Christian Constantin

17. April 2018 13:48; Akt: 17.04.2018 14:48 Print

Der ewige Kampf des Sonnenkönigs

von David Wiederkehr - Christian Constantin muss sich mal wieder dem Urteil eines grossen Verbandes beugen. Er geht dagegen vor – wie so oft.

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Gewaltig viel Gegenwind für Christian Constantin nach dem tätlichen Angriff auf Teleclub-Experte Rolf Fringer. Der Sion-Präsident ist ein bunter Hund (mit ausgestopftem Wolf im Büro) und war sich im Laufe seiner Funktionärskarriere für keine Eskapade zu schade. Ist er nun zu weit gegangen? So kennen wir CC: mit Sonnenbrille, protzig, prahlend. Der Ferrari-Fan besitzt einen eigenen Privatjet, mit dem er selbst in der Schweiz auch schon zu Auswärtsspielen geflogen ist. Er ist ungefähr dreihundertfacher Millionär und Vater von drei Kindern. 1992 wird Christian Constantin zum ersten Mal Präsident des FC Sion. Als er den Club 1997 verlässt, ist dieser zwar amtierender Schweizer Meister, doch der Schuldenberg ist beachtlich. 13,4 Millionen Franken beträgt er. 45 Trainer hat Constantin in all den Jahren bereits angestellt, doch jeder von ihnen bekam am Ende zu spüren, wer wirklich das Sagen hat im Wallis – auch an der Seitenlinie. Wenn es eng wurde, stellte sich CC gerne auch neben die Coaching-Zone und trieb die Spieler eigenhändig an. Weil CC trotz einer Transfersperre im Sommer 2011 sechs Spieler verpflichtet, droht die Fifa dem Schweizerischen Fussballverband mit dem Ausschluss, sollte dieser den FC Sion nicht bestrafen. Constantin schickt seinen Anwalt Zen-Ruffinen (rechts) ins Rennen und nennt Uefa-Präsident Michel Platini «einen Hofnarr», doch immerhin in diesem Fall spürt er die Härte: Der SFV zieht Sion 36 Punkte ab. Lässt sich gerne feiern: Die Spieler des FC Sion tragen CC auf ihren Schultern, nach dem Cupsieg im Jahr 2011. Sportlich: Yves Luyet, Christian Constantin und Sarah Fournier auf dem Weg zum 3336 Meter hohen Rosablanche-Pass. Der Walliser hat schon mehrfach an der Patrouille des Glaciers teilgenommen. (4. Mai 2014) CC mit seinem Sohn Barthélémy, den er bei Sion als Sportchef eingesetzt hat. Auch dieser soll Teleclub-Experte Rolf Fringer am Donnerstagabend tätlich angegriffen haben. CC mag es extravagant und kokettiert mit seinem Status als gottähnliche Figur im Wallis. Das alljährliche Sauerkrautessen in Martigny zieht Tausende Besucher an, und der Sion-Präsident gibt bei dieser Gelegenheit gerne den «Don Christiano». Der Rockstar: Christian Constantin stellte sich gerne ins Rampenlicht. (2. Februar 2013) Hoch zu Ross: Christian Constantin nimmt einen Reitkurs bei William Chatel. (27. November 2014) Christian Napoleon: Seine Reitkünste führte der Präsident des FC Sion als Napoleon am Galadinner vor. (7. Februar 2015) Blick auf den Wein: Christian Constantin und der Winzer Dominique Giroud an der Galaveranstaltung des FC Sion. (7. Februar 2015) Galadinner à la Christian Constantin: Der Präsident des FC Sion tritt mit Tänzerinnen auf am Galaabend des Vereins. (4. Februar 2017) Gastgeber der grossen Sause: 7700 Personen besuchten die Veranstaltung. (4. Februar 2017)

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Fehler gesehen?

Schon wieder Ärger für den FC Sion. Schon wieder die Uefa. Also: schon wieder Arbeit für die Anwälte.

Grund diesmal: Die Uefa sperrte den Walliser Super-League-Club zwei Jahre für den Europacup, weil er 2014 die Ablösesumme für den ghanaischen Stürmer Ishmael Yartey zu spät an den FC Sochaux überwiesen hatte. Der französische Erstligist hatte sich daraufhin an die Fifa gewandt und schliesslich vor dem Sportgerichtshof in Lausanne (CAS) recht bekommen. Sion räumte eine Fehlinterpretation des damaligen Managements ein.

Gegen die Europacupsperre rekurriert der Club nun seinerseits vor dem CAS, doch mit welchen Aussichten? Christian Constantin, der Präsident, ist natürlich zuversichtlich. Gegenüber «Le Nouvelliste» sagt CC: «Diese Strafe ist zu hart, und ich habe grosse Hoffnungen, dass sie reduziert wird. Wir werden uns wehren.»

Der legendärste Kampf im Jahr 2011

Constantin ist sich den Kampf gegen Verbände und Instanzen gewöhnt, ja: Er zelebriert ihn manchmal geradezu. Wenngleich er einst der «SonntagsZeitung» sagte: «Ich beschäftige nicht einfach Richter, weil ich Spass daran habe. Ich mache das nur, wenn ich einen Grund habe und überzeugt bin, im Recht zu sein.»

