Anwalt über Fall Constantin

12. Oktober 2017 19:31; Akt: 12.10.2017 19:40 Print

«Verstoss kann zu weiteren Sanktionen führen»

Christian Constantin hat angekündigt, am Sonntag ins Stadion zu gehen. Rechtsanwalt Rafael Brägger erklärt, was dann passieren könnte.

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Nun ist auch das Verfahren gegen Barthélémy Constantin, den Sportchef des FC Sion, abgeschlossen. Der 22-Jährige hatte Rolf Fringer vor der Attacke seines Vaters, Sion-Präsident Christian Constantin, mit dem Tod bedroht. Constantin junior wurde dafür mit einer Platzsperre von 10 Spielen und einer Busse von 15'000 Franken belegt. Der gesperrte Sion-Boss legt gegen das Urteil der Swiss Football League wie angekündigt und fristgerecht Rekurs sein. Bis auf die Tatsache, dass CC den Rekurs ankündigt, bringt der mit Spannung erwartete Auftritt im Westschweizer Fernsehen RTS keine neuen Erkenntnisse. Er bereut weiter nicht, was er am 21. September im Cornaredo getan hat. Wenige Stunden vor Constantins TV-Auftritt im Tourbillon: Jurist Alexandre Zen-Ruffinen (h.l.) und CVP-Politiker Pierre Kohler (M.) schauen sich die Partie Sion - St. Gallen an. Constantin hatte seinen Platz für 2000 Franken und einen guten Zweck an Kohler verkauft. Ist er das? Nein! Der gesperrte Präsident kündigte sein Kommen zwar an, am Ende leistete er jedoch Folge und blieb dem Stadion fern. Die Sion-Fans sorgten mit ihrer Masken-Aktion dafür, dass CC trotzdem omnipräsent war. Er lässt es offenbar doch sein. Der FC Sion teilt mit, dass der Präsident seinen Stammplatz im Tourbillon verkauft habe. Die Swiss Football League hat ihr Urteil gefällt: Sion-Boss Christian Constantin wird für 14 Monate kein Stadion betreten dürfen. Zudem muss der Sion-Präsident eine Busse von 100'000 Franken bezahlen. Die Sperre gilt für folgende Wettbewerbe: Super League, Challenge League, Schweizer Cup und Spiele der Schweizer Nationalmannschaft. «Sie wollen Krieg - den kriegen sie!», liess der gesperrte Sion-Boss die Liga nach dem Urteil wissen. Zudem kündigte er an, dass er sich nicht an das Stadionverbot halten werde. Zieht CC das wirklich durch? Zuzutrauen ist es ihm, aber die Folgen wären unschön: Taucht er beim Heimspiel gegen St. Gallen wirklich auf, drohen ihm weitere Sanktionen. Rolf Fringer gibt nach seinem Timeout sein Comeback als Teleclub-Experte. (Bild: 14.10.2017) Die Swiss Football League wird auch gegen Sion-Sportchef Barthélémy Constantin aktiv. Der Vorwurf: Er soll Rolf Fringer vor der Attacke seines Vaters mit dem Tod bedroht haben. Rolf Fringer hat sich nach der Attacke von Christian Constantin eine Auszeit genommen. Der 60-Jährige erholt sich im Tessin. «Er steht noch immer unter Schock», teilt Teleclub mit. Spiel 1 nach der Attacke auf Fringer: Der Sion-Boss sitzt beim Heimspiel gegen die Young Boys im Stadion. Er schirmte sich die meiste Zeit hinter einer Sonnenbrille ab und wich den TV-Kameras so gut es ging aus. Er soll einzig dem Westschweizer Fernsehen «RTS» gesagt haben, dass er «das als Präsident nicht hätte tun sollen, aber als Vater schon». Am Tag nach dem Skandal in Lugano trat Constantin in Martigny vor die Medien, um seinen Ausraster zu erklären. Er bereute nicht, dass er Fringer attackierte. «Das Problem mit Fringer besteht nicht erst seit gestern. Meine Reaktion war die, dass es jetzt einfach reicht», sagte der Sion-Boss. Christian Constantin attackiert TV-Experte Rolf Fringer vor laufender Kamera. Er hatte Fringer am Spielfeldrand in Lugano mehrere Ohrfeigen und Fusstritte verpasst. Reue? Nein. «Ich habe ihm einen Tritt in den Hintern versetzt. Das hat mir gutgetan», sagte Constantin zur Attacke. Zuvor hatte Barthélémy Constantin Fringer verbal bedroht. «Zuerst kam der Sohn, dann er. Er hat mir mehrere Ohrfeigen gegeben», schilderte Fringer danach.

