Neue Initiative

12. Juni 2018 19:48; Akt: 13.06.2018 11:46 Print

In der Schweiz soll es nur noch Bio-Fleisch geben

Per Volksinitiative soll die Massentierhaltung in der Schweiz abgeschafft werden. Die Bauern warnen vor mehr Einkaufstourismus.

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Rinder, die auf engstem Raum zusammengepfercht werden, Schweine, die noch nie im Dreck gewühlt haben, und Hühner, die so stark gemästet werden, dass sie nicht auf den eigenen Beinen stehen können: Damit soll nun Schluss sein. Die Denkfabrik Sentience Politics hat am Dienstag ihre erste nationale Volksinitiative lanciert, in der sie die Abschaffung der Massentierhaltung in der Schweiz fordert. «Wir sprechen von Massentierhaltung, wenn aus ökonomischen Gründen das Tierwohl systematisch verletzt wird», sagt Projektleiterin Meret Schneider.

Die Volksinitiative soll das Leben der Tiere verbessern. «Wir wollen zurück zu den Bildern à la Heidi, die der Konsument im Kopf hat», erklärt Schneider. «Beispielsweise eine Kuh, die auf der Weide Gras frisst.» Zwar würden viele Werbungen diese Bilder weiterhin assoziieren, doch sie würden nicht der Realität entsprechen. «Die Fleischindustrie hält die wahren Bilder zurück.»

Um die Würde des Tieres zu gewährleisten, sollen Standards festgelegt werden, die mindestens den Anforderungen der aktuellen Bio-Suisse-Richtlinien entsprechen. Veränderungen wären, dass beispielsweise nicht mehr 18'000 Legehennen, sondern nur noch 2000 im Stall gehalten werden dürfen. Ebenfalls hätten Schweine mehr Platz (statt 0,9 Quadratmeter neu 1,65 Quadratmeter) und ein Recht auf Auslauf.

«Keine utopische Forderung»

Diese Forderungen seien «überhaupt nicht utopisch», wie es von vielen Seiten heisse: «Utopisch ist eher die Idee, dass es so weitergehen kann wie bisher», so Schneider. «Beispielsweise gibt es kaum mehr Regenwald, dieser wird für die Produktion von Futter-Soja abgeholzt.» Es lasse sich ein Umdenken bei den Konsumenten feststellen: «Nach all den Fleisch-Skandalen wollen immer mehr Menschen wissen, woher die tierischen Produkte kommen und wie das Tier gehalten wurde.»

Die Verschärfung der Richtlinien führe dazu, dass die tierischen Produkte teurer würden. «Viele sind aber bereit, einen Aufpreis zu zahlen, wenn sie dafür mehr Wissen über das Produkt erhalten», so Schneider. «Sowieso haben wir noch nie so wenig fürs Essen ausgegeben wie jetzt.»

Auch Produkte aus dem Ausland betroffen

Von der Verschärfung wären nicht nur Schweizer Tierprodukte betroffen, wie aus dem Initiativtext hervorgeht. Schneider: «Es sollen auch nur Waren importiert werden dürfen, bei denen vergleichbare Standards wie bei uns eingehalten werden.»

Schneider sieht in der Verschärfung der Richtlinien eine Möglichkeit für die Schweiz, sich zu profilieren. «Wir würden dann tierische Produkte höchster Qualität anbieten. Das Fleisch von einem Rind auf der Weide ist ganz anders als das Fleisch eines Stall-Rindes. Beispielsweise ist der Muskelanteil anders.»

«Konsumenten haben die Wahl»

Der Bauernverband steht der Initiative ablehnend gegenüber: «Unsere Tierschutzbestimmungen gehören zu den strengsten überhaupt», sagt Sprecherin Sandra Helfenstein. «Geregelte Höchstbestände verhindern eine industrielle Massentierhaltung.» In der Schweiz gebe es «Zwergenbestände», wenn man mit dem Ausland vergleiche. «Bei uns darf man maximal 18'000 Hühner in einem Stall halten. Das tönt nach viel, ist aber wenig, wenn man bedenkt, dass es in Deutschland Betriebe mit mehr 600'000 Tieren gibt.»

Grundsätzlich könne man in der Schweiz bereits die ganze Bandbreite von Fleisch kaufen: «Importiertes Fleisch aus ausländischer Massentierhaltung, Schweizer Standard und verschiedene Tierwohllabel, die viel höhere Auflagen beinhalten», sagt Helfenstein. «Die Konsumenten haben die Wahl – diese sollten sie nutzen.» Doch obwohl es beispielsweise die Möglichkeit gebe, Bio-Produkte oder KAG-Produkte zu kaufen, würden es nur wenige machen. Helfenstein: «Das spricht auch für sich.»

