Künstliche Intelligenz

28. April 2018 20:24; Akt: 28.04.2018 20:24 Print

Die Gefahren des Weltuntergangsdenkens

Stephen Hawking glaubte und Elon Musk glaubt, die künstliche Intelligenz bedrohe die Menschheit. Der Psychologe Steven Pinker widerspricht.

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Der kürzlich verstorbene Physiker Stephen Hawking blickte mit Besorgnis in die Zukunft. Grund dafür war die Entwicklung der künstlichen Intelligenz. 2017 erklärte er in Lissabon: «Wir wissen nicht, ob uns die künstliche Intelligenz (KI) unendlich helfen, ignorieren, zur Seite schieben oder möglicherweise zerstören wird.»

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Elon Musk, CEO von Tesla und Spacex, teilt Hawkings Befürchtungen. «Wenn Sie über die Sicherheit der KI nicht besorgt sind, sollten Sie es sein. Sie ist ein viel grösseres Risiko als Nordkorea», belehrte er im August 2017 seine Follower auf Twitter.

Ein Widerspruch

Müssen wir also befürchten, dass wir dereinst von Robotern versklavt oder gar ausgelöscht werden? Steven Pinker, Psychologe an der Harvard University, gibt Entwarnung. Seines Erachtens ist es widersprüchlich, wenn wir die Menschen für so begabt halten, dass sie eine allwissende und allmächtige KI entwerfen können, aber auch für so dumm, dass sie dieser die Kontrolle über das Universum übertragen, ohne sie zuvor sorgfältig getestet zu haben.

Untergangsvisionen sind schädlich

Ausserdem hätten falsche Warnungen vor möglichen schlimmen Ereignissen oft selbst katastrophale Auswirkungen. Als Beispiel führt Pinker die Invasion im Irak im Jahr 2003 an. Präsident George W. Bush rechtfertigte diese unter anderem damit, dass der Irak über Nuklearwaffen verfüge, mit denen er den Rest der Welt bedrohen könnte. An den Folgen des Krieges, den Bush auf der Grundlage dieser falschen Behauptung entfesselte, leiden der Irak und die USA bis heute.

Resignation

Pinker sieht eine weitere Gefahr: Wenn die Leute ständig mit Schreckensszenarien konfrontiert würden, begännen sie womöglich zu glauben, Massnahmen gegen mögliche Bedrohungen seien nutzlos, weil die Welt ohnehin dem Untergang geweiht sei. 2013 zeigte eine Untersuchung in vier englischsprachigen Ländern, dass eine Mehrheit der Befragten, die glauben, dass unsere Lebensform vermutlich in 100 Jahren endet, dem folgenden Satz zustimmte: «Die Zukunft der Welt sieht so düster aus, dass wir uns darauf konzentrieren sollten, uns um uns selbst und um unsere Liebsten zu kümmern.»

Lösbare Probleme

Pinker leugnet nicht, dass sich die Menschheit grossen Herausforderungen gegenübersieht, etwa den Folgen des Klimawandels oder einem möglichen Atomkrieg. Seines Erachtens handelt es sich dabei aber um Probleme, die durch Verhaltensänderungen und die Entwicklung neuer Technologien lösbar sind. Es gebe keinen Grund, die Hoffnung zu verlieren.

Heuristik der Furcht

Pinkers Optimismus ist zweifellos erfrischend, erscheint aber auch etwas einseitig. Er sieht offenbar nicht, dass der technische Fortschritt sowohl eine Befreiung als auch eine Bedrohung ist, weil er den menschlichen Handlungsspielraum enorm erweitert, im Guten wie im Schlechten.

Den entgegengesetzten Standpunkt vertrat der Philosoph Hans Jonas in seinem 1979 erschienenen Buch «Das Prinzip Verantwortung». Er argumentierte dort dafür, dass wir uns in unseren Entscheidungen von einer «Heuristik der Furcht» leiten lassen sollten, sofern es um die Entwicklung und den Einsatz neuer Technologien geht. Damit ist gemeint, dass im Zweifelsfall die negative Prognose mehr Gewicht haben sollte als die positive. Wenn auch nur die Möglichkeit bestehe, dass eine bestimmte Technologie die Zukunft der Menschheit gefährde, dürfe sie nicht verwendet werden.

