Luzern

15. Mai 2018 05:49; Akt: 16.05.2018 11:07 Print

BDP-Präsident bedeckt nur das Nötigste

von Daniela Gigor - Die BDP Luzern wirbt derzeit mit einer LGBTQ-Kampagne für eine «offene Gesellschaft». Der schwule BDP-Präsident Denis Kläfiger posiert darauf gleich selbst als Model.

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Der Luzerner BDP-Politiker Denis Kläfiger (rechts) posiert mit einem ebenfalls schwulen Bekannten für eine aktuelle LGBTQ-Kampagne seiner Partei. So sehen die aktuellen Plakate der BDP aus. Hier posiert Kläfiger (rechts) mit einem Model. Männer und Männer, Frauen und Frauen... und Frauen und Männer: «Schönheit entsteht durch Vielfalt», sagt Kläfiger dazu. 2015 posierten Politiker der Juso Zürich nackt auf ihren Wahlplakaten. Um gegen den Überwachungsstaat zu protestieren, präsentierten die Jungsozialisten sogar ihre Genitalien. Nackt können auch andere: Claudine Esseiva, damals Generalsekretärin der FDP, war 2011 «Pin-up-Girl einer neuen Kampagne», wie die FDP damals mitteilte. «Nicht mehr oben ohne», so das Motto. «Der Slogan zielt auf unsere Forderung, dass mehr Frauen in den oberen Etagen von Wirtschaft und Politik vertreten sein müssen», sagte sie damals. 2007 zogen sich junge Grüne vor der Polizeiwache Urania in Zürich aus. Sie protestierten so dagegen, dass Verhaftete sich im Polizeiposten ausziehen mussten. Dabei war auch der heutige Nationalrat Bastian Girod, der seinen Unterleib mit der Nummer 4 verdeckt. Der «Blick» spekulierte später, ob das Sixpack von Girod echt sei oder ob der Computer nachgeholfen hat. «Echt», antwortete Girod. Die Juso wollte 2017 auf den Frauenmarsch in Zürich aufmerksam machen. Dafür lässt sie die Hüllen fallen. Zusammen mit ihren Mitstreiterinnen – darunter eine Transfrau – verbrannte Juso-Chefin Tamara Funiciello ihren BH nach Manier der Frauenbewegungen der 70er-Jahre. Damals war der BH Symbol für die Unterdrückung durch das Patriarchat. «Das Foto ist eine gezielte Provokation, es muss nicht jedem gefallen. Wir wehren uns damit gegen die Normierung des Schönheitsideals und gegen die Binarität der Geschlechter», sagte sie. «Kein Sexdiktat vom Staat»: Nur mit Plakaten bedeckt, posierten 2014 Juso-Mitglieder gegen die Abtreibungsinitiative. Die Initianten bezeichnen die Kampagne als irreführend. Elena Anna Staller war in den 80er-Jaren ein Porno-Star, bekannt als «Cicciolina». Nachher stieg sie in die Politik ein. Gut möglich, dass ihr ihre Popularität dabei half. Prächtiger Putin: Der russische Präsident posiert immer wieder oben ohne. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel liess schon tief blicken.

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Die Bürgerlich-Demokratische Partei Kanton Luzern hat im Mai eine Kampagne gestartet, die sich um die LGBTQ-Community kümmert. Auf drei verschiedenen Bildern sind je zwei halbnackte Lesben, ein Hetero-Paar und zwei Schwule zu sehen. Der Slogan dazu lautet: «Wir stehen hinter jeder Facette unserer Gesellschaft.» Das Spezielle an den Bildern ist, dass die Lesben und das Hetero-Paar von Models dargestellt werden – für das Schwulenplakat modelt der Luzerner BDP-Präsident Denis Kläfiger gleich selbst. Zusammen mit einem schwulen Bekannten, dessen Sixpack, Brustmuskeln und Bizeps Supermodel-Ausmasse haben.

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«Ich habe mich bewusst gemeinsam mit einem meiner besten Freunde zur Verfügung gestellt, um zu signalisieren, dass ich als Parteipräsident hinter diesem Streben nach Gleichstellung stehe, und mein Engagement für die LGBTQ-Community ist ja bekannt», sagt Denis Kläfiger (27).

«Vielfalt ist geil und Schönheit entsteht durch Vielfalt»

Die Kampagne, die in den sozialen Medien veröffentlicht wurde, sei bewusst provokant umgesetzt worden, weil die BDP mutiger sei als andere Parteien. Kläfigers Botschaft lautet: «Vielfalt ist geil und Liebe kennt kein Geschlecht.» Er habe bewusst drei Variationen an Paaren gezeigt. «Das ist für mich Gleichstellung», sagt Kläfiger weiter. Sein Motto: «Vielfalt ist geil und Schönheit entsteht durch Vielfalt.»

Laut dem Positionspapier der BDP Kanton Luzern ist Handlungsbedarf im Adoptionsrecht, bei den partnerschaftlichen Rechten und einem generellen Diskriminierungsabbau für gleichgeschlechtliche Paare angesagt. Dies soll sowohl im privaten und öffentlichen Bereich sowie am Arbeitsplatz durchgesetzt werden. Kläfiger: «Das Thema wird sicher noch einmal auf die Agenda gesetzt, bevor die Kantons- und Regierungswahlen am 31. März 2019 stattfinden.»

Politologe zweifelt, dass BDP mit Aktion Wähler gewinnt

Olivier Dolder, Politologe bei Interface in Luzern sagt zur Kampagne: «Die Bilder dienen dazu Aufmerksamkeit zu bekommen. Das ist ihm mit diesem Artikel gelungen.» Ob die Wähler auf diese Kampagne ansprechen, wagt er aber stark zu bezweifeln. Die Partei dürfte im Kanton Luzern weiterhin eine Randerscheinung bleiben.


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