Christian Constantin

12. Oktober 2017 13:50; Akt: 12.10.2017 19:34 Print

«Sie wollen Krieg – den kriegen sie»

Sion-Boss Christian Constantin findet deutliche Worte für das Urteil. Und er will sich nicht an die Stadionsperre halten.

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Nun ist auch das Verfahren gegen Barthélémy Constantin, den Sportchef des FC Sion, abgeschlossen. Der 22-Jährige hatte Rolf Fringer vor der Attacke seines Vaters, Sion-Präsident Christian Constantin, mit dem Tod bedroht. Constantin junior wurde dafür mit einer Platzsperre von 10 Spielen und einer Busse von 15'000 Franken belegt. Der gesperrte Sion-Boss legt gegen das Urteil der Swiss Football League wie angekündigt und fristgerecht Rekurs sein. Bis auf die Tatsache, dass CC den Rekurs ankündigt, bringt der mit Spannung erwartete Auftritt im Westschweizer Fernsehen RTS keine neuen Erkenntnisse. Er bereut weiter nicht, was er am 21. September im Cornaredo getan hat. Wenige Stunden vor Constantins TV-Auftritt im Tourbillon: Jurist Alexandre Zen-Ruffinen (h.l.) und CVP-Politiker Pierre Kohler (M.) schauen sich die Partie Sion - St. Gallen an. Constantin hatte seinen Platz für 2000 Franken und einen guten Zweck an Kohler verkauft. Ist er das? Nein! Der gesperrte Präsident kündigte sein Kommen zwar an, am Ende leistete er jedoch Folge und blieb dem Stadion fern. Die Sion-Fans sorgten mit ihrer Masken-Aktion dafür, dass CC trotzdem omnipräsent war. Er lässt es offenbar doch sein. Der FC Sion teilt mit, dass der Präsident seinen Stammplatz im Tourbillon verkauft habe. Die Swiss Football League hat ihr Urteil gefällt: Sion-Boss Christian Constantin wird für 14 Monate kein Stadion betreten dürfen. Zudem muss der Sion-Präsident eine Busse von 100'000 Franken bezahlen. Die Sperre gilt für folgende Wettbewerbe: Super League, Challenge League, Schweizer Cup und Spiele der Schweizer Nationalmannschaft. «Sie wollen Krieg - den kriegen sie!», liess der gesperrte Sion-Boss die Liga nach dem Urteil wissen. Zudem kündigte er an, dass er sich nicht an das Stadionverbot halten werde. Zieht CC das wirklich durch? Zuzutrauen ist es ihm, aber die Folgen wären unschön: Taucht er beim Heimspiel gegen St. Gallen wirklich auf, drohen ihm weitere Sanktionen. Rolf Fringer gibt nach seinem Timeout sein Comeback als Teleclub-Experte. (Bild: 14.10.2017) Die Swiss Football League wird auch gegen Sion-Sportchef Barthélémy Constantin aktiv. Der Vorwurf: Er soll Rolf Fringer vor der Attacke seines Vaters mit dem Tod bedroht haben. Rolf Fringer hat sich nach der Attacke von Christian Constantin eine Auszeit genommen. Der 60-Jährige erholt sich im Tessin. «Er steht noch immer unter Schock», teilt Teleclub mit. Spiel 1 nach der Attacke auf Fringer: Der Sion-Boss sitzt beim Heimspiel gegen die Young Boys im Stadion. Er schirmte sich die meiste Zeit hinter einer Sonnenbrille ab und wich den TV-Kameras so gut es ging aus. Er soll einzig dem Westschweizer Fernsehen «RTS» gesagt haben, dass er «das als Präsident nicht hätte tun sollen, aber als Vater schon». Am Tag nach dem Skandal in Lugano trat Constantin in Martigny vor die Medien, um seinen Ausraster zu erklären. Er bereute nicht, dass er Fringer attackierte. «Das Problem mit Fringer besteht nicht erst seit gestern. Meine Reaktion war die, dass es jetzt einfach reicht», sagte der Sion-Boss. Christian Constantin attackiert TV-Experte Rolf Fringer vor laufender Kamera. Er hatte Fringer am Spielfeldrand in Lugano mehrere Ohrfeigen und Fusstritte verpasst. Reue? Nein. «Ich habe ihm einen Tritt in den Hintern versetzt. Das hat mir gutgetan», sagte Constantin zur Attacke. Zuvor hatte Barthélémy Constantin Fringer verbal bedroht. «Zuerst kam der Sohn, dann er. Er hat mir mehrere Ohrfeigen gegeben», schilderte Fringer danach.

