Extremsportler

29. Juni 2018 13:57; Akt: 29.06.2018 13:57 Print

Schweizer rennt von Zürich nach London

von Adrian Hunziker - Andreas Reiner rennt gern. Nun will er 930 Kilometer zu Fuss zurücklegen – in drei Wochen.

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Andreas Reiner ist 38 Jahre alt und arbeitet bei einer Versicherung. Der Zürcher hat es faustdick hinter den Ohren – zumindest, was das Läuferische betrifft. Der passionierte Amateurläufer will am 30. Juni loslaufen und bis am 20. Juli in London ankommen. Er hat vor, in drei Wochen 930 Kilometer zu Fuss zurückzulegen. Warum eigentlich?

«Meine Freundin ist mit ein Grund für diese Aktion. Sie ist vor zwei Jahren über den Ärmelkanal geschwommen – bei 14 Grad und ohne Neoprenanzug. Sie hat 43 Kilometer in 14 Stunden zurückgelegt», so Reiner. «Jetzt muss ich leisten», sagt er und muss laut lachen. Mehr aus Jux sagte der Zürcher seiner Partnerin, einer Irin, die in London lebt, statt hin- und herzufliegen, könnte er ja mal rüberlaufen. «Logischerweise kam von ihr kein ‹Nein, mach das nicht›. Im Gegenteil, ‹das wäre cool›, erwiderte sie.» Einige Tage später googelte Reiner die Strecke und dachte sich: «Das geht.»

Für die Make-A-Wish Foundation

Es gibt noch weitere Gründe für dieses Abenteuer. Reiner sucht die persönliche Herausforderung, er will etwas Spezielles unternehmen, das noch nicht viele gemacht haben, er will an seine Grenze kommen. «Ich bin schon Marathons gelaufen. Das werden aber 18 bis 19 Marathons am Stück, mit Gepäck.» Sein Vorteil: Er hat keinen Zeitdruck.

Hinzu kommt der soziale Gedanke. Denn Reiner nimmt die Strecke auch für die Make-A-Wish Foundation unter die Füsse. Die Organisation erfüllt kranken Kindern Herzenswünsche. «Ich selbst ziehe aus meiner Challenge keinen finanziellen Nutzen, all das gespendete Geld geht an die Organisation», sagt Reiner.

Zwei Ruhetage eingeplant

Reiner startet am Samstag, 30. Juni, bei sich zu Hause. Sein Weg führt ihn über den Schwarzwald, die Grenze zu Frankreich entlang, nach Luxemburg, Belgien bis Dünkirchen, wo er eine Brauerei in einer Abtei besuchen will. In Dünkirchen holt ihn seine Freundin mit dem Auto ab, mit der Fähre fahren sie nach Dover. Von da wird er die restlichen drei Tage nach London bis zum Buckingham Palace auf sich nehmen.

«Ich habe zwei Ruhetage eingeplant. Einen davon nehme ich spontan, den anderen habe ich fix in Roubaix eingeplant», erklärt der Läufer und Eishockey-Fan. Dort will er ins Museum gehen, ins Vélodrom. «Ich finde das Rennen Paris–Roubaix super.» Eventuell werde er auch noch 300 Meter über das Kopfsteinpflaster laufen.

Erste Herausforderung wird der Schwarzwald

Reiner plant, jeden Morgen gegen 5 Uhr loszulaufen – «es ist ja Hochsommer, ich versuche der Hitze zu entkommen» – und täglich 48 km zurückzulegen. Er läuft mit seinem Packer (Wägelchen), das selbst sieben Kilogramm wiegt, und möchte nicht mehr als zehn Kilo an Gepäck (inbegriffen sind zwei Paar zusätzliche Laufschuhe und zwei Lauf-Tenüs) mitnehmen. «Wenn du mal läufst, spürst du das Gewicht nicht mehr. Aber wenn man hinaufläuft, merkt man das. So gesehen werden die ersten zwei oder drei Tage im Schwarzwald heftig, da geht es bis 1200 Meter hoch, das wird eine erste Herausforderung.» Reiner hat sich aber auch gesagt, er müsse ja nicht die gesamte Strecke rennen, gehen geht auch.