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Herr Brägger, wie beurteilen Sie das Urteil der Swiss Football League?
Rafael Brägger: Der Entscheid der Disziplinarkommission der SFL liegt uns nicht vor. Aus der Medienmitteilung der SFL geht hervor, dass die Disziplinarkommission gegen Christian Constantin die höchstmögliche Busse (100'000 Franken) ausgesprochen hat. Bezüglich des Platzverbots von 14 Monaten hätten hingegen deutlich strengere Sanktionen zur Verfügung gestanden, zum Beispiel eine Funktionssperre oder ein Platzverbot auf mehrjährige oder gar auf unbestimmte Dauer beziehungsweise Lebenszeit.

Christian Constantins Anwalt sagte Ende September, dass die Liga nicht für den Fall zuständig sei, weil die Vorfälle in Lugano eine private Angelegenheit waren. Spricht etwas dafür?
Nein. Als Präsident des FC Sion ist Christian Constantin der Disziplinargewalt des SFV bzw. der SFL unterstellt. Das ergibt sich daraus, dass er dem FC Sion angehört, der wiederum Mitglied des SFV bzw. der SFL ist. Die Statuten des SFV und der SFL schreiben vor, dass diese Statuten für ihre Mitglieder, also unter anderem den FC Sion, und deren Organe, also unter anderem Christian Constantin, verbindlich sind. Daraus ergibt sich die Zuständigkeit der SFL, disziplinarische Verfehlungen von Funktionären zu ahnden.

Besteht die Chance, dass der Vorfall doch noch als private Angelegenheit beurteilt wird?
Die Chance, dass das Rekursgericht den Fall als nicht unter die offizielle Funktion von Christian Constantin fallend betrachtet, sind äusserst gering.

Wie stehen seine Chancen, sollte er Rekurs einlegen?
Rekurse sind grundsätzlich dann erfolgreich, wenn der Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt wurde oder die Rechtsanwendung fehlerhaft war. Der Sachverhalt ist im vorliegenden Fall aufgrund der Fernsehbilder und der übereinstimmenden Aussagen der Beteiligten relativ klar. Anzeichen für eine fehlerhafte Rechtsanwendung bestehen nicht. Der Rekurs kann somit dann erfolgreich sein, wenn die Rekursinstanz ihr Ermessen anders ausübt als die Disziplinarkommission und das Strafmass als zu hoch ansieht.

Wie sähe der weitere rechtliche Weg Constantins aus und wie weit ginge dieser?
Erste Rekursinstanz ist das Rekursgericht der SFL. Dessen Entscheid kann anschliessend an das internationale Sportschiedsgericht TAS in Lausanne weitergezogen werden. Gegen ein Urteil des TAS kann unter gewissen Voraussetzungen schliesslich gar Beschwerde beim Bundesgericht geführt werden.

Kann es sein, dass das Strafmass noch erhöht wird?
Das Rekursgericht kann einen Entscheid grundsätzlich auch zuungunsten des Rekurrenten abändern, die Strafe also erhöhen. Es muss dafür aber dem Rekurrenten vorher Gelegenheit zur Stellungnahme oder zum Rückzug des Rekurses geben.

Wer kontrolliert, dass sich Constantin an die Sperre hält?
Es ist primär die Pflicht von Christian Constantin selbst, sich an die Sperre zu halten. Bestehen Anzeichen, dass dies nicht der Fall ist, kann bei der Disziplinarkommission eine Anzeige eingereicht werden.

Was passiert, wenn sich Constantin nicht an die Sperre hält und beispielsweise am Sonntag im Stadion auftaucht?
Die Missachtung eines Entscheids der Disziplinarkommission stellt einen Verstoss gegen die Verhaltensgrundsätze des SFV dar. Sie kann damit zu weiteren Sanktionen gegen Christian Constantin führen.

Gibt es Möglichkeiten, ihn davon abzuhalten, ins Stadion zu gelangen? Welche?
Der Entscheid der Disziplinarkommission ist grundsätzlich auch für die Clubs verbindlich. Sie haben deshalb dafür zu sorgen, dass Constantin kein Zutritt in ihr Stadion gewährt wird, beispielsweise durch Zutrittskontrollen und entsprechende Anweisungen an das Stadionpersonal.