Und diese Überzeugung hatte er im Jahr 2011, beim legendärsten all seiner Zwiste: jenem gegen die Uefa und deren Präsidenten Michel Platini. Der FC Sion hatte sich über einen Transferbann der Fifa hinweggesetzt und unbeeindruckt sechs Spieler verpflichtet und eingesetzt. Die Uefa schloss den Club daraufhin aus der Europa League aus. Und weil das CC nicht passte, zerrte er den Fall vor die Zivilgerichte – ein klarer Verstoss gegen die Fussballstatuten.

Auf enormen Druck der Fifa hin zog der Schweizerische Fussballverband (SFV) den Wallisern Ende 2011 nicht weniger als 36 Punkte ab – für jede Partie, in der mindestens einer der sechs unrechtmässig verpflichteten Spieler zum Einsatz kam. Wäre der SFV untätig geblieben, wäre er vom Weltverband seinerseits ausgeschlossen worden. Die Folgen für Sion waren gravierend: Es fiel ans Tabellenende und musste sich den Ligaerhalt über die Barrage gegen Aarau verdienen. Wegen des Urteils verglich Constantin den damaligen Fifa-Präsidenten Sepp Blatter mit dem früheren libyschen Diktator Muammar al-Ghadhafi.

«Ein Hooligan»

CC kämpft für seinen Leibverein ohne Rücksicht auf Verluste. Frédéric Chassot, einst bei Sion das Mädchen für alles (in jenem Moment gerade der Assistenztrainer), hat den Präsidenten einmal als «Hooligan» bezeichnet – und dies wohlwollend gemeint. Und ja: An guten Tagen kann CC ein äusserst umgänglicher Typ und sehr unterhaltsam sein.

Doch der Sonnenkönig kämpft nicht selten mit überharten Bandagen, und er tut das, seit er im Jahr 2003 für eine zweite Amtszeit an die Spitze des Traditionsclubs zurückkehrte. Just in jenem Sommer war Sion aus finanziellen Gründen in die 1. Liga zwangsrelegiert worden. CC erstritt sich vor Gericht eine Teilnahme an der neu gegründeten Challenge League. Weil das Urteil lange nach dem Saisonstart erging, war ein heilloses Spielplan-Durcheinander die Folge.

Der Skandal von Kriens

Ein Jahr später, Sion spielte weiterhin in der Challenge League, kam es zu einem der grössten Skandale auf Schweizer Fussballplätzen der jüngeren Zeit: Nach dem Auswärtsspiel der Sittener beim SC Kriens klagte Schiedsrichter Markus von Känel, der Sion-Präsident habe ihm das Bein gestellt, weshalb er sich verletzt habe. Zudem wurde seinem Assistenten José Antonio Gonzalez in den Unterleib getreten – von wem, war nicht zu eruieren.

Wie wenig CC überhaupt von Schiedsrichtern hält, zeigte sich ganz besonders, als er nach einem fehlerhaften Pfiff von Sascha Amhof im Frühling 2016 bei den Young Boys eine Hetzjagd auf den Unparteiischen veranstaltete. Er setzte eine Belohnung für 25'000 Franken aus für Hinweise, die Amhof des Betrugs überführen könnten.

Nach dem Skandal von Kriens wehrte sich Constantin gegen die Darstellung, von Känel absichtlich das Bein gestellt zu haben. Und schaffte es vor den verschiedensten Instanzen, seine Busse von 24'000 auf 8000 Franken und seine Sperre von 30 auf 3 Monate zu reduzieren. Ähnliches gelang ihm kürzlich wieder nach seiner Attacke auf den früheren Nationaltrainer Rolf Fringer: Aus ursprünglich 100'000 Franken Busse und 14 Monaten Sperre wurden 30'000 Franken und 5 Monate. Ein halbes Jahr nach der Tat im Oktober 2017 darf CC längst wieder an Spiele seines FC Sion.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wilhelm am 17.04.2018 13:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kindergarten..

    Alter schützt vor Torheit nicht. Bei Constantin ist Hopfen und Malz verloren.ein alter, frecher Schulbub, der keine Manieren hat..

  • Steffen am 17.04.2018 14:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer gegen die Kleinen

    ...und was wird wohl mit Paris?

  • B.A. am 17.04.2018 16:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke CC

    Zum Glück gibt es noch CC sonst wäre die Super League noch langwiliger als sie schon ist....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rhone Strand am 17.04.2018 20:15 Report Diesen Beitrag melden

    Neider

    Die UEFA und die FIFA würden gut daran tun zuerst bei ihnen Ordnung zu schaffen, als beim FC SION

  • Tilo am 17.04.2018 18:43 Report Diesen Beitrag melden

    Wann verjähren eigentlich solche Fälle?

    2014 die Ablösesumme zu spät uberwiesen... Die Leute brauchten 4 Jahre für eine Entscheidung? Mit einem Rekurs gibt es sicher noch ein paar Jahre dazu.

  • Km am 17.04.2018 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sion

    Sion mag ich und müsste nicht absteigen. Aber der König wünsche ich mir in der 4. Liga.

  • Te Rasse am 17.04.2018 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwie

    Tut er mir leid

  • B.A. am 17.04.2018 16:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke CC

    Zum Glück gibt es noch CC sonst wäre die Super League noch langwiliger als sie schon ist....