Blatter über Constantin

27. September 2017 17:05; Akt: 12.10.2017 14:58 Print

«Ich musste zuerst dreimal leer schlucken»

Nun äussert sich Sepp Blatter zum Fall Constantin. Der 81-jährige Walliser würde den Sion-Präsidenten sofort aus dem Verkehr ziehen.

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Der Schweizer Fussball hat seinen grössten Skandal in der Geschichte. Nach seinem Ausraster wird Sion-Präsident Christian Constantin von Sicherheitskräften und Polizei aus dem Innenraum des Cornaredo geführt. «Es hat mir gutgetan», äussert sich CC zur Attacke vor laufender Kamera. Teleclub-Experte , sagte: «Ich stand mit dem Moderator nach der Partie Lugano – Sion am Spielfeldrand. Wir warteten auf unseren Einsatz. Da kam Barthélémy Constantin, der Sohn von Christian Constantin und Sportchef von Sion, und fluchte auf mich ein. Und er hielt mir den Finger unter die Nase und drohte. Dann kam Constantin auf mich losgerannt und schlug mir drei-, viermal ins Gesicht, trat mich ins Füdli und in den Rücken.» Fringer behält sich rechtliche Schritte vor. Der Sion-Präsident geht nach dem Spiel in Lugano wutentbrannt auf den ehemaligen Nationaltrainer und heutigen TV-Experten Rolf Fringer los, schlägt ihm ins Gesicht und verpasst ihm einen Fusstritt. Die TV-Kameras laufen mit. Die Bilder gehen um die Welt. Direkt nach dem Spiel bezichtigte Constantin den Ref der vorsätzlichen Benachteiligung und gab an, ihn zu verklagen. Auf sozialen Netzwerken liess er Videos verbreiten, in denen er Amhof an den Pranger stellte. Der Höhepunkt - Constantin stellte abenteuerliche Thesen auf, weshalb er eine bewusste Verfälschung des Spiels für plausibel hält. Er setzte eine Belohnung von 25 000 Franken für Beweise von kriminellen Machenschaften aus. Constantin aber wurde nicht gesperrt. Die Gründe waren ein ungerechtfertigter Penalty und die damit verbundenen Nachteile (rote Karte gegen den Goalie Vanins und YB-Ausgleich zum 2:2). Der Präsident des FC Sion hatte nach dem 2:3 am Sonntag bei den Young Boys auf beispiellose Art schwere Geschütze gegen den Schiedsrichter Sascha Amhof aufgefahren. Das Regionalgericht Bern-Mittelland lehnt die Klage des FC Sion zur Aufhebung des im Dezember 2011 verfügten Abzugs von 36 Punkten durch den Zentralvorstand des Schweizerischen Fussballverbandes ab. Der Waadtländer Staatsanwalt Eric Cottier stellt das Strafverfahren gegen die Uefa-Spitze ein. Die beiden Funktionäre waren von Sions Präsident Christian Constantin verzeigt worden, weil sich der Verband nicht an die Entscheide des Waadtländer Kantonsgerichts gehalten hatte. Das Berner Obergericht bestätigt den Punktabzug von 36 Zählern für den FC Sion. Damit bleibt das Team in Abstiegsnot. Harter Schlag für Christian Constantin und den FC Sion. Der SFV beschliesst einen Punktabzug von 36 Zählern für die Sittener. Damit mussten sie die Rückrunde als Schlusslicht mit -5 Punkten in Angriff nehmen. Christian Constantin reicht bei der Saatsanwaltschaft Zürich-Limmat eine Strafanzeige gegen das Fifa-Exekutivkomitee ein. Die Begründung: Der FC Sion könne nicht hinnehmen, dass die Nationalmannschaften der Schweiz und Schweizer Klubs von der Fifa als Geiseln genommen werden, um Entscheide durchzusetzen. Dies verstosse gegen Schweizer Prinzipien und erfülle den Tatbestand der Nötigung. Die FIFA macht auch Druck. Wird der «Fall FC Sion» nicht bis am 13. Januar im Sinne des Weltverbandes gelöst, wird der SFV am 14. Januar bis auf Weiteres automatisch suspendiert. Der FC Sion wird nicht in die Europa League reintegriert. So lautet der Entscheid des Sportgerichts CAS in Lausanne. Christian Constantin hatte bereits im Vorfeld angekündigt, in diesem Fall sein Anliegen ans Bundesgericht weiterzuziehen. Klatsche für Christian Constantin und den FC Sion. Das Walliser Kantonsgericht bestätigt die provisorische Spielberechtigung für Sions sechs Neuzugänge nicht. Damit sind die Spieler wieder gesperrt. Constantin gibt sich siegessicher und zieht den Rekurs gegen die Nicht-Qualifikation der sechs Neueinkäufe beim CAS zurück. Das Bezirksgericht Martigny bestätigt mit einer provisorischen Verfügung die Lizenzierung der Sion-Neuzuzüge für die Liga. Die sechs dürfen bis Ende Saison spielen. Das lässt Constantin natürlich nicht auf sich sitzen und klagt erneut. Sion vs. Uefa, wer gewinnt? Doch die Uefa entscheidet noch am gleichen Tag anders: Celtic wird am Donnerstag in Madrid gegen Atletico antreten. Das Zivilgericht Waadt entspricht der Klage von Sion am 13. September. Damit müsste die Uefa den Verein