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Die Swiss Football League sperrt Christian Constantin nach dessen Attacke gegen den TV-Experten Rolf Fringer für 14 Monate. Der Präsident des FC Sion wird sich gegen das Urteil wehren.

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14 Monate Sperre gegen einen Clubpräsidenten bedeutet dies: Kein Zutritt zum Spielfeld, zur Garderobe, zur Mixed Zone, zur Coaching-Zone; nicht einmal Zutritt zu den Tribünen oder den Stehplätzen wird dem Verurteilten gewährt. Also: Christian Constantin ist von der Disziplinarkommission (DK) der Swiss Football League (SFL) wie ein Hooligan mit einem Stadionverbot belegt worden. Dieses gilt für Spiele der Super League, der Challenge League, des Schweizer Cups sowie der A-Nationalmannschaft der Männer.

Erster Härtetest am Sonntag

Ob der Entscheid der DK in der Praxis umgesetzt wird, wird sich schon am nächsten Sonntag ein erstes Mal zeigen, wenn Constantins FC Sion den FC St. Gallen im Sittener Tourbillon empfängt. Hausverbot für den Mieter? Undenkbar, zumindest für Constantin. «Weshalb sollte ich nicht zum Spiel gehen. Wenn man mir verbietet, in meiner Wohnung zu schlafen, gehe ich trotzdem nach Hause», so der Walliser kurz nach dem Urteil gegenüber «Le Matin».

Und überhaupt: «Sie wollen Krieg, sie werden Krieg bekommen.» Später wollte Constantin gegenüber der Zeitung aus Lausanne keine Aussagen gemacht haben und verwies gegenüber der Nachrichtenagentur sda auf seinen Auftritt vom kommenden Sonntagabend im Westschweizer Fernsehen RTS.


Christian Constantin wird in Lugano handgreiflich. (Video: Tamedia/Teleclub)

Es ist davon auszugehen, dass Constantin innert fünf Tagen Rekurs einreichen wird und dann als erstes vor einem Bezirksgericht einfordern, dass sein Rekurs aufschiebende Wirkung hat. Diese will die DK nicht gewähren, «weil die Disziplinarkommission eine Abwägung der Interessen vorgenommen hat. Sie hat das private Interesse von Constantin, beim Spiel dabei zu sein, demjenigen des Fussballs und der von den Statuten vorgesehenen Zwecke und Werte gegenübergestellt und kam zum Schluss, die aufschiebende Wirkung nicht zu gewähren», sagte Daniele Moro, der Präsident der DK.

Vor einem langwierigen Rechtsstreit

Ein allfälliges Urteil des SFL-Rekursgerichtes kann Constantin vor den Sportgerichtshof in Lausanne weiterziehen und danach zivile Gerichte anrufen. Wie weit Constantin gehen dürfte, lässt sich am Fall aus dem Jahr 2011 ableiten, als er bis vor Bundesgericht ging, um trotz Transferverbot von Seiten der FIFA die Lizenzierung von neuen Spielern und in letzter Konsequenz die Teilnahme an der Europa League zu erstreiten.

Diesen juristischen Kampf hat Constantin damals verloren; er brachte den FC Sion sogar in eine Existenz bedrohende Situation. Auf Drängen der FIFA zog der SFV damals den Wallisern 36 Punkte ab. Der FC Sion stieg 2011/12 nur deshalb nicht aus der Super League ab, weil Neuchâtel Xamax noch während der Saison konkurs ging.

Ähnliches ist theoretisch auch in diesem Fall möglich. «Die Clubs der SFL sind verpflichtet, die Urteile der Disziplinarkommission durchzusetzen. Widersetzt sich dem ein Verein, und das gilt im vorliegenden Fall auch für die Olympique des Alpes SA (die AG hinter dem FC Sion - Red.), kann ein Disziplinarverfahren eröffnet werden», so Moro. Der Strafenkatalog ginge dann von einem Verweis über eine Busse bis zu Punktabzug oder Boykott.

Constantin ist Wiederholungstäter

So weit ist es noch nicht. Doch schon jetzt gilt es festzuhalten, dass die SFL mit ihrem Urteil eine gewisse Härte dokumentiert hat, denn härter wurde im Schweizer Profi-Fussball noch kein Präsident angepackt. Als Constantin vor einigen Jahren in Kriens einen Schiedsrichter-Assistenten attackiert hatte, wurde er nur für vier Monate (hauptsächlich während der Winterpause) gesperrt.

