PAOK Saloniki

12. März 2018 11:23; Akt: 12.03.2018 13:46 Print

Vereinspräsident stürmt bewaffnet den Platz

Ein Schiedsrichter wird mit Pistole bedroht, die Partie abgebrochen – und die Regierung reagiert: Griechenlands Fussball versinkt im Chaos.

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Das Chaos im griechischen Fussball erreicht neue Dimensionen. Es läuft die Nachspielzeit im Spitzenspiel zwischen dem zweitplatzierten PAOK Saloniki und dem Tabellenführer AEK Athen. Nach einem Eckball steigt PAOK-Verteidiger Fernando Varela hoch, köpfelt den Ball in Richtung Tor, drin. Das Heimteam jubelt, AEK hadert. Aber nur für Sekunden, denn Schiedsrichter Georgios Kominis signalisiert: kein Tor. PAOK-Spieler Mauricio griff aus Abseitsposition ein, auch wenn er den Ball nicht traf. Aus passivem Abseits wurde aktives. Und aus kollektivem Jubel im Toumba-Stadion von Thessaloniki anschliessend Frust – und blinde Wut.

Vereinsfunktionäre stürmen das Feld, angeführt von Besitzer und Vereinspräsident Ivan Savvidis. Captain Vierinha versucht noch zu beruhigen, bleibt aber chancenlos. Während es einem Funktionär gelingt, bis zum Schiedsrichter vorzudringen und ihm seinen Unmut mitzuteilen, schaffen es mehrere Staffmitglieder, Savvidis zurückzuhalten. Was die Szene noch absurder macht: Der schwerreiche Clubbesitzer trägt eine Waffe am Gürtel. Zwar bleibt sie dort, dennoch flüchtet das Schiedsrichtertrio wegen des Platzsturmes in die Kabine und unterbricht die Partie.

Hier stürmt Savvidis das Feld. (Video: Tamedia/Youtube)

Medienberichten zufolge ändern die Unparteiischen über zwei Stunden nach Platzsturm ihre Meinung und entscheiden, den Treffer doch für gültig zu erklären. Offensichtlich unter Druck von Savvidis. Das teilt Kominis den beiden Captains in der Kabine mit. Athen weigert sich das zu akzeptieren und die restlichen Minuten nachzuspielen – das Spiel wird endgültig abgebrochen und nun am grünen Tisch entschieden werden. Trotz angeblicher Drohung von Savvidis gegenüber dem Schiedsrichter: «Das Spiel wird zu Ende gespielt, oder du bist erledigt.»

Vor Anpfiff führte AEK die Tabelle mit zwei Punkten Vorsprung an. Auch das ist höchst umstritten. Denn vor zwei Wochen musste die Partie zwischen PAOK und Olympiakos Piräus abgebrochen werden, weil Gästetrainer Oscar Garcia von einer Kassenrolle am Kopf getroffen wurde. Die Partie wurde 0:3-Forfait gewertet, Saloniki zusätzlich drei Punkte abgezogen, dazu zwei Geisterspiele und eine Busse von 30'000 Euro verhängt. Am Sonntag entschied der griechische Fussballverband aber, den Punkteabzug und das Zuschauerverbot wieder aufzuheben, was für viel Empörung sorgte.

Im Selbstzerstörungsmodus

Das letzte Wort in dieser Causa dürfte ebenso wenig gesprochen sein wie beim Skandal gegen AEK Athen. Dabei wäre PAOK in dieser Saison auf bestem Weg gewesen, erstmals seit 1985 den griechischen Meistertitel zu holen. Diese Hoffnung wird aber abseits des Platzes immer mehr zerstört.

Mittlerweile hat auch die Regierung reagiert: die Meisterschaft wird bis auf weiteres ausgesetzt. «Ohne eine von allen Seiten getroffene Vereinbarung wird es keinen Neustart geben», sagte der stellvertretende Sportminister Georgios Vassiliadis nach einem Treffen mit Ministerpräsident Alexis Tsipras am Montag.

Die Gewalt in Griechenland, insbesondere in Thessaloniki dürfte auch der Schweizerische Fussballverband besorgt registrieren. Ende März bestreitet die Schweiz ein Testspiel gegen die Griechen – im Toumba-Stadion von Thessaloniki.

(fas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maler50 am 12.03.2018 12:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewalttätig und hirnlos 

    Der Fussball verkommt immer mehr zu einem Kindergarten. Halt,mit diesem Vergleich ziehe ich den Kindergarten zu unrecht in die Tiefe, sorry liebe Kleinkinder! So gewalttätig y hirnlos benimmt sich kein Kindergärtler!!

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  • Colin am 12.03.2018 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fussball

    Was ist aus den Zeiten geworden, in denen sich Spieler nicht bei jeder Berührung fallen gelassen haben, in denen Niederlagen ohne Gewalt akzeptiert wurden, in denen Spieler/Trainer in den Interviews nach dem Spiel, das gesagt haben, was sie wirklich denken? Heute gibt es sowas, verknüpft mit überbezahlten Stars und Leute wie Magnin, der einen Vorfait Sieg gegen Basel fordert, statt sich die Punkte selber zu erkämpfen.

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  • Theorie & Praxis am 12.03.2018 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bauernliga

    Wie peinlich, etwas anderes gibt es dazu nichts zu sagen. Und das vom präsidenten, den schiedsrichtern und vor allem von de zuschauern und dem fussballverband. Das hat gar nichts mehr mit sport zu tun

Die neusten Leser-Kommentare

  • Johnny Macaroni am 12.03.2018 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ventil

    Fussball und der Gang ins Stadion waren schon immer ein Ventil einer gebeutelten Gesellschaft...solche Eskalationen erstaunen überhaupt nicht wenn man sich die soziale Situation in Griechenland anschaut...

  • Herr Küenzli am 12.03.2018 19:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Das sind ja Zustände wie im Joggeli. Wenn dann der FC Güsel absteigt wirds noch schlimmer.

  • Schwizz am 12.03.2018 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hopp

    Vor was soll den die Schweiz besorgt sein im Freundschaftsspiel in Thessaloniki? Es geht ja um nichts, im Gegensatz zu diesem Spiel schon. Aber sehr unmenschliches Verhalten von diesem Präsidenten.

  • Knister Minister am 12.03.2018 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Immer diese Chaoten !

    Daran sind nur die "Ultras" schuld ! Kappa

  • R21 am 12.03.2018 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich

    Ich als AEK Athen anhänger finde das einfach nur peinlich! Man sollte die griechische Liga für 5 jahre komplett sperren! Wenn man die Meinung des Schiris nicht akzeptieren kann, dann muss man schnell aufhören.. der arme Schiri wird mit seinem Leben bedroht wenn er seine Entscheidung nicht zurück nimmt, hallo??? Gehts noch?? Schickt Paok in die 3.te Liga