So sieht es aus, wenn Reiner mit seinem Packer trainiert.

Schlafen wird er unterwegs in Bed and Breakfasts und Airbnb. «Ein Zelt habe ich mir schnell aus dem Kopf geschlagen, da kommt die Erholung zu kurz. Diese ist aber das A und O.» Die Unterkünfte wählt er zwei oder drei Tage im Voraus aus. So ist auch etwas Unberechenbares dabei, das er auch sucht. «Für einmal ist nicht alles durchgeplant. Im Notfall könnte ich aber auch mal in einem Hotel übernachten.»

So wird das Wägelchen montiert.

Auf nüchternen Magen loslaufen

Der 38-Jährige freut sich auf die Begegnungen mit Leuten auf der Strecke. «Das wird mich ein Stück weit verlangsamen, das nehme ich in Kauf, ich erzähle gern, weshalb ich das mache, wenn jemand fragt.»

Um sich zu verpflegen, nimmt er Instant-Gels und ähnliche Präparate mit. «Zu viel davon kann man nicht essen, sonst bekommt man Durchfall», gibt er zu bedenken. Er ist es sich gewohnt, am Morgen nüchtern loszulaufen, «das habe ich trainiert. Ich trinke nur etwas Wasser vor dem Start.» So liegen mit Gels 20 bis 25 km drin. Dann macht er eine Pause von 20 bis 30 Minuten. Da verpflegt er sich mit einem Brötchen vom Bäcker. Das sollte für ihn reichen, bis er kurz nach dem Mittag sein Tagesziel erreicht. Am nächsten Morgen geht es im gleichen Stil weiter.

Resultate und Tabellen

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rino R. am 29.06.2018 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    St. Gallen-Moskau retour

    Möchte die Leistung nicht mindern. Aber ich bin Mitte der 80er-Jahre von St. Gallen nach Moskau und retour gerannt. Damals gabs noch keine sozialen Medien und ausser meiner Frau hat das kein Schwein interessiert. In den lokalen Medien hat man mich dafür eher ausgelacht. Nach dem Motto: Der scheint wohl nicht Gescheites zu tun haben. So ändern sich die Zeiten.

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  • Hobby Jogger am 29.06.2018 16:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Differenzierte Kurzanalyse

    Sport ist gesund. Extremsport ist schädlich. Das ist der feine Unterschied.

  • Iren am 29.06.2018 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht spazieren

    20 Tage lang 10 Stunden spazieren - das ginge auch

Die neusten Leser-Kommentare

  • Normalo am 01.07.2018 11:08 Report Diesen Beitrag melden

    Täglich 48km

    Ich habe gestern knapp 5km geschafft.

  • Amanda am 01.07.2018 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rennen nach London

    Das ist ja nicht neu. Das haben Kuriere im Mittelalter schon gemacht. Nur wurden die je nach Nachricht, die sie überbrachten, bei der Ankinft ins Gefängnis gesteckt oder reichlich belohnt

  • Gbj am 30.06.2018 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie jetzt??

    Wie will der Typ nach London rennen.. teils führt die Strecke unter Wasser.

    • simi2000 am 01.07.2018 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gbj

      Du hast den Artikel nicht zu ende gelesen.

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  • E. Iger am 30.06.2018 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahnsinn....

    ... ist das wohl nicht! 44.2km pro Tag, na ja! Mach mal den Eiger-Ultra! 100km, 6700 Höhenmeter in max. 26 Std

  • Tomtom am 30.06.2018 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    Hmmm

    Was macht er am Kanal? Oder geht, bzw. rennt er durch den Tunnel? Oder drüber? Das wäre ja eine Sensation. Meines Wissens hat es (angeblich) erst einer geschafft, über das Wasser zu gehen. Ach, die Fähre, aber dann ist er ja nicht alles gelaufen...