Gesetzesverschärfung

09. Juli 2018 20:30; Akt: 09.07.2018 20:30 Print

Streit zwischen Zivis und Armee-Freunden eskaliert

Der Bundesrat will mit neuen Auflagen verhindern, dass Armeeangehörige in den Zivildienst wechseln. Nun drohen Zivis mit dem Referendum.

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40 Prozent der neu zugelassenen Zivildienstleistenden absolvierten die RS. Sie zogen es dann aber vor, in Spitälern, in der Schule oder auf der Alp zu helfen. Weil die Armee aber mehr Soldaten braucht, will der Bundesrat ein solches «Abschleichen» in den Zivildienst mit einer Gesetzesverschärfung erschweren.

Unter anderem sollen künftig mindestens 150 Zivildiensttage geleistet werden müssen – unabhängig von den noch verbleibenden Diensttagen im Militär. Geplant ist auch eine Wartefrist von 12 Monaten. Während dieser Frist müssen Gesuchsteller weiter Dienst leisten.

Zivis drohen mit dem Referendum

Der Schweizerische Zivildienstverband Civiva macht nun gegen die Verschärfungen mobil – und schiesst scharf gegen den Bundesrat: «Den Zivildienst weniger attraktiv zu machen, wird die Attraktivität der Armee nicht erhöhen – das ist eine zum Scheitern verurteilte Strategie», heisst es in einer Mitteilung. Zugleich drohen die Zivis mit dem Referendum.

Schon heute würden Zivildienstleistende wegen der 1,5-mal längeren Dienstpflicht gegenüber dem Militärdienst diskriminiert. Die Vorschläge des Bundesrates stellten das Recht auf zivilen Ersatzdienst infrage, sagt Grünen-Nationalrätin und Civiva-Co-Präsidentin Lisa Mazzone. De facto konzentriere sich der Bundesrat ganz auf die Perspektive der Armee, ohne den Beitrag zu berücksichtigen, den die Zivildienstleistenden an die Gesellschaft leisteten.

«Wir haben einen direkten Einfluss auf die Gesellschaft», sagt der «Abschleicher» und ehemalige Milizoffizier Andreas Mörker. Der Tagesablauf eines Zivildienstleistenden sei mindestens so erschöpfend wie der eines Soldaten: «Das Tragen eines Marschgepäcks und die Arbeit im Wald unterscheiden sich voneinander, sind jedoch genau gleich anstrengend.»

Gruppe Giardino fordert Wiedereinführung der Gewissensprüfung

Die Drohungen der Zivis findet Willi Vollenweider von der Milizorganisation Gruppe Giardino absurd: «Der Bundesrat muss etwas tun, weil der Schweiz die Soldaten ausgehen. Die Milizarmee ist Teil der Schweiz, weshalb Gegenmassnahmen zwingend sind.» Für Vollenweider geht die Verschärfung gar zu wenig weit: «Es stimmt, dass die RS heute zu wenig attraktiv ist. Aber es darf nicht sein, dass der Militärdienst wie heute quasi freiwillig ist.»

Eine Kuschel-RS, bei denen Märsche freiwillig seien, gehe genau in die falsche Richtung. «Junge Männer wollen doch nicht als Weicheier dastehen.» Die Armee müsse besser erklären, weshalb ein Militärdienst notwendig sei. Zudem fordere man die Wiedereinführung der Gewissensprüfung für den Zivildienst.

Beliebter Zivildienst

Der Zivildienst hat mit der Abschaffung der Gewissensprüfung im Jahr 2009 an Attraktivität gewonnen. Bis dahin musste ein Gesuchsteller vor einer Kommission begründen, wieso er den Militärdienst nicht mit dem Gewissen vereinbaren kann und wieso darum Zivildienst leisten möchte.

Waren es im Jahr 2008 genau 1632 Zulassungen, schnellten sie 2009 auf 6720. Eine erste Verschärfung der Zulassungsbedingungen drückte zwar kurzzeitig auf das Interesse. 2011 waren es 4670. In den vergangenen Jahren stiegen die Zulassungen aber wieder kontinuierlich leicht an. Im Jahr 2017 waren es 6785.

(daw/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bestler am 09.07.2018 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sinnvoll

    ich selbst habe die rs und 2 wks besucht und bin danach zum zivildienst gewechselt.der grund dafuer war,das mein tag im militaer daraus bestand ,zu warten bis es abend wurde.im zivildienst konnte ich nuetzliche arbeit verrichten und habe so in verschiedene berufsrichtungen rein gesehen.absolut sinnvoll der zivildienst

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  • michi am 09.07.2018 20:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gleichberechtigung

    wenn die schweiz zu wenig soldaten hat, sollen halt die frauen soldaten werden.

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  • Sdt Müller am 09.07.2018 21:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht vor der eigenen Tür sauber

    Man muss den Jungen nicht den Sinn der Armee erklären, sie müssen ihn erleben können. Auch müsste die RS besser auf Studienlehrgänge abgestimmt sein. Das sind zwei wesentliche Punkte welche dem Weg zum Zivildienst lenken. Armeekarriere ist in der Privatwirtschaft mittlerweilen auch nicht mehr erwünscht. Sucht die Lösung nicht im erschwerten Zivildienst sondern im atraktiven Militärdienst. Nicht den Mitbewerber schlecht reden, sondern seine eigenen Qualitäten stärken. Macht eure Hausaufgaben wie sie ein Firmeninhaber auch machen muss.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel am 10.07.2018 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    Beides abschaffen .. oder freiwillig

    Solange nur Männer zum Dienst gezwungen werden - stimmt es mit der Gleichberechtigung hinten und vorne nicht. Deshal abschaffen oder Pflicht für alle.

  • Leser am 10.07.2018 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschenrecht

    Wer sich als Kanonenfutter ausbilden lassen will, soll das tun dürfen. Wer nicht will, muss nicht! Keiner kann gezwungen werden, so einfach ist das!

    • Pet Er am 10.07.2018 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Leser

      Nichts ist einfach einfach! Man muss nicht, aber dann muss man halt länger im Schoggi-Job als Zivi dienen - ganz einfach!

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  • Urglarner am 10.07.2018 16:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    RS schadet nicht - im Gegenteil

    Zur Verteidigung unserer Souveränität und auch unserer Neutralität ist es absolut unabdingbar, dass der Armee genügend Soldaten zur Verfügung stehen. Die RS und der Militärdienst ist nach wie vor die beste Lebensschule und hat schon manches 'verweichlichte Muttersöhnchen' zu einem verantwortungsbewussten Mann gemacht.

  • Bananajoe am 10.07.2018 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rumsitzen Däumchen drehen

    Hauptsache die Schuld auf andere schieben. Ich war bei der Fliegertuppe und machte einen WK. Trotz meiner begeisterung für die Aviatik war es der erste und der letzte, danach wechselte ich in den Zivildienst. Es kann ja nicht sein, dass man knapp eine Woche etwas tut ob sinnvoll oder nicht, ist egal und die restlichen 2 Wochen die zeit zu tote schlagen muss obwohl man motiviert ist etwas zu Arbeiten... War dann überglücklich im Technischen Dienst in einem Heim, wo ich den Rest der Diensttage absolvierte und jeden Tag etwas zu tun hatte. Die Zeit verflog föhrmlich.

  • Schämu am 10.07.2018 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleiches Recht für alle

    Der Zivildienst sollte sowieso für Männer generell abgeschafft und bei den Frauen eingeführt werden.