Das Verfahren gegen seinen Sohn Barthélémy Constantin, der Fringer mit dem Tod bedroht haben soll, läuft noch. Welche Erklärung gibt es dafür?
Es handelt sich um zwei separate Verfahren. Über die Gründe, weshalb das zweite Verfahren noch läuft, kann nur spekuliert werden. Fest steht, dass der Sachverhalt hinsichtlich der Barthélémy Constantin zur Last gelegten Verfehlungen weniger klar ist als im Fall von Christian Constantin, da beispielsweise keine Fernsehbilder existieren.

Muss er mit einem höheren Strafmass rechnen?
Da gegen Barthélémy Constantin – anders als gegen Christian Constantin – soweit bekannt in der Vergangenheit noch keine Verfahren durchgeführt wurden, entfällt dieser spezifische Straferhöhungsgrund. Im Übrigen sind die beiden Fälle nur schwer vergleichbar (physische Gewalt/angebliche Drohung).

Mit welchem Mass rechnen Sie?
Zum Ausgang dieses Verfahrens sind zurzeit keine verlässlichen Aussagen möglich. Für Barthélémy Constantin gilt uneingeschränkt die Unschuldsvermutung.

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Soni am 12.10.2017 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Jedem was er verdient....

    Super! Wobei Fr. 100'000.- werden ihm bei seinem Vermögen wohl nicht sonderlich schmerzen...

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  • Hopp Schwiiz am 12.10.2017 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    Strafe

    Ein Jahr keinen Schweizer Fussball sehen...ist das wirklich eine Strafe?

  • Graeub am 12.10.2017 16:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hooligandatenbank

    Er will also dass der Verband nicht zuständig ist...Ok, man sollte jetzt endlich den Schritt machen und zur Polizei gehen; Gewalt in einem Sportstadion. Folge: Nationales Stadionverbot und Eintrag in die Hooligandatenbank. Wäre meiner meinung nach sowieso grundsätzlich schon überfällig. Jeder Fan wird härter bestraft, und da er ja jetzt argumentiert dass er nicht dem Verband unterstehe ist er als normaler fan dort.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • manomann am 13.10.2017 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein anpfiff

    ganz einfach: kein anpfiff, bis der mieter das stadion verlassen. mal schauen, wie er mit dem zorn der fans umgehen wird.

  • Sepp Hitz am 13.10.2017 17:53 Report Diesen Beitrag melden

    FC Sion

    Wenn dieses Stadion dem Herrn CC gehört soll Er auch alleine Spielen. Mit Geld erreicht man halt doch alles? Soll Er doch sein geliebtes Stadion verkaufen. Ich bin Besitzer eines Hauses und darf mir trotzdem nicht alles erlauben. Wie ist es jetzt, wenn ich auf meinem Grundstück jemandem der mich beleidigt hat eine auf die Schnauze haue? Geld regiert halt auch heute noch die Welt. Der FC Sion tut mir leid.

    • Wolfgang Walliser am 14.10.2017 20:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sepp Hitz

      Dann,haben Sie ,ein gewisses Mass an Zivilgourage bewiesen, (& dass sie sonst keine Argumente haben)

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  • Dede am 13.10.2017 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut getan

    Die Strafe könnte höher sein. Was mich stört, ist die Aussage von CC "es habe ihm gut getan". Und er dies noch als Argument für den Übergriff brauch. Frustabbau durch Gewalt. Mir könnte es z.b. gut tun, seinen Ferrari zu demolieren.

  • Päuli am 13.10.2017 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    FC Unsitten

    Präventiv halt schon mal die Polizei neben die Ordner des FC Sion stellen und schauen, ob sich CC dann trotzdem gewaltsam Zutritt zu verschaffen sucht. In der Hoffnung, dass er die Polizei nicht auch in der Tasche hat. Wäre lustig. Widerstand gegen die Staatsgewalt fehlt ihm noch (soweit mir bekannt) in seinem Palmares.

  • Seppli vom Tourbillon am 13.10.2017 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Warum soll Christian Constantin.....

    Warum soll Christian Constantin nicht sein Stadion betreten dürfen? Armer Schweiz. Fussballverband, ich glaube ihr habt andere Probleme. Kümmert Euch um die Nationalmannschaft, das ist die grösste Baustelle!!!!

    • Beni am 13.10.2017 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Seppli vom Tourbillon

      Und warum soll die Nati eine Baustelle sein? Danke unserer hervorragend, funktionierender Nationalmannschaft für die tolle WM Quali. Ein mental schwacher Präsident ist sehr wohl ein Grund sich darum zu kümmern.

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