Schwyz

15. Mai 2018 16:13; Akt: 15.05.2018 17:45 Print

Das Rätsel um den Blutbach ist gelöst

Der Dorfbach in Schwyz war rot, weil er Tierblut mitführte. Jetzt ist klar, wie es dazu kommen konnte. «Restblut» und ein Kessel waren schuld, sagen die Behörden.

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Woher kommt das Blut im Dorfbach von Schwyz? Polizei und Gemeinde wollen diese Frage klären. Dabei ist es... ... nicht das erste Mal, dass ein Bach respektive Fluss sich rot färbt. So verwandelte sich auch die Langete in ein blutrotes Gewässer und ... ... stellte die Berner Gemeinden Lotzwil und Madiswil im April 2014 vor ein Rätsel. Später fand das Kantonale Amt für Wasser und Abfall (AWA) heraus, dass der Farbstoff Rhodamin B die Färbung verursacht hatte. Wer die Chemikalie damals ins Wasser kippte, blieb unklar. Unglaublicherweise ... ... kam es wenige Monate später zu einem ähnlichen Zwischenfall: Im September 2014 leuchtete die Langete für rund eine halbe Stunde grün. Meistens werden Flüsse eingefärbt um zu ermitteln, welche Fliesswege das Wasser nimmt. Normalerweise ... ... werden solche Markier- oder Tracerversuche nur auf das Notwendigste beschränkt und bei der Bevölkerung angekündigt. Das läuft nicht immer perfekt ab. Im November 2017 war der Mülibach in Allschwil und auch über die Landesgrenze hinaus nach Frankreich über mehrere Tage teilweise stark grün verfärbt. Das lag ... ... daran, dass bei einem Markierversuch in Frankreich Uranin eingesetzt wurde, das in ein Auffangbecken gelangte und von dort durch Niederschläge ausgeschwemmt wurde. Dieses wird häufig für Markierversuche verwendet, da sich der Stoff für die Versuchsanordnung gut eignet. Es ist in den eingesetzten Konzentrationen für Mensch, Tier und Umwelt unbedenklich. Zu viel Farbstoff verwendeten im Mai 2016 Studierende der Uni Zürich im Fluss Alp, als sie herausfinden wollten, wie viel Wasser durch den Fluss aus dem Kanton Schwyz fliesst. Das Prinzip funktioniert so: Der Farbstoff wird in den Fluss gemischt und wird vom Wasser verdünnt. Weiter unten im Flusslauf wird die Konzentration des Farbstoffs im Wasser gemessen. So kann man die Wassermenge errechnen. Der ... ... Farbstoff wird auch eingesetzt, um Informationen über Fliessgeschwindigkeiten zu erhalten. Bei ihrem Test verwendeten die Studenten der uni Zürich aber etwas zu viel Farbe. Für die Umwelt entstand laut Umweltdepartement des Kantons Schwyz jedoch keinen Schaden.

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Warum war der Dorfbach Schwyz blutrot?
Das Blut stammt von einer Metzgerei, von der es in die Schmutzwasserleitung gelangte, berichtete der «Bote der Urschweiz» am Dienstag.

Warum aber ist das Blutwasser der Metzgerei von der Schmutzwasserleitung in den offenen Dorfbach gelangt?
Am Dienstagmorgen wurde das Rätsel gelöst. «Wir haben an der betreffenden Schmutzwasserleitung bei einem Hochwasser-Entlastungsschacht eine Verstopfung festgestellt», sagte Donatus Dörig, Projektleiter Tiefbau in der Gemeinde Schwyz und für die Kanalisation zuständig. Ein Kessel, wie er auf dem Bau gebraucht wird, habe dort den Abfluss verstopft. «Deshalb gelangte das Abwasser in den Dorfbach», sagte Dörig auf Anfrage von 20 Minuten.

Warum hat es überhaupt Blut von einer Metzgerei in der normalen Schmutzwasserkanalisation?
«Blut muss von den Metzgereien selbstverständlich mittels Rückhaltesystemen speziell entsorgt werden und darf nicht in die Kanalisation gelangen», so Dörig. Da gebe es Auflagen. Die betroffenen Metzgereien erfüllten die Vorschriften. «Bei Schlachtungen wird das anfallende Blut separat gesammelt, abgepumpt und separat entsorgt», sagt Dörig. «Aber es kann in Metzgereien vorkommen, dass ein wenig Restblut in die Kanalisation gelangt, das ist nicht auszuschliessen.»

Aber wie ganz konkret gelangte denn das «Restblut» von der betreffenden Metzgerei trotz Rückhaltesystem in die Kanalisation?
«Grundsätzlich darf kein Blut, insbesondere Sturzblut beim Schlachtvorgang, in die Kanalisation geleitet werden», sagt Dörig. Die Metzgereien würden die tierischen Nebenprodukte fachgerecht entsorgen. Wie es dennoch sein kann, dass Restblut in den Kanal kommt, erklärt Dörig so: «Das Blut und Tiernebenprodukte werden an Ort und Stelle in grossen Behältern auf dem Vorplatz bereit gestellt. Beim Aufladen auf den Spezialtransporter kann es vorkommen, dass eine geringe Menge Blut auf den Vorplatz gelangt. Dieses Restblut kann durch das Abspritzen des Aussenplatzes folglich in die Kanalisation gelangen.»

Ist tatsächlich nur ein «wenig Restblut» in den Bach geflossen? Wenn man das Bild des blutroten Dorfbaches betrachtet, könnte man meinen, es sei eine grösser Menge nötig, um den Bach derart rot einzufärben.
«Blut ist bekanntlich dicker als Wasser. Es braucht sehr wenig davon, um die Menge, wie letzten Montag geschehen, als enorm wahrzunehmen.» Dörig macht ein einfaches Beispiel, um dies zu veranschaulichen: «Dies können Sie auch feststellen, wenn Sie sich in den Finger schneiden und die Wunde auswaschen.»

Werden nun weitere Abklärungen folgen, allenfalls Sanktionen auferlegt oder neue Auflagen erteilt?
Um solche einzelne Ereignisse künftig zu minimieren, würden Massnahmen bei der Hochwasser-Entlastungsinfrastruktur überprüft. Dörig sagt weiter: «Zusammen mit den Erkenntnissen aufgrund der erfolgten Ereignisse wird mit den betroffenen Metzgereien nach Optimierungsmöglichkeiten gesucht, um den gesetzlichen Vorgaben noch gerechter zu werden.» Sanktionen oder neue Auflagen seien nicht vorgesehen.

Bestand wegen dem Blut und den Fäkalien im Dorfbach ein Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier?
«Nein», sagt Dörig.



(Video: Bote der Urschweiz)

(mme)

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