Bezirksgericht Zürich

12. Oktober 2017 16:50; Akt: 12.10.2017 16:50 Print

Keine Beweise, dass Binz-Besetzer Strom abzapfte

Das illegale Fest auf dem Binz-Areal hat keine finanziellen Folgen für einen Hausbesetzer. Die Staatsanwaltschaft sagte, dass er illegal Strom im Wert von 400 Fr. abgezapft haben soll.

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Der 44-jährige Hausbesetzer wurde von dem Bezirksgericht Zürich freigesprochen. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

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Für das Bezirksgericht Zürich lassen sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft nicht beweisen. «Wir finden keine Beweise in den Akten, dass Strom im Wert von 400 Franken bezogen wurde», sagte der Richter bei der Urteilsverkündung. Gemäss seiner Rechnung ginge es - wenn überhaupt - höchstens um einen Betrag von rund 9 Franken.

Zwar gebe es Bilder, auf denen der Beschuldigte eindeutig zu erkennen sei und auf denen er mutmasslich auch ein Stromkabel in den Händen halte. «Wir wissen aber nicht, was Sie damit gemacht haben», sagte der Richter. Es könne auch sein, dass der 44-Jährige erst beim Abbau mitgemacht habe - was nicht strafbar wäre.

Entschädigung in Höhe von 4600 Franken

Für das Gericht blieben zu viele Fragen offen. «Wir sind nicht überzeugt, dass sich der Vorfall so abgespielt hat wie in der Anklageschrift beschrieben.» Daher erfolgte der Freispruch für den Schweizer. Das Gericht sprach dem Mann, der sich vor Gericht zum Vorfall nicht äusserte, ausserdem eine Entschädigung von 4600 Franken für seinen Anwalt zu.

Es folgte damit den Anträgen des Verteidigers. Auch für ihn war nicht klar, wie die Staatsanwaltschaft auf einen Betrag von 400 Franken gekommen war.

Anwalt: «Kanton wäre Geschädigter – nicht EWZ»

Er frage sich zudem, wer überhaupt der Geschädigte sei. Laut Anklage ist es das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz), das den Beschuldigten auch angezeigt hatte. Für den Verteidiger hingegen wäre es - wenn es einen Geschädigten gibt - der Eigentümer des Areals, also der Kanton. «Jetzt ist es so, als ob ein Lieferant, nachdem er seine Ware im Laden abgeliefert hat, einen späteren Ladendieb anzeigen würde.»

Ausserdem zweifelte er an, dass sein Mandant auf den Bildern zu sehen ist und was die abgebildete Person darauf tut. «Die Fotos, die den Beschuldigten zeigen sollen, sind unverwertbar», sagte er.

Der Staatsanwalt, der an der Verhandlung nicht teilnahm, forderte wegen «unrechtmässiger Entziehung von Energie» vergeblich eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 30 Franken. Für ihn war klar, dass der Beschuldigte dabei war, als die Besetzer «fachmännisch eine Stromleitung zu ihren Geräten zogen».

Rund 100 Personen feierten auf dem Binz-Areal

Der Beschuldigte, ein Hauswart, soll dafür einen Bau-Elektrokasten angezapft haben, der bereits auf dem Areal stand. Den Strom benötigten die Besetzer, um ihren Festplatz mit Restaurant und Bühne zu betreiben.

Mit dem Freispruch vom Donnerstag hat das illegale Fest vom Juli 2015 auf dem Binz-Areal keine finanziellen Folgen für die Besetzer. Damals hatten rund 100 Personen das leerstehende Industrieareal in Beschlag genommen, um ein dreitägiges grosses Fest zu feiern.

Während der Kanton Zürich als Besitzer des Areals die Räumung forderte, liess die Stadtpolizei die Besetzer gewähren, weil sie Ausschreitungen befürchtete. Sie kontrollierte lediglich die Besetzer.

Nicht der erste Binz-Besetzer vor Gericht

Die Kosten für diesen Polizeieinsatz beliefen sich schliesslich auf 225'000 Franken. Die Abfallbeseitigung kostete weitere 32'500 Franken. Beides stelle die Stadt den Besetzern nicht in Rechnung.

Der Hauswart war aber nicht der erste Binz-Besetzer, der sich vor Gericht verantworten musste. Bereits im März wurde einer der Hausbesetzer zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er den SVP-Politiker Mauro Tuena beschimpft und geschubst hatte. Auch FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger wurde damals tätlich angegangen. Die Polizei konnte jedoch nicht ermitteln, wer dafür verantwortlich war.

(wed)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kurt am 12.10.2017 17:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Nein nein nein, so geht es nicht! Da wird eine Liegenschaft besetzt, und die Verantwortlichen werden nicht zur Kasse gebeten? Genanntes Delikt mit dem Stromdiebstahl kann nicht hundertprozentig bewiesen werden, aber die Kosten für die Polizei die in die Tausende gehen ist Fakt. Warum soll der Steuerzahler dafür aufkommen? Ein Freibrief mehr für solche Chaoten.

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  • Urs Nussbaumer am 12.10.2017 18:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja

    Dafür zahlt man ja in Zürich mehr als 900.00 Franken Busse für einen halben Meter blaue Zone. Sind zwar nicht die gleichen Dinge. Staune aber trotzdem.

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  • Remo am 12.10.2017 18:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Beweise da lachen ja die Hühner

    Ich habe sogar 2Fotos von EWZ AK wo zu sehen ist wo die Kabel raushängen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Demokrat am 13.10.2017 21:13 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Richtig so, die Hetze gegen die Kulturaktivisten muss aufhören.

  • Ganz Links am 12.10.2017 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Randstand

    Passt doch, wenn man schon Häuser besetzt, ergo dem Vater Saat auf der Tasche sitzt, wiso dann für Strom bezahlen...!?

  • Daniel Seehinter am 12.10.2017 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was für ein theater

    im mcdonalds kann ich ja auch einfach mein handy aufladen. strom kommt ja sowieso gratis aus der steckdose, also was soll das?

  • Dd am 12.10.2017 21:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ami Style

    Ganz einfach die Farbe der Leiter vertauschen. Phase und Nullleiter vertauschen wenn du sein Equipment in die Luft jagen willst. Phase und Erde vertauschen wenn du das Problem endgültig erledigen willst.

  • Sami Chlaus am 12.10.2017 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politikerkids

    Warum verwundert mich das nicht? Könnte es sein weil sich Kids vom" suverän" dort aufhalten! Wan wird diese Areal und die Reithalle endlich geschlossen?