Luzerner Kantonsspital

09. Juli 2018 05:52; Akt: 09.07.2018 06:27 Print

Schweizer Vulva-Studie interessiert weltweit

von Daniela Gigor - Seit 20 Minuten über eine neue Vulva-Studie berichtete, klingelt beim Leiter der Studie ununterbrochen das Handy. Er hat etwa Anfragen aus Norwegen und Japan.

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Die Studie wurde am Luzerner Kantonsspital durchgeführt. Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir - so heisst es. Trotzdem gerät der eine oder andere Fakt über die Vagina in Vergessenheit. Oder hätten Sie noch gewusst, ... ... dass die Klitoris rund 8000 Nervenenden hat, die die sexuelle Lust fördern können. Im Penis hingegen sind nur 4000 Nervenenden vorhanden. Kein Wunder ist das weibliche Geschlecht äussert sensibel. Der Orgasmusrekord einer Frau liegt bei 134 Höhepunkten während einer Stunde. Bei Männern waren es bloss 16. Der längste weibliche Höhepunkt, der je gemessen wurde, dauerte übrigens 43 Sekunden mit 25 aufeinanderfolgenden Kontraktionen. Wer Schwierigkeiten damit hat, sollte seinen Beckenboden trainieren. Selbst Frauen, die noch nie einen vaginalen Orgasmus hatten, können durch sogenanntes «Kegel-Training» neue Höhepunkte erreichen. Das hilft übrigens nicht nur bei Orgasmen, sondern auch bei unkontrolliertem Harn-, Kot- oder Flatulenz-Drang. Die Vagina bildet die Verbindung zwischen dem Gebärmutterhals und der Vulva. Ausserdem ist sie grösser als angenommen. Normalerweise ist sie zwischen 8 und 12 Zentimeter lang. Bei Erregung dehnt sie sich jedoch in ihrer Länge und Breite aus und kann gut doppelt so gross werden. Die Innenwände sind normalerweise gefaltet. Beim Geschlechtsverkehr öffnen sie sich jedoch wie ein Regenschirm. Dadurch ist sie extrem dehnbar und passt sich dem Penis jedes Mannes an. Der G-Punkt ist teilweise noch immer ein Mysterium. Fakt ist: Es gibt ihn. Er liegt 5 bis 7 Zentimeter vom Scheideneingang entfernt, ist schwammartig und fühlt sich rau an. Eine Orgasmus-Garantie gibt er aber nicht: Während die einen durch Stimulation des G-Punkts sogar ejakulieren können, empfinden andere diese Art von Erregung als unangenehm. Was die Schamhaar-Frisur angeht, gehen die Meinungen auseinander. Während es die einen natürlich mögen, setzen andere auf Kurzhaar. Wieder andere stehen auf Komplettrasur - den sogenannten Hollywood-Cut. Was jedoch kaum einer weiss: Lässt man das Schamhaar spriessen, hat es eine Lebenserwartung von drei Wochen. Kopfhaar hingegen kann bis zu sieben Jahre alt werden. Die Vagina ist ein Organ, das sich selbst reinigt. Eine gewisse Menge an Ausfluss ist deshalb ein Teil des natürlichen Reinigungsprozesses. Sobald jedoch Schmerzen auftreten oder der Ausfluss verstärkt austritt oder unangenehm riecht, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Denn das kann ein Hinweis auf eine sexuell übertragbare Krankheit sein. Bei wiederkehrenden vaginalen Infektionen könnte der Verzehr von Probiotika oder probiotischen Lebensmitteln wie Joghurt Abhilfe schaffen. Denn in der Vagina wimmelt es nur so von Bakterien. Und einige von denen befinden sich auch im Joghurt. Werden sie verzehrt, stärken sie die Scheidenflora. Doch auch eine übertriebene Intim-Hygiene kann zu genitalen Irritationen führen. Denn dadurch kann es beim Sex manchmal zu Reizungen, Juckreiz oder Schmerzen kommen. Nachzuvollziehen ist es aber: Denn direkt unter der Haut der Schamlippen sitzen kleine Drüsen, die Öl und Schweiss absondern. Beides braucht die Vagina, um sich in hitzigen Momenten selbst herunterzukühlen und unangenehmer Reibung vorzubeugen. Hätten Sie gewusst, dass die Vagina und ein Hai etwas gemeinsam haben? Squalen - ein organischer Stoff - kommt sowohl im Lebertran verschiedener Haie als auch im Sekret des weiblichen Geschlechts vor. Es dient als natürliches Gleitmittel der Scheide und spendet viel Feuchtigkeit. Das natürliche Milieu der Scheide besitzt übrigens - wie Wein - einen pH-Wert von 4,0 und ist damit also eher sauer. Krankheitserreger werden dadurch besser abgewehrt. Die Bezeichnung Vagina stammt übrigens aus dem Lateinischen und bedeutet Scheide im Sinne einer Schwertscheide. Sinnbildlich steckt also der Mann sein Schwert in die Scheide der Frau.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wie sieht eine «normale Vulva» aus? Dieser Frage ging das Luzerner Kantonsspital (LUKS) in der bisher grössten Studie zum Thema nach. Dazu haben Forscher in Luzern die Genitalien von 657 Frauen vermessen. Grund für die Studie war, dass Schönheitsoperationen im Genitalbereich immer beliebter würden und die Forscher wissen wollten, ob es irgendwas wie eine «normale Vulva» gäbe. Das Ergebnis der Studie ist, dass das Wort «normal» in diesem Kontext bedeutungslos ist, weil die anatomische Vielfalt viel zu gross sei.