In einem aber hat Pinker sicher recht: Wir werden die Welt nicht dadurch retten, dass wir ständig jammern.

(rm)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • So ein Typ am 28.04.2018 20:40 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Psychologe

    wird das natürlich besser wissen.

  • Medard Rieder am 28.04.2018 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die lieben Experten...

    Typisch Psychologe Woher will der denn wissen wie KI funktioniert wenn er nicht mal annähernd weiss wie Ein menschliches Gehirn funktioniert. Aber es ist heute ja jeder Experte von irgend etwas. Eines ist sicher: Nachdem die Dinge, und zwar welche auch immer, passiert sind sagen solche Leute immer dasselbe: "Ich habe schon immer gesagt..." Und das obwohl sie genau das Gegenteil gesagt haben. Da vertraue ich doch eher auf Musk und Co. Die haben zwar auch nicht immer Recht. Aber sie stehen schon viel mehr mit den Füssen auf dem Boden der Realität.

  • M. am 28.04.2018 22:01 Report Diesen Beitrag melden

    Marco

    Grundsätzlich bin ich Optimist. Aber ggü. der KI ziemlich das Gegenteil und auch dagegen. Sobald die erste Roboterarmee in vielleicht schon absehbarer Zeit oder Super-Mega-Computer oder was auch immer uns für eine unlogische Spezies klassifiziert, ist für uns aus die Maus.

Die neusten Leser-Kommentare

  • BeeEasy am 01.05.2018 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lieber nicht

    die KI wird von menschen erstellt und auch von menschen manipuliert (viren,fehlerhafte daten,umprogrammierung,etc)...wir scgaffen es ja nicht einmal der herr über den datenschutz zu werden,wie also über roboter mit eigenleben?

  • JasonTheMason33 am 30.04.2018 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein gute Idee

    es wird gehandhabt wie alles andere auch.. nur wird es dann fürs grosse geseufze zu späht sein. spannend wird es aber das erste mal, wenn man die maschienen auf unterlassene hilfeleistung verklagt und spätestens beim ersten unauthorisierten eingreifen haben wir dann verloren.

  • Laura am 29.04.2018 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ängste entstehen...

    meist bei den Dingen, die wir nicht oder zu wenig verstehen. Schon immer hatten einige Angst vor Verdrängung durch Fortschritt. Dennoch sind durch neue Technologien auch mehr Chancen entstanden. Das wird bei der Digitalusierung nicht anders sein, bloss viel schneller ablaufen. KI wird noch ein paar Jahre benötigen, bis Roboter oder Programme wirklich selbständig schöpferische Tätigkeiten ausüben können. Bereiten wir lieber die ethischen und moralischen Gesetze heute vor und überlegen uns wie die Gesellschaft zukünftig funktionieren soll... denn eins ist gewiss: Nichts wird bleiben wie es heute ist.

    • Nicolas am 01.05.2018 10:00 Report Diesen Beitrag melden

      Gefällt mir

      Ein sehr schöner Kommentar, Laura for President, hm oder bist du vieleicht noch Single?

    einklappen einklappen
  • Migesch am 29.04.2018 22:18 Report Diesen Beitrag melden

    Der Untergang ist die Norm

    Die Welt geht jeden Tag irgendwo oder für irgend jemanden unter. Das ist alltägliche Realität. Ab 25 gehts eh bergab, das weiss doch jeder? Was ist der Unterschied für ein Individuum, ob es bei einem allgemeinen Weltuntergang den Abgang macht oder persönlich und für sich alleine den Geist aufgibt???

    • holy moly am 30.04.2018 13:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Migesch

      Eigentlich haben Sie auf eine Art recht ...jedoch ist das ein ziemlich depressives Gedankengut.

    einklappen einklappen
  • EMM am 29.04.2018 22:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die frage lautet

    Welche Konsequenzen, hätte ein Wettstreit zwischen einer Künstliche Intelligenz, und der Menschheit? Die Antwort wäre aller Wahrscheinlich nach, dass der Mensch zunehmend Digitalisiert und Vernetzt wird. Und, es wird schon lange an einer Mensch-Maschine Kopplung geforscht. Nur, wollen Wir das?