Falsch entsorgt

15. Mai 2018 11:22; Akt: 15.05.2018 12:26 Print

200 Franken Busse für Karton in Papier-Container

Ein 75-Jähriger hat im Kanton Neuenburg einen Karton in einen Papier-Container geworfen. Dafür muss er jetzt eine saftige Busse zahlen. Seine Beschwerde wurde abgewiesen.

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Eine kleine Unachtsamkeit hat einen 75-jährigen Mann viel Ärger und Geld gekostet: Im Oktober hat er in La Chaux-de-Fonds unglücklicherweise einen Karton mit seiner Adresse drauf in den Papier-Container geworfen, wie «Le Matin» schreibt. Wenig später erhielt der Senior eine Busse über 200 Franken. Für einen Sozialhilfebezüger viel Geld: «Ich weiss nicht, wie ich das bezahlen soll. Ich finde, das ist überrissen. Die Busse ist höher, als wenn man bei einem Fussgängerstreifen den Vortritt missachtet. Ich habe keine Menschenleben in Gefahr gebracht und auch keinen Abfall im Wald entsorgt», sagt der Mann zur Zeitung.

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Weil er die Busse nicht termingerecht bezahlen konnte, wurde das Justizdepartement des Kantons Neuenburg aktiv. Es erhöhte den Betrag auf 260 Franken, alternativ sei auch eine Freiheitsstrafe von zwei Tagen möglich, hiess es. Der 75-Jährige legte bei der Staatsanwaltschaft Beschwerde ein – ohne Erfolg. «Ich muss eine Lösung finden. Sie zum Beispiel bitten, in Raten zahlen zu können oder gemeinnützige Arbeit übernehmen zu dürfen. Mir ist es unmöglich, die Summe auf einmal zu bezahlen.»

Rund ums Recycling gibt es viele Mythen

Doch allein ist der Mann mit seinem Erlebnis nicht: Die Stadt La Chaux-de-Fonds büsse pro Monat zwischen 20 und 30 Leute, die den Abfall falsch trennen – ob aus Versehen oder mit Absicht, schreibt «Le Matin».

Tatsächlich gibt es immer wieder Mythen zum Thema Recycling. So glauben manche etwa, dass es keine Rolle spielt, ob man Altglas farblich getrennt in die richtigen Container wirft. Gerade braune und weisse Flaschen dürfen keine Fremdfarben enthalten. Auch die Deckel müssen laut VetroSwiss entfernt werden. Beim PET werfen zudem viele auch andere Plastikflaschen in den Container. Doch diese können laut PET-Recycling Schweiz aus Qualitäts- oder Hygienegründen nicht für Getränkeflaschen gebraucht werden.

Wie man Karton richtig entsorgt und verschnürt, zeigt unser Head of Video in diesem Beitrag:

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pietro am 15.05.2018 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Dümmliches Getue. Am Schluss landet alles am selben Ort. Hört doch einmal auf die Leute zu schikanieren.

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  • Martin Brändle am 15.05.2018 11:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mal wieder

    Behördenschwachsinn in Reinkultur!

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  • Pegi am 15.05.2018 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Adresse entfernen

    Darum entferne ich immer meine Adresse und Barcodes von den zu entsorgenden Kartons. So spart man sich den Staatsterror bei einem unbeabsichtigtem Versehen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Motzimuus am 15.05.2018 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Solche Schikaniererei

    Erzählt doch nicht solchen Schmarren mit dem Glascontainer bei uns geht alles in einen Container das hat keine Abtrennung also wie soll man grün trennen von weiss ich lach mich kaputt.Und das Karton ist ja überall im Papiercontainer auch drinn wieso büsst ihr dann den einen und den anderen lässt igr laufen,was ist das für eine Schikaniererei.Das ist eine Geldmacherei ich seh auch nicht ein wieso Pet mit den anderen Plasticflaschen nicht zusammen sein darf,ist doch dasselbe.Es ist wirklich schlimm zehn Kübel zu Hause dass man für euch Gesundheitspolizisten alles separat macht und der Platz?

  • Justus100 am 15.05.2018 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krass

    Das einzige missgeschick von ihm war wohl die adresse auf dem karton zu lassen. Mal im ernst, dass er raten zahlen kann hätte er gleich sagen können, weshalb warten bis die frist verstreicht?

  • FASANO am 15.05.2018 20:04 Report Diesen Beitrag melden

    Pervertiertes Staatsgebaren.

    Wäre ich der Rentner, dann würde ich die Busse im Knast absitzen. Dort hat er gratis Essen vom Feinsten, die Wäsche wird gemacht, er hat TV-Sender, die er zu Hause nicht empfangen kann, er hat einen PC zur Verfügung usw. usf.. Er sollte ein spannendes Buch mitnehmen und die Zeit ist im Nu vorbei. Machen Sie das, es ist keine Schande. Eine Schande ist einzig das Verhalten des Staates, der für wirkliche Verbrechen bedingte Strafen ausspricht, ausländische Verbrecher nicht des Staates verweist, Weggewiesene nicht ausschafft, aber ehrliche Schweizer, wie diesen Rentner, herzlos und brutal abstraft

  • Ausland Entsorger am 15.05.2018 19:47 Report Diesen Beitrag melden

    Sackgebühr schuld

    Und dann die Schweiz fragt sich immer noch warum es so viel Abfall in Wald etc. deponiert wird... Sackgebühren und alle andere zusätzlichen Gebühren endlich abschaffen und Entsorgung durch Steuern finanzieren = Problem existiert nicht mehr..

  • Führsprecher am 15.05.2018 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    Falsch reagiert

    Einsprache-frist nutzen. Die müssen beweisen, dass er den Karton im Altpapier entsorgt hat. Die Adresse alleine reicht nicht. Kann ja jemand anderes falsch entsorgt haben. Glaube nicht, dass ein Richter den 75 jährigen verurteilt hätte. Als Sozialhilfebezüger hätte er auch noch Anrecht auf unentgeltliche Rechtspflege. Somit hätte er bis ans Bundesgericht prozedieren können.