Seit 20 Minuten über die Studie berichtete, klingelt bei Andreas Günthert, dem Leiter der Studie, das Handy ununterbrochen: «Es gibt etwa Anfragen von einer norwegischen Tageszeitung und der grössten japanischen Tageszeitung.» Darüber berichtet haben unter anderem «Newsweek», «The Sun», «The Independent», «Daily Mail» oder «Huffington Post». Laut Günthert gab es aber auch eine kuriose Absage: «Ein amerikanisches Journal wollte die Studie nicht publizieren, weil die Frauen in unserer Studie zu schlank seien, das sei nicht repräsentativ.»

Studie soll in erster Linie den Frauen nützen

Günthert ist vom internationalen Medien-Echo ein bisschen überrascht, aber auch erfreut: «Wenn man viel Arbeit in eine gute Sache investiert hat, sich viele Menschen freiwillig dafür zur Verfügung gestellt haben, dann ist ein solches Echo natürlich sehr erfreulich.»

Direkten Nutzen vom Medieninteresse habe er nicht, «aber indirekten»: Habe man als Akademiker eine gute Publikationsliste und einen Namen, öffne dies manch eine Tür etwas leichter. Und: «Die Studie wurde von einer Assistenzärztin – Dr. Anne Kreklau – als Erstautorin publiziert, ihr nützt es auf dem eingeschlagenen akademischem Weg natürlich sehr.» Es gehöre zu einem akademischen Haus wie dem LUKS dazu, dass man sich für Wissenschaft und Förderung der Karriere einsetze. «Die Studie nützt aber vor allem vielen Frauen etwas, das hoffe ich zumindest.»

«Die allermeisten Frauen fanden das ganz lustig»

Weiter erwähnt der Studienleiter den Künstler Jamie Mc Cartney und dessen Werk «The great wall of vagina». Günthert: «Jamie Mc Cartney hat sich der Komplexizität und Vielfalt künstlerisch angenähert, wir nun wissenschaftlich.» Leider habe er sein Werk jedoch ‹Vagina› genannt, obwohl auf dieser Wand nur Vulven zu sehen sind. «Wenn durch diese Studie das Wort ‹Vulva› mehr ins Bewusstsein kommt, bin ich durchaus zufrieden.» Beim Mann würde übrigens jeder den Begriff für das äussere Genital kennen, nämlich Penis. «Merkwürdig, nicht?» Günthert hofft, dass die Studie vor allem vielen Frauen Nutzen bringt.

Rekrutiert wurden die 657 Frauen im Luzerner Kantonsspital während Routineuntersuchungen. Dabei wurden sie angefragt, ob sie an der Studie teilnehmen möchten. «Die allermeisten Frauen fanden das ganz lustig und eine gute Idee.»


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pralinchen am 09.07.2018 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja

    Wie kann man sich dort nur rumschnippeln lassen? Werde ich nie verstehen..

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  • Lillybeth of Switzerland am 09.07.2018 06:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was man nicht alles vermessen kann

    Und jetzt? Was bringt mir das Meine Vulva ist einzigartig und so soll es auch bleiben. Möchte keine Doppelgängerin:)))

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  • Mirco Meyer am 09.07.2018 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erklärung gesucht

    Hmm habe ich das gerade richtig gelesen? Die Studie bringt niemandem etwas ausser der Karriere der Verfasserin? Interressant, dass für solche Studien Mittel zur Verfügung gestellt werden... und da wundert man sich über steigende Gesundheitskosten?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Casanova am 09.07.2018 11:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zusammen mit anderen Ländern

    Ich hätte doch zu gerne als Vermesser an dieser Studie mit gearbeitet.

  • Mary S. am 09.07.2018 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Für was?

    um Schönheits-OP's zu verhindern? zu fördern? Um Männer und Frauen punkto Orgasmus-Fähigkeit zu verunsichern? 134mal/Std. für Frauen, 16mal/Std. für Männer angeblich möglich: wurde die Studie von Sex-Therapeuten/innen bezahlt/initiiert? Für was? Money Money Money

  • Bobtail am 09.07.2018 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum die Aufregung?

    Also, der Penis vom Mann wurde schon in zig Studien vermessen und verglichen. Wer sich mit dem wissenschaftlichen Betrieb auseinandersetzt weiss, dass Studien zu hundert durchgeführt werden auch wenn der Laie nicht versteht warum. Grundlagen sollen eben nicht aus dem Bauch sondern empirisch und statistisch belegt entwickelt werden.

  • Sonusfaber am 09.07.2018 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    forschung

    das ist ein wichtiger schritt zur enttabuisierung und entdramatisierung von körperteilen, derer funktion fundamental ist. und forschung ist immer gut, egal, worüber man forscht. es ist wichtig, dass wir menschen unsere neugier nähren und erfüllen ...

  • Ladyinred am 09.07.2018 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beschneidung

    Man sollte sich besser weltweit gegen die Verstümmelung der Geschlechtteile der jungen Frauen auf der Welt einsetzen. Soviel Leid,,,

    • artr2d2 am 09.07.2018 14:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ladyinred

      Und gegen die Verstümmelung des Penis ebenfalls. Die Beschneidung der Jungen gehört genauso verboten. Ab 16 sollen dan Jungs und Mädels selbst entscheiden, ob sie such verstümmeln lassen wollen oder nicht. Nicht die Eltern.

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