French Open

09. Juni 2018 18:00; Akt: 09.06.2018 19:40 Print

Simona Halep bezwingt ihre Dämonen

Die Rumänin hat den Final der French Open gewonnen. Es ist ihr erster Triumph bei einem Grand-Slam-Turnier.

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Geschafft: Simona Halep gehört nun zu den ganz grossen Spielerinnen. (9. Juni 2018) Ein Küsschen für den Pokal – die Rumänin hat ihren ersten Grand-Slam-Titel überhaupt erdauern müssen. Im intensiven, teilweise hochklassigen Final von Paris setzt sich die Klassenbeste in drei Sätzen gegen... ...die Amerikanerin Sloane Stephens durch. Der Final ist beste Propaganda für das oft geschmähte Frauen-Tennis. Rien ne va «pluie»: Zwei Männer-Viertelfinals in Paris sind auf Donnerstag vertagt worden. (6. Juni 2018) Schützenhilfe von oben: Nach dem ersten Satzverlust seit drei Jahren beim French Open ist Rafael Nadal einem Unterbruch nicht abgeneigt. Kein Spaziergang: Der König von Paris wird von Diego Schwertzman hart gefordert. Der erste Satz geht nämlich an den... ...äusserst wendigen Argentinier, die Nummer 12 der Welt. Auch das Duell zwischen Juan Martin Del Potro (Bild) und Marin Cilic kann am Mittwoch nicht fertig gespielt werden. Die Frauen dagen haben Wetterglück: Garbiñe Muguruza gehört nach ihrer Galavorstellung im Viertelfinals zu den Favoritinnen auf den Turniersieg. Die Spanierin lässt Maria Scharapowa, die im Tennis-Zirkus als Diva verschrien ist, nur gerade drei Games. Muguruza trifft nun auf... ...die Rumänin Simon Halep. In diesem Duell geht es auch die Nummer-1-Platzierung bei den Frauen. Angelique Kerber gewinnnt zwar den ersten Satz gegen Halep, doch dann bleibt die Deutsche chancenlos, wobei sie auch gepflegt werden muss. Krimi in Paris: Marco Cecchinato (l.) wirft auch die ehemalige Nummer 1 aus Serbien aus dem Turnier. (5. Juni 2018) Für Djokovic ist das Aus im Viertelfinal doch ein Rückschlag, nachdem er sich zuvor wieder gefunden hat. Der nächste Anlauf: Österreichs bester Tennis-Spieler strebt den Turniersieg im Bois de Boulogne an. Dominic Thiem steht zum dritten Mal de suite im Halbfinal des French Open. Alexander Zverev kämpft im Viertelfinal gegen den Wiener mit Abnützungserscheinungen. Verlierer Zverev gratuliert Sieger Thiem fair zum Weiterkommen. Grosse Freude: Madison Keys hat wie Thiem den Einzg in die Halbfinals geschafft. Die Amerikanerin trifft dort auf die... ...Sloane Stephens. Es ist die Neuauflage des US-Open-Finals. Grimmiger Blick eigentlich überflüssig: Für den Sandkönig von Paris läuft alles nach Plan. (4. Juni 2018) Rafael Nadal gibt sich auch im Achtelfinal gegen den Underdog Maximilian Marterer keine Blösse und siegt in drei Sätzen. Der Titelverteidiger steht im Viertelfinal. Nadal ist nun seit dem Viertelfinal-Out 2015 bei Roland Garros ohne Satzverlust. Und er kommt zu seinem 900. Sieg als Profi. Der Mallorquiner trifft nun auf den Argentinier Diego Schwartzman,der gegen... ...den Südafrikaner Kevin Anderson einen Zweisatz-Rückstand aufholt. Mit Hilfe von oben: Mit Juan Martin Del Potro ist in Paris wieder zu rechnen. Der Argentinier zwingt den amerikanischen Aufschlagsriesen John Isner in die Knie. Die beiden haben während des Spiels auch mal ihren Spass. Doch noch ein Weiterkommen: Marin Cilic aus Kroatien muss hart kämpfen, ehe... ...er sich gegen den unberechenbaren Italiener Fabio Fognini in fünf Sätzen behaupten kann.

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Simona Halep triumphierte – endlich – bei einem Major-Turnier. In ihrem vierten Final gewann die Nummer 1 der Welt Paris mit 3:6, 6:4, 6:1 gegen die Amerikanerin Sloane Stephens.

Das Aufatmen von Halep war förmlich zu hören. Bis in die hinterste Ecke des mit fast 15'000 Tennisfans gefüllten Court Philippe-Chatrier. 3:6 und 0:2 hatte sie gegen die US-Open-Siegerin zurückgelegen, es drohte die vierte Pleite im vierten Major-Final. Der Rückstand tat Halep aber besser als die klare Führung (6:4, 3:0), die sie im letztjährigen Final gegen Jelena Ostapenko verspielt hatte.

«Zuerst dachte ich: Alles ist weg»

«Als ich im zweiten Satz mit Break hinten lag, dachte ich: Alles ist weg. Also werde ich mich entspannen und den Match geniessen.» Das funktionierte formidabel. Halep gewann vier Games in Folge, musste Stephens nochmals auf 4:4 herankommen lassen und holte dann wieder sieben Games hintereinander.

Das 5:0 im Entscheidungssatz war dann genug Vorsprung, um nicht mehr nervös zu werden. Auch wenn Halep nach dem Spiel zugab: «Im letzten Game hatte ich das Gefühl, nicht mehr atmen zu können.»

