Kein Gefühl in den Beinen

02. Juli 2018 08:26; Akt: 02.07.2018 08:26 Print

Heftige Verstopfung bringt Mann in Lebensgefahr

Erst als die Bauchschmerzen unerträglich werden und das Gefühl aus dem rechten Bein schwindet, geht ein Australier ins Spital –gerade noch rechtzeitig.

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Schmerzen, Schwellungen, Übelkeit und Lähmungserscheinungen im Bein veranlassten einen Australier dazu, die Notaufnahme des Footscray Hospitals in Melbourne aufzusuchen. Die rektale Untersuchung zeigte, dass Fäkalien im Enddarm Schuld an den Beschwerden waren. Doch das war noch nicht alles, wie ein MRT zeigte. So waren nicht nur die letzten 20 Zentimeter des Darms betroffen, sondern der gesamte Verdauungsapparat. Dadurch hatte sich der Darm so stark erweitert, dass er auf mehrere Organe sowie die rechte Darmbeinarterie drückte. Letzteres hatte die Beschwerden im Bein ausgelöst. Um weitere Komplikationen zu verhindern, entschieden sich die Mediziner zur Notoperation. Während dieser wurde die lebensgefährliche Kot-Stauung behoben und der Druck auf Organe und Blutgefässe reduziert. Um alle Kotrückstände zu entfernen, erhielt der Patient zusätzlich noch Abführmittel. So ungewöhnlich der Fall des Australiers auch klingt, er ist nicht der einzige, den Fäkalien im Darm in eine Notsituation bringen. Auch Zhou Hai aus China litt deswegen jahrelang. Erst als sein Bauch kurz vor dem Platzen stand, begab sich der damals 22-Jährige im Juni 2017 ins Spital. Der 22-Jährige wurde sofort in den Operationssaal gebracht. In einer dreistündigen Operation entfernten die Chirurgen ein 76 Zentimeter langes Stück Darm. Dieser war laut den behandelnden Ärzten mit 13 Kilogramm Fäkalien gefüllt. Der Grund: Hai leidet an der Hirschsprung-Krankheit. Dabei wird ein Teil des Dickdarms blockiert, Abfallprodukte wie Fäkalien können nicht weitertransportiert werden. Die Folge: chronische Verstopfung und in seltenen, besonders schweren Fällen die Entwicklung eines sogenannten Megakolons wie bei Zhou Hai.

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Es ist nicht so, dass es keine Hinweise darauf gegeben hätte, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Doch der 57-jährige Australier ignorierte sie alle – die immer schlimmer werdenden Unterleibsschmerzen genauso wie das Anschwellen seines Unterleibs und die in Wellen auftretende Übelkeit.

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Erst als auf die Schmerzen im rechten Bein Lähmungserscheinungen folgten, beschliesst er, einen Arzt aufzusuchen. Seine Wahl fällt auf das Footscray Hospital in Melbourne.

Knochenharte Kotansammlung klemmt Blutzufuhr ab

In der dortigen Notaufnahme gehen die Mediziner sofort ans Werk. Als sie im auffälligen Bein keinen Puls, dafür aber eine unheilvolle Kälte fühlen, ordnen sie umgehend eine Untersuchung des Darms des Mannes an, wie sie in den «BMJ Case Studies» schreiben.

Die rektale Untersuchung zeigte, dass Stuhl im Enddarm Schuld an den Beschwerden war. Dieser war über Tage offensichtlich so sehr zusammengepresst worden, dass er ganz hart geworden war. Doch das war noch nicht alles, wie ein darauffolgendes MRT (Magnetresonanztomographie) offenbarte.

So waren nicht nur die letzten 20 Zentimeter des Darms von der Verstopfung betroffen, sondern der gesamte Verdauungsapparat. Dadurch hatte sich der Darm so stark erweitert, dass er auf mehrere Organe sowie die rechte Darmbeinarterie drückte. Letzteres hatte die Schmerzen und Lähmung im Bein ausgelöst.

Zwei Liter Fäkalien abgepumpt

Um weitere Komplikationen wie etwa Niereninsuffizienz oder ein Absterben des Beins zu verhindern, entschied sich das Team um Simon Ho zur Not-OP. Während dieser wurde die lebensgefährliche Kot-Stauung behoben und der Druck auf Organe und Blutgefässe reduziert.

Und das erfolgreich: «Unter Vollnarkose haben wir manuell eine signifikante Stuhlentfernung durchgeführt und dabei geschätzte zwei Liter Fäkalien entnommen», schreiben die Forscher im Fachjournal.

Um wirklich alle Kotrückstände aus dem Darm des Patienten zu entfernen, erhielt dieser zusätzlich noch Abführmittel. Nach vier Tagen konnte er die Intensivstation verlassen, aber erst nach gut 14 Tagen konnte er wieder laufen. Was zu der ungewöhnlich hartnäckigen Verstopfung geführt hat, ist nach wie vor unklar.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Geri am 02.07.2018 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheit ist das Wichtigste im Leben

    erst wen man solche Bilder sieht und von solch einer Krankheit liest schätzt man wieder seine Gesundheit, ist halt doch das Allerwichtigste im Leben

  • Marko 69 am 02.07.2018 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Krass

    Wieviele Kurix waren das?

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  • John Doe 1970 am 02.07.2018 11:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lokus

    Ich bin genau, während ich das lese, dabei, so etwas, im Ansatz, zu verhindern.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Josh am 02.07.2018 14:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glaubersalz

    Hilft 100%. Diarrhoe (Durchfall) garantiert. Zu kaufen in jeder Apotheke.

  • Janoschi am 02.07.2018 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    Bier mit Dose

    Zuviel gegessen oder Bier mit Dose verschluckt. Was für ein Thema? Interessiert wirklich keinen.

  • Letzi Parker am 02.07.2018 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So einfach kann es sein

    Ich hatte nach einer Bauch Operation sehr oft Verstopfung. Der Arzt empfahl mir, jeden morgen Ballastknäckebrot zu essen. Seither funktioniert meine Darmtätigkeit richtig gut.

    • Annabelle am 03.07.2018 09:14 Report Diesen Beitrag melden

      2 Glas warmes Wasser jeden Morgen

      Man kann den Tag auch mit einem Glas warmem Wasser oder etwas Zitronensaft darin beginnen. Langsam trinken, am besten dann, wenn man morgens um 5 Uhr das erste Mal zur Toilette geht. Dann wieder hinlegen, sich strecken und noch ein paar Minuten ausruhen.

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  • Jaga am 02.07.2018 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Von Darm kommen mehr Krankheiten als wir denken.

    • Weisch am 02.07.2018 23:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jaga

      Auch von den Zähnen.

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  • Darmi am 02.07.2018 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spengler

    Wenn das WC verstopft ist, ruft man den Sanitär zur Hilfe, wenn der WC-Zulieferungsapparatus verstopf ist, trinkt man vergährten Apfel/Zwetschgensaft und wenn das nichs hilft, geht man zum Dökti.