Asylzentrum in Embrach ZH

13. Juni 2018 14:56; Akt: 13.06.2018 15:17 Print

60 Prozent der Asylsuchenden tauchen ab

Mehr als 300 Asylbewerber, die im Bundesasylzentrum in Embrach ZH lebten, tauchten ab. Wohin sie gehen, wissen die Behörden nicht.

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Im Bundesasylzentrum in Embrach ZH sind Asylsuchende untergebracht, die die Schweiz verlassen müssen. 309 Personen, also rund 61 Prozent der Bewohner, reisten seit der Eröffnung im März 2017 «unkontrolliert ab», wie die «NZZ» berichtet. Das heisst: Sie tauchen ab. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) bestätigt diese Zahlen.

Insgesamt gab es im Ausreisezentrum Embrach bisher 649 Ein- und 503 Austritte. Personen aus Algerien, Nigeria, Marokko, Guinea und Georgien tauchen am häufigsten ab. Sie haben kaum Chancen auf Asyl in der Schweiz. Das SEM urteilt über Asylgesuche von Personen aus Algerien, Marokko, Nigeria und und Georgien im Schnellverfahren, da sie nicht oder kaum schutzbedürftig sind.

Wo halten sich die Asylsuchenden auf?

Die Behörden wissen laut «NZZ» nicht, wohin die Asylsuchenden nach dem Abtauchen gehen. Es wird vermutet, dass sie zum Teil nach Deutschland, Frankreich oder Schweden reisen. Das SEM habe keine Hinweise, dass die Personen sich weiterhin in der Schweiz aufhalten.

Die Quote von Embrach sei aber nur bedingt mit den gesamtschweizerischen Zahlen vergleichbar. Denn im Bundesasylzentrum in Embrach wird das revidierte Asylgesetz getestet. Darin ist enthalten, dass Asylsuchende früher und besser über ihre Chancen informiert werden. Dies könnte Grund dafür sein, dass die unkontrollierten Ausreisen in diesem Zentrum zahlreicher sind, als an anderen Orten.

«Der Bund kann nicht mehr tun»

Strengere Massnahmen gegen die unkontrollierten Ausreisen ins Ausland seien nicht möglich. «Die Geflüchteten machen von einem verfassungsmässig garantierten Recht Gebrauch», sagt ein Sprecher der Flüchtlingshilfe zur «NZZ». Man könne die Migranten während des Asylverfahrens nicht inhaftieren. Dies wäre nicht mit dem Menschenrecht vereinbar, ergänzt FDP-Ständerat Philipp Müller. «Der Bund kann nicht mehr tun.»

Ab März 2019 wird das revidierte Asylgesetz und damit das beschleunigte Asylverfahren in der ganzen Schweiz angewandt. Das SEM will die Erfahrungen aus dem Zentrum in Embrach für den Aufbau anderer Ausreisezentren nutzen.

(sil)