Ein Traum wird wahr

Umso grösser war nach 2:03 Stunden die Erlösung. «Seit ich 14 Jahre alt war, habe ich davon geträumt, hier zu gewinnen», schwärmte die 26-jährige Rumänin. «Das ist mein Lieblingsort.» Zweimal hatte sie aber in Paris im Final verloren, dazu im Januar auch in Melbourne, jeweils in drei Sätzen. Diesmal verdiente sie sich den Sieg aber mit einer kämpferisch und strategisch hervorragenden Leistung.

Die beiden läuferisch und taktisch starken Finalistinnen schenkten sich nichts und boten den Zuschauern einen hochstehenden Schlagabtausch mit vielen intensiven und langen Ballwechseln. Ab Mitte des zweiten Satzes konnte Stephens ihre Kadenz nicht mehr ganz halten und beging sie plötzlich mehr Fehler als zu Beginn. Auch der dritte Satz war jedoch nicht so eindeutig, wie es das Schlussresultat glauben machen könnte.

«Das ist nicht die Trophäe, die ich wollte, aber sie ist auch schön», meinte Stephens, die in ihrem siebten WTA-Final erstmals als Verliererin vom Platz musste. Tatsächlich darf sie mit ihrem French Open zufrieden sein. Die 25-Jährige aus Florida ist nicht gerade als Sandplatz-Spezialistin bekannt und überraschte mit dem Finaleinzug. Sie wird sich am Montag in der Weltrangliste von Platz 10 auf 4 verbessern und ist damit erstmals beste Amerikanerin.

Cahills Drohung wirkte

Die Beste überhaupt ist aber Simona Halep - und das nicht mehr nur auf dem Papier. Sie hatte im Vorfeld des Finals allen erzählt, sie sei nicht mehr die gleiche und mental stärker geworden. Sie hielt Wort und gewann als zweite Rumänin nach ihrer heutigen Managerin Virginia Ruzici vor genau 40 Jahren die Coupe Suzanne Lenglen. Danach fiel der ganze Druck von ihr ab.

Halep vergrub das Gesicht in ihren Händen, vergoss für einmal ein paar Freudentränen statt solche des Frusts und kletterte in die Betreuerloge zu ihrem Coach Darren Cahill hinauf. Der Australier, der 1988 das ATP-Turnier in Gstaad gewann (gegen Jakob Hlasek) und bereits Lleyton Hewitt und Andre Agassi zur Nummer 1 geführt hatte, ist vielleicht das wichtigste Teil in Haleps Erfolgspuzzle. Er hatte sogar gedroht, sie zu verlassen, wenn sie ihre Emotionen auf dem Platz nicht besser in den Griff bekommen würde. Halep gehorchte und wurde nun verdientermassen belohnt.

Paris. French Open. Grand-Slam-Turnier (39,2 Millionen Euro/Sand). Frauen. Einzel. Final: Simona Halep (ROU/1) s. Sloane Stephens (USA/10) 3:6, 6:4, 6:1. – Junioren. Final: Tseng Chun Hsin (TPE/4) s. Sebastian Baez (ARG/1) 7:6 (7:5), 6:2. – Juniorinnen. Final: Cori Gauff (USA/16) s. Caty McNally (USA) 1:6, 6:3, 7:6 (7:1).

(sal/fal/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hopp_Duebi am 09.06.2018 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Eine würdige ...

    und verdiente Siegerin. GRATULATION Simona Halep für deinen tollen Kampf..

  • Andy Colette am 09.06.2018 17:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sofia Girl

    Um, da schaut aber jemand nie Tennis ! Jeder weiss das Simona Halep aus Rumänien kommt ! Gratuliere Simona sehr verdient !!

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  • Boris Pocher am 09.06.2018 20:08 Report Diesen Beitrag melden

    Well done!

    Man, war das wieder ein Wechselbad der Gefühle. Dachte schon, es gibt die 4 Finalniederlage bei GS aber sie hat das gut gerettet. Endlich am Ziel!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rabbit am 10.06.2018 12:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Juniorenlevel

    Dieses Tennis ist ja nicht auszuhalten. Bestenfalls Junioren Level.

  • R.J. MacReady am 10.06.2018 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Golden Slam unerreicht...

    Bei aller Freude für Simona, einen Rekord wird so schnell keiner im Tennis brechen. Den Golden Slam von Steffi Graf. Also alle 4 Grandslamturnier in einem Jahr inklusive die Goldmedaille bei Olympia. Dachte immer King Roger würde das schaffen...

  • Dreamof Mycock am 10.06.2018 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Drückte die Daumen

    Endlich durfte sie sich in die Reihen der Grandslamsieger eintragen. Die French Open sind das schwerste Grandslamturnier der Welt und sie hat das gut gemacht.

  • Dennis Breeder am 10.06.2018 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Simona endlich am Ziel

    Was ich bei den meisten Damen feststelle, es mangelt an einem konstantem Nervenkostüm. Simona konnte das zum Glück gestern in den Griff bekommen. Nadal und Federer sind mentale Meister!

    • R. Baratheon am 10.06.2018 09:48 Report Diesen Beitrag melden

      Starke Schwankungen

      Dem kann man nur zustimmen. Da kommen teilweise Ergebnisse Zustande, das gibt es gar nicht. 0:6 im ersten Satz und danach wird das Match noch gewonnen. Simona hat das auch schon oft gehabt. Das kenne ich aus den Top 10 der Männer nicht. Glückwunsch an Simona zum Titel übrigens.

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  • USAFan am 10.06.2018 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kann immer nur eine gewinnen

    hätte es SS gegönnt.