doch wieder zurück in die Europa League lassen. Wenn auch nur superprovisorisch. Ein Zivilgericht weist die Klage von Sion gegen den Ausschluss aus der Europa-League am 8. September ab. Diese rückt damit in weite Ferne. Sion schaltet Celtic Glasgow in den Europa-League-Playoffs aus. Die Schotten protestieren wegen den sechs Spielern und erhalten nach der Auslosung der Gruppenphase recht. Am 1. September schliesst die Uefa Sion vom Wettbewerb aus. Constantin klagt nach der EL-Gruppenphasen-Qualifikation gegen die Uefa und Fifa. Vor allem auf Jérôme Valcke und Gianni Infantino hat er es abgesehen. Constantin setzt sich durch - zumindest vorläufig. Ab der nächsten Partie sind die sechs Spieler spielberechtigt. Doch ein definitiver Entscheid des CAS fällt wohl erst im September. Auch der Rekurs Sions für die Lizenzierung wird abgelehnt. Doch CC erzwingt mit dem Bezirksgericht Martigny eine superprovisorische Spielberechtigung für die sechs Spieler vor dem Match gegen Basel (6.8.11). 15 Minuten vor Spielbeginn sperrt die Disziplinarkommission der Liga die sechs Spieler wieder. Constantin tobt, beschimpft die Funktionäre als «Betrüger und Lügner» und spricht vom «Todesurteil» für Liga-Präsident Thomas Grimm. Die Qualifikations-Kommission (QK) der Liga verweigert die Lizenzen für die Sion-Neuverpflichtungen Mario Mutsch, Gabri, Mohamed Traoré, Pascal Feindouno, Stefan Glarner und Billy Ketkeophompone. CC droht mit Streik, setzt diesen allerdings nicht um. Dafür spielt er nur noch unter Protest. Constantin sammelt TV-Bilder mit Schiri-Fehlern und fordert von der SFL für Spiele mit welscher Beteiligung ausländische Schiedsrichter. Die Liga schmettert die Forderung ab. CC erhält von der Qualifikations-Kommission der Liga die Spielbewilligung für die seit dem Winter 2010 verpflichteten Akteure wie Jonas Elmer, Eva Melo, Steven Deana und Michael Dingsdag. Dies, weil der Internationale Sportgerichthof (CAS) den Wallisern den rechtskräftigen Entscheid der Transfersperre erst nach(!) der aktuellen Transferperiode zugestellt habe. Constantin suspendiert Serey Die angeblich wegen einem Wettskandal. Auch Aleksandar Prijovic und Antonio Dos Santos wurden aufgrund von «schwerwiegendem Verhalten» suspendiert. Constantin baut eine Bisquit-Fabrik in ein Leistungszentrum um und absolviert unter militärischen Bedingungen ein Trainingslager. Uli Stielike ist ein weiteres Traineropfer unter Constantin und CC übernimmt gleich selbst. CC wollte im Ali Sami Yen in Istanbul Gasdetektoren, weil er Racheakte befürchtete. Constantin und sein Generaldirektor Massimo haben sich mit einer geplanten Rasenheizung vertan. CC stieg gleich wieder in die Super League auf und gewann als erster unterklassiger Verein den Cup. Constantin baut sein Hotel in Martigny um und richtet darin ein luxuriöses Trainingscenter ein. Nach dem Cupspiel in Kriens soll CC auf Schieds- und Linienrichter losgegangen sein und ein langer Gerichtsstreit begann. CC gewinnt zwei Prozesse und am 14. Spieltag greift Sion wieder ins Geschehen ein. Constantin kehrt zurück, finanziert ein Profikader aus eigener Tasche und versucht sich in die Challenge League zurückzuklagen. Sion wird vom Fussballverband in die 1. Liga zwangsrelegiert und Talente wie Leoni und Morganella verlassen Sion. Der Streit zwischen Constantin und Sions Stadtpräsident Mudry eskaliert. Der Stapi hält den Verein jedoch am Leben. Ohne Constantin steigen die Walliser in die NLB ab. Constantin tritt unter Druck ab. Er soll den FC Sion finanziell ruiniert haben. CC lässt im Uefa Cup auswärts das Tor von Spartak Moskau messen. Es war zu klein und es kam zu einem Wiederholungsspiel. Constantin kauft Stars und will in die Champions League - scheitert aber mit seinem Plan. CC holt drei Cupsiege in Serie und 1997 sogar das Double. Constantin gründet ein Internat und bringt Spieler wie Wicky und Grichting gross heraus. Jean-Paul Brigger ist das erste Traineropfer unter Constantin. CC wird mit 35 Jahren jüngster Präsident eines NLA-Vereins. Constantin gründet eine AG und rettet den finanziell angeschlagenen FC Sion.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Sepp Blatter spricht in der Teleclub-Sendung «Persönlich by Claudia Lässer» über Christian Constantins Attacke auf Fussball-Experte Rolf Fringer vom vergangenen Donnerstag in Lugano. Der 81-Jährige schildert, wie er die Szene erlebt hat. «Ich musste zuerst dreimal leer schlucken, als ich das sah. Für mich ist so etwas unverständlich, auch wenn Emotionen im Spiel sind», sagt Blatter.

