Dreck und Käfer

16. Mai 2018 12:13; Akt: 17.05.2018 17:02 Print

War dein Sprachaufenthalt ein Albtraum?

Ein Schweizer Anbieter von Sprachschulen vermittelte heruntergekommene Unterkünfte. Die Alternativen stellten sich nicht als Verbesserung heraus.

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Die Freundinnen Ivana und Vanessa wollten mit der Sprachschule EF für vier Wochen einen Sprachaufenthalt in Miami Beach in den USA absolvieren. Dort erwartete sie aber eine böse Überraschung, wie der «Kassensturz» berichtet: «Das Zimmer war total dreckig und verschimmelt und es hatte Käfer auf dem Boden», sagt Vanessa dem SRF-Magazin. Für die weit über 3000 Franken, die sie bezahlt hätten, hätten sie «etwas Bewohnbares» erwartet.

Nach Kontaktaufnahme mit dem Ansprechpartner von EF sei ihnen ein neues Zimmer im gleichen Gebäude vermittelt worden – das aber im gleichen Zustand gewesen sei. Nach abermaliger Beschwerde sei ein weiteres Zimmer im selben Gebäude angeboten worden. Auch das sei verschmutzt und verschimmelt gewesen. Die beiden Frauen geben an, auf fleckigen Matratzen geschlafen zu haben. Im Zimmer seien Käfer herumgekrabbelt. Als Geste der Kulanz bekamen Vanessa und Ivana 500 Franken von EF.

«Nach sechs Wochen ging es nicht mehr»

Nadia, die für 13 Wochen nach New York wollte, um ihr Englisch aufzubessern, erzählt eine ähnliche Geschichte. Die 19-Jährige zahlte über 10’000 Franken. Auch ihre Unterkunft sei bescheiden gewesen. Das kleine Bad habe sie mit sieben anderen Bewohnern teilen müssen, die Wände seien kaum isoliert gewesen und die Heizung nicht funktionstüchtig, sagt Nadia gegenüber dem «Kassensturz».

Erst habe sie gedacht, dass vielleicht ihre Ansprüche zu hoch seien. Als sie von anderen Fällen erfahren habe, habe sie EF kontaktiert. Die Schule habe ein neues Zimmer vermittelt. Auch das sei lärmig und kalt gewesen, das Bad habe sie aber nur noch mit drei anderen Mitbewohnern teilen müssen. «Nach sechs Wochen merkte ich, es geht nicht mehr. Ich wollte nur noch nach Hause.»

EF schreibt in einer Stellungnahme an «Kassensturz», das erste Zimmer von Ivana und Vanessa habe nicht den EF-Standards entsprochen. Nach Meldung des Mangels seien ihnen Alternativen angeboten geworden. Gemäss AGB wäre EF nicht verpflichtet gewesen, eine Rückvergütung zu gewähren, habe aber als Geste der Kulanz 500 Franken gutgeschrieben, so EF.

EF weist in einer Stellungnahme gegenüber 20 Minuten darauf hin, dass der EF Campus in Miami gerade aufgrund der einmaligen Lage besonders beliebt sei. (...) Dreimal pro Woche würden die Zimmer geputzt, ansonsten seien die Schüler mitverantwortlich, dass Ordnung gehalten werde. Bei seinen Beratungen zeige EF immer unterschiedliche Unterkunftsoptionen verschiedener Preisklassen auf und zeige dem Kunden die Vor- und Nachteile. Da Schweizer einen eher hohen Standard gewohnt seien, kommuniziere EF im Falle von Miami auch, dass auf dem Campus wegen der oben genannten Umstände mit einem tieferen Standard gerechnet werden müsse. Wer das nicht wünsche, könne alternativ ein Zimmer in der Partnerresidenz von EF buchen oder etwa über Airbnb eine Unterkunft mieten.

Die Zimmer auf dem Campus in New York seien geheizt und würden regelmässig geputzt, heisst es in der Stellungnahme weiter. Die im Beitrag erwähnte Kundin hätte EF kontaktiert, weil sie lieber ein Bad en suite gewünscht hätte, das ihr, EF auch habe bieten können.


Hast du bei deinem Sprachaufenthalt Ähnliches erlebt oder mitbekommen? Berichte uns von deinem Erlebnis.

(wsa)