzwerkorganisationen, in denen Produkte gemeinsam hergestellt und konsumiert werden, ohne dass dafür Preise oder Löhne gezahlt werden müssten.

Ausserdem fordert Mason ein bedingungsloses Grundeinkommen, das die Leute vom Zwang befreien würde, ihre Arbeitskraft zu jedem Preis zu verkaufen. Nötig sei auch eine radikale Wende zu alternativer und dezentral hergestellter Energie. Schliesslich plädiert Mason für verstaatlichte Notenbanken, die so viel Geld drucken, wie der Staat braucht. Dass dabei eine gewaltige Inflation entstehen würde, bereitet Mason kein Kopfzerbrechen. Sie würde ihm zufolge nämlich dabei helfen, die Schulden abzubauen und den Reichtum neu zu verteilen.

Kapitalismus und die Unterdrückung der Frauen

All diese Ideen wirken ein wenig unausgegoren und sind bisher auch kaum in die Programme der Parteien eingegangen. Doch wie Mason zu Recht schreibt: Die Frauen erlangten in den westlichen Staaten innerhalb von wenigen Jahrzehnten ihre rechtliche Gleichstellung, nachdem sie während Zehntausenden von Jahren unterdrückt worden waren. Warum sollte es dann nicht gelingen, eine Alternative zum Kapitalismus zu finden, den es seit etwa 200 Jahren gibt?

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ava am 19.05.2018 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    genau hin schauen

    Es ist eine Ilusion zu glauben die ganz oben am Schalthebel seien am Wohl der Massen interessiert. Die vorgegebene Agenda wird alles unterbinden, was die Menschheit frei und unabhängig machen könnte. Das Gegenteil wird angestrebt und da die Völker partout nicht erwachen wollen, wird alles seinen Lauf nehmen.

    einklappen einklappen
  • Pasci am 19.05.2018 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sozialismus kann nicht überleben

    Das Problem vom Sozialismus ist, dass Dir irgendwann das Geld anderer Menschen ausgeht.

  • Jürg am 19.05.2018 12:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverantwortung wird zum Fremdwort

    Schreit nicht nach Sozialismus, denn er wird nur die Armut gleichmässig verteilen und den ganzen Reichtum nach oben ziehen. Da jeder einzelne Mensch schlussendlich der Eigenverantwortung nicht ausweichen kann und ernten wird was er gesäät hat, kann nicht jeder gleich viel erhalten. Nehmt eure Eigenverantwortung wahr, dann hört ihr auf, euch für die ganze Welt (Grössenwahn) verantwortlich zu fühlen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nico am 20.05.2018 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Sache

    Ich finde Kapitalismus super. Wer chrampft und etwas auf der Platte hat, kommt weit. Faule Eier und Taugenichtse bleiben zu recht stehen. Sehe das Problem nicht. Mir geht die immer grösser werdende Solidarität auf den Wecker. Wie man sich bettet so liegt man.

  • Freier Mensch am 20.05.2018 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    Unterdrückung der Frauen?

    Natürlich sind die Frauen gleichberechtigt und sollten auch denselben Lohn bekommen. Was ist denn nun aber mit den Kopftuchfrauen? Gleichberechtigt oder doch eher unterdrückt?

  • EMM am 20.05.2018 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gilt wie immer

    Das Recht des Stärkeren. Abgesehen von Gleichberechtigung und Demokratie etc, sind nur Nebensache um die Bevölkerung zu beruhigen. Warum will man wohl den Kapitalismus zu eigenen Vorteil hinterfragen???

  • Klartexter am 20.05.2018 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    zu viel Konsum in der 1. Welt

    Niko Peach sagt es richtig: wir konsumieren zuviel! Nur wie können wir das ändern? Ein Schritt wäre sicher die Erhöhung der Preise. Ware muss wieder vermehrt ihren Wert haben. Stichwort Fairtrade! Stichwort Nachhaltigkeit! Und auch die Mobilität, sprich Benzin- und Flugtickets müssen teurer werden!

    • Reicher am 20.05.2018 14:08 Report Diesen Beitrag melden

      Und das soll "Fairtrade" sein?

      Die Preise so erhöhen, dass sich das arbeitende und wenig verdienende Volk noch weniger leisten kann? Mir kanns recht sein. Mich hindern hohe Preise nicht am Konsum im Überfluss.

    einklappen einklappen
  • Röbi am 20.05.2018 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Neo Kapitalismus

    Auf dem Grabstein des Kapitalismus wird mal stehen: Alles war nicht genug.

    • Freier Mensch am 20.05.2018 19:05 Report Diesen Beitrag melden

      Es gab immer noch etwas,

      das man unbedingt noch haben sollte, sei es nur ein Paar Schuhe für CHF 500.

    einklappen einklappen