Und weiter: «Wenn zwei Schulbuben aufeinander losgehen, kann ich das noch verstehen. Aber es geht einfach nicht, dass ein 60-Jähriger auf einen anderen Mann losgeht, Ohrfeigen austeilt und ihn auch noch tritt. Das ist verwerflich und muss geahndet werden.»

Liga hätte sofort reagieren sollen

Blatter hätte es gern gesehen, wenn die Liga unmittelbar aktiv geworden wäre und Constantin aus dem Verkehr gezogen hätte. «Der Liga würde ich raten, einen superprovisorischen Entscheid zu treffen, ihn jetzt gleich zu suspendieren und zu sagen, er geht nicht ins Stadion, bis das abgehakt ist. Dann hätte man Ruhe. So aber haben wir keine Ruhe.»

Der frühere Fifa-Patron kennt CC «schon lange und gut», er beschreibt ihn als «un petit fou» (ein bisschen verrückt). Was Blatter sauer aufstösst, ist Constantins Aussage, dass man Differenzen im Wallis auf diese Art aus der Welt schaffe.

Typisch für Walliser?

«Wenn ich jetzt als Oberwalliser rede, kann ich sagen, dass wir nicht zufrieden waren, als er gesagt hat, dass man im Wallis Probleme auf diese Weise löst. In Visp sagt man: ‹Komm, wir gehen einen Dreier oder einen Halben trinken und bereinigen die Sache.› Und fertig.»

Der ganze Talk mit Sepp Blatter wird am 4. Oktober um 20 Uhr auf Teleclub Zoom ausgestrahlt.

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 27.09.2017 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Schwaches Verhalten auch von der Liga

    Das zögern der Liga ist auch ein Statement - offenbar gibt es da Verantwortliche die das normal finden :-(

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  • Erwin B am 27.09.2017 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Chapeau

    War mit seiner Führung der FIFA vielfach nicht einverstanden. Jetzt kann ich ihm aber zu seiner Aussage im Fall Constantin nur gratulieren - ein Walliser der Klartext spricht.

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  • irgendjemand am 27.09.2017 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    genau der richtige...

    ...um so etwas zu kommentieren. Musste so lachen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • luapsong am 28.09.2017 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dieser Mann gehört nicht

    in die Öffentlichkeit und muss lebenslang gesperrt werden. Er ist ein Negativbeispiel besonderer Art für den Sport

  • Dom am 28.09.2017 07:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ....und Sie, Herr Blatter?!

    Wenn CC suspendiert werden sollte....lieber Herr Blatter, müsste man Sie wohl auf den Mond verbannen.... Ich denke man sollte nicht mit dem Fimger auf andere Leute zeigen, mit der Vergangenheit...

  • Jan am 27.09.2017 22:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hooligandatenbank

    Einzig gerechte Strafe wäre wie für jeden Normalo in der gleichen Situation: 1. Stadionverbot 2. Aufnahme in die Hooligandatenbank Alle weiteren Massnahmen wären somit bereits bekannt und müssten nicht verhandelt werden.

  • Ill Graben am 27.09.2017 22:50 Report Diesen Beitrag melden

    Schweigen ist Gold

    CC hat schon viel positives für den Fussball im Wallis getan aber bei Sepp Blatter habe ich grosse Mühe mich nur mit diesem Gedanken zu beschäftigen.

  • Bob am 27.09.2017 22:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn sich Krähen streiten!

    Offensichtlich ist Gewalt doch eine Lösung! Nun denn man könnte CC jetzt noch einen Job bei der FIFA anbieten dort lernt er dann die Feinheiten!