Weil er also ein Wiederholungstäter ist, wurde die Strafe nun verschärft. Die DK taxierte die Ohrfeigen Constantins gegen Fringer im Anschluss an des Meisterschaftsspiel vom 21. September in Lugano als «klaren und schwerwiegenden Verstoss gegen die Verhaltensregeln des Schweizerischen Fussball-Verbandes».

Und doch hält sich das Strafmass für Constantin im Prinzip in einem annehmbaren Rahmen. Er darf sein Amt als Clubpräsident nur am Spieltag während zwei bis drei Stunden nicht ausüben. Ansonsten kann er die Geschicke des FC Sion weiterhin lenken und den Club auch an Sitzungen der SFL vertreten. «Die Reglemente sehen auch eine Funktionssperre vor. Doch die Disziplinarkommission hielt eine solche Strafe nicht für angemessen», so Moro.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Soni am 12.10.2017 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Jedem was er verdient....

    Super! Wobei Fr. 100'000.- werden ihm bei seinem Vermögen wohl nicht sonderlich schmerzen...

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  • Hopp Schwiiz am 12.10.2017 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    Strafe

    Ein Jahr keinen Schweizer Fussball sehen...ist das wirklich eine Strafe?

  • Graeub am 12.10.2017 16:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hooligandatenbank

    Er will also dass der Verband nicht zuständig ist...Ok, man sollte jetzt endlich den Schritt machen und zur Polizei gehen; Gewalt in einem Sportstadion. Folge: Nationales Stadionverbot und Eintrag in die Hooligandatenbank. Wäre meiner meinung nach sowieso grundsätzlich schon überfällig. Jeder Fan wird härter bestraft, und da er ja jetzt argumentiert dass er nicht dem Verband unterstehe ist er als normaler fan dort.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • manomann am 13.10.2017 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein anpfiff

    ganz einfach: kein anpfiff, bis der mieter das stadion verlassen. mal schauen, wie er mit dem zorn der fans umgehen wird.

  • Sepp Hitz am 13.10.2017 17:53 Report Diesen Beitrag melden

    FC Sion

    Wenn dieses Stadion dem Herrn CC gehört soll Er auch alleine Spielen. Mit Geld erreicht man halt doch alles? Soll Er doch sein geliebtes Stadion verkaufen. Ich bin Besitzer eines Hauses und darf mir trotzdem nicht alles erlauben. Wie ist es jetzt, wenn ich auf meinem Grundstück jemandem der mich beleidigt hat eine auf die Schnauze haue? Geld regiert halt auch heute noch die Welt. Der FC Sion tut mir leid.

    • Wolfgang Walliser am 14.10.2017 20:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sepp Hitz

      Dann,haben Sie ,ein gewisses Mass an Zivilgourage bewiesen, (& dass sie sonst keine Argumente haben)

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  • Dede am 13.10.2017 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut getan

    Die Strafe könnte höher sein. Was mich stört, ist die Aussage von CC "es habe ihm gut getan". Und er dies noch als Argument für den Übergriff brauch. Frustabbau durch Gewalt. Mir könnte es z.b. gut tun, seinen Ferrari zu demolieren.

  • Päuli am 13.10.2017 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    FC Unsitten

    Präventiv halt schon mal die Polizei neben die Ordner des FC Sion stellen und schauen, ob sich CC dann trotzdem gewaltsam Zutritt zu verschaffen sucht. In der Hoffnung, dass er die Polizei nicht auch in der Tasche hat. Wäre lustig. Widerstand gegen die Staatsgewalt fehlt ihm noch (soweit mir bekannt) in seinem Palmares.

  • Seppli vom Tourbillon am 13.10.2017 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Warum soll Christian Constantin.....

    Warum soll Christian Constantin nicht sein Stadion betreten dürfen? Armer Schweiz. Fussballverband, ich glaube ihr habt andere Probleme. Kümmert Euch um die Nationalmannschaft, das ist die grösste Baustelle!!!!

    • Beni am 13.10.2017 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Seppli vom Tourbillon

      Und warum soll die Nati eine Baustelle sein? Danke unserer hervorragend, funktionierender Nationalmannschaft für die tolle WM Quali. Ein mental schwacher Präsident ist sehr wohl ein Grund sich darum zu kümmern.

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