«Babys regelrecht zerhackt»

15. Mai 2018 20:23; Akt: 15.05.2018 20:23 Print

Mäh-Roboter werden für junge Igel zur Todesfalle

Immer mehr Igel fallen in der Schweiz Mäh-Robotern zum Opfer. Besonders Jungtiere werden schwer verletzt oder getötet.

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Mit dem Frühling spriesst in den Gärten auch wieder das Gras. Um sich die lästige Arbeit des Rasenmähens zu sparen, setzen immer mehr Schweizer auf Mäh-Roboter, die die Grünfläche eigenständig abfahren und den Rasen zurechtstutzen.

Nun schlagen aber Schweizer Igelfreunde Alarm, denn die Geräte können für Igel zur tödlichen Gefahr werden, weil sie kleine Gegenstände und Lebewesen übersehen können. Jung-Igel etwa würden nicht vor den Geräten weglaufen, sondern sich zusammenrollen, erklärt Bernhard Bader vom Verein Pro Igel. Die Folge: Die kleinen Tiere werden von gewissen Mäh-Robotern überfahren und von den rotierenden Klingen verletzt oder gar getötet.

«Igel erleiden schwer verstümmelt einen langen Todeskampf»

«Immer mehr Igel werden von den Mährobotern skalpiert, Igelbabys regelrecht zerhackt», berichtet Liliane Männlein von der Beratungsstelle des Ostschweizer Igelfreunde-Vereins. Oft würden Gartenbesitzer die Roboter-Rasenmäher Tag und Nacht laufen lassen und so die nachtaktiven Igel gefährden.

Von einer steigenden Zahl von Fällen schrieb Bader von Pro Igel bereits Ende 2016: «In den letzten zwei Jahren sind bei uns vermehrt Meldungen zu Igeln eingegangen, die eindeutig von Mährobotern verletzt wurden», heisst es im Vereinsmagazin «Igel-Bulletin». Allzu häufig müssten junge Tiere «schwer verstümmelt einen langen Todeskampf erleiden». Besonders gefährdet seien pubertierende Jungigel, sagt Bader gegenüber 20 Minuten. Diese würden von der Mutter verstossen und seien auch tagsüber allein unterwegs, wenn auch viele Mäh-Roboter laufen würden.

Gefahr ab 4,5 Zentimeter Bodenabstand

Bader wollte die Gefahr genau untersuchen und testete verschiedene Mähroboter-Modelle auf die Gefährlichkeit für Igel. Dazu legte er einen Apfel, der als Dummy für einen jungen Igel dienen soll, in die Laufbahn der Geräte. Bei den Geräten mit einem hohen Bodenabstand wurde der Apfel «arg ramponiert», ein Modell mit weniger Bodenfreiheit verschonte das Obst. Fazit des Igelfreundes: Ab einem Bodenabstand von 4,5 Zentimetern sind die Geräte gefährlich.

Die Problematik hätten gewisse Hersteller bereits erkannt. Bader reist Ende Monat auf Einladung von Hersteller Husqvarna nach Schweden, wo er mit den Ingenieuren die Problematik besprechen und mögliche Lösungen finden will.

Viel virulenter als die Gefahr durch Rasen-Roboter sei für die Igel weiterhin die Strasse, sagt Bader. «Hier kommen jedes Jahr tausende Tiere um, den Mähmaschinen fallen vergleichsweise wenig Tiere zum Opfer.» Gefährlich seien auch Fadenmäher, die an unübersichtlichen Stellen eingesetzt würden. «Man sollte unter Sträuchern und im Gestrüpp immer nachschauen, ob sich dort Tiere verstecken.»

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mimi am 15.05.2018 20:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachts abschalten

    Wieso müssen diese Roboter überhaupt 24h laufen? Völlig unnötig!! An alle Mähroboter Besitzer: Bitte von 20.00 - 8.oo Uhr abschalten.

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  • Joe Mathis am 15.05.2018 20:36 Report Diesen Beitrag melden

    Studieren

    Wenn man den Mähroboter so einstellt das er Tagsüber 10 bis 15 Uhr mäht, werden keine jungen Igel getötet. Man kann ja auch etwas dagegen tun das der Mäher Nachts und in den frühen Morgen und späten Abendstunden ruht.

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  • Pipolino XL am 15.05.2018 20:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    24h mähen?

    Die Dinger müssen doch nicht wirklich nachts laufen oder?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Landwirt in Zug am 16.05.2018 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Ach bitteschön...

    Was soll das Getue jetzt wieder? Wir wollen unseren Rasen vor dem Wohnhaus nunmal englisch und so kurz wie nur möglich und darum auch der Roboter. Wandert doch aus wenn ihr Igel retten wollt.

  • Sina am 16.05.2018 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    Übertreibung in Reinkultur

    Seit Jahren sind unzählige Mähroboter in Betrieb. Die Wiesen müssten ja mit zerhäckselten Igeln übersät sein. Habe aber noch nie etwas davon gehört.

    • Cleo am 17.05.2018 00:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sina

      Einige hören eben auch nur was sie wollen. Es ist seit Jahren bekannt dass die Mähroboter schlimme Verletzungen bei Igeln, Katzen und auch Kindern verursachen. Aber man kann auch wegschauen

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  • die Ritterin am 16.05.2018 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geiz tötet

    Diese Diskussion ist einfach zu einseitig. Man sollte doch einmal die Marken/Preise der Geräte benennen, welche Katzen, Igel und weiteres Getier schreddern. Da möchte ich wetten, dass diese Geräte sämtlich aus der Landi-Aldi-Billigfraktion sind. Geiz ist halt auch da nicht geil. Wer sich einen Robotermäher zulegen möchte, kann sich im Fachgeschäft beraten lassen und kauft ein Gerät, welches beim kleinsten Widerstand die Richtung wechselt. Und was die persönlichen Angriffe angeht: wir arbeiten sehr viel und sehr gerne, aber ich muss keinem Rechenschaft darüber ablegen, ob wir in unserer raren Freizeit Lust dazu haben, Rasen zu mähen. Und nein: wir mähen nach wie vor ohne Roboter.

  • gärtner am 16.05.2018 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    steriler garten

    die leute, welche ein mähroboter in ihrem garten haben, haben meist ein sollch sterillen garten(keine blumenwiesen, nur exotische pflanzen, keine asthaufen usw), das igel sich dort eh nicht wohl fühlen. deshalb werden die kleintiere bei ihrer wanderung meist in diesen sterilen gärten überfahren

  • Gartengeräte Willy am 16.05.2018 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Halb so wild

    Die neusten Modelle haben automatische Kleintierausschaltung. Quelle Esspresso DRS1

    • Antonov am 16.05.2018 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gartengeräte Willy

      Das hat jeder Rasenmäher, 1x drüber und das Tier ist ausgeschaltet - Garten gerettet.

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