«Es würde sich nicht viel ändern»

Der Schweizer Tierschutz (STS) steht der Initiative wohlwollend gegenüber: «Auch der STS verfolgt das Ziel von bäuerlich geprägten, eher kleineren Tierhaltungen und das seit vielen Jahren», sagt Sprecherin Helen Sandmeier. «Ebenso bekämpft er Tendenzen zur Massentierhaltung.» Zurzeit konzentriere der STS seine Ressourcen allerdings auf die Unterstützung der Fair-Food-Initiative, die im Herbst dieses Jahres zur Abstimmung kommt.

Der STS freue sich zwar auf die Initiative, so Sandmeier. «Doch bezüglich politischer Möglichkeiten bringt sie nicht viel Neues, was nicht schon heute im Tierschutzgesetz, im Landwirtschaftsgesetz oder in der Fair-Food-Initiative festgelegt sei. «Sie macht nun aber Druck, dass der Bundesrat das vorhandene Regelwerk endlich konsequent umsetzen muss.»

Hinter dem Volksbegehren gegen Massentierhaltung stehen Personen aus 15 Organisationen. Bis zum 12. Dezember 2019 müssen die Initianten die benötigten 100'000 Unterschriften zusammenbringen.

(qll)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Samuelson am 13.06.2018 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    echtes Bio

    Bio-Fleisch, durch artgerechte Haltung, ist nur die eine Seite der Medaille. Echtes Bio-Fleisch würde bedeuten, dass auch deren Futter aus rein biologischem Anbau stammen müsste. Kein Gen-Soja, kein gespritztes Kraftfutter aus Süd-Amerika. Was dies für den Median des Fleischpreises bedeutet, davor fürchte ich mich ehrlich gesagt. Dennoch bin ich der Meinung, mehr zurück zur Natur, hin zum regionalen Anbau und weg von der zentralisierten Nahrungsmittelindustrie wäre für Mensch und Tier wohl die richtige Richtung.

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  • Werner Kalberer am 13.06.2018 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Immer mehr Vorschriften für unsere Bauer

    und immer mehr billig Fleisch vom Ausland. Bei unseren Bauern Vorschriften machen und vom Ausland kommt alles rein. Sauerei ist das!!!

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  • K. Onsument am 13.06.2018 12:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachdenklich

    Mit dem ersten Satz stellt sich bereits heraus, dass der Verfasser dieses Berichts 0 aber auch gar keine Ahnung von der Landwirtschaft in der Schweiz hat.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Oilo am 14.06.2018 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    Fleysch Mhhh

    Wenn das Fleisch zu teuer wird, kann man dann nicht einfach den Nachbar essen? :-)

    • Muhkuh am 17.06.2018 07:47 Report Diesen Beitrag melden

      Ignoranten

      Ja nur weiter so. Augen zu und Kopf in den Sand. Die Hauptsache ist jeder bekommt das was er will und wie viel er will, ohne Rücksicht auf das Wohl der Tiere. 1-2 x Fleisch pro Woche reicht vollkommen aus, wenn das Budget niedrig ist.

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  • Armin am 14.06.2018 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    rotgrüne diktatoren!

    dieser rot-grüne Ernährungs- und Kulturafaschismus ist kaum noch zu ertragen. Lasst die Leute doch leben, wie es für sie am erträglichsten ist ohne ständig vorschreiben zu wollen, wann wer wie was nicht darf. Genau jene, die nun freudig unterschreiben, werden dann jaulen und jammern und eine neue (bescheuerte) Initiative lancieren, damit dann jeder sein Fleisch doch noch erhält, wenn dann nämlich gewöhnliche Koteletts CHF 38.- kosten. Ich kann mir das Bio-Zeugs leisten und kaufe es auch. Es gibt aber auch solche, die das nicht können. Wie asozial kann man nur sein?!

    • Muhkuh am 17.06.2018 07:59 Report Diesen Beitrag melden

      Billiglebensmittel

      Man kann das Thema aber auch nicht ignorieren, indem man alles beim Alten lässt. Die Massenzucht ist Tierquälerei. Das ist fakt. Nahrung war noch nie so billig. Heute liegt der Anteil von Lebensmitteln am Haushaltbudget gerade noch bei einem Zehntel. 1920 waren es noch 36 Prozent. Also liebe Leute die angeblich kein Geld für qualitative Lebensmittel haben. Gebt weniger Geld für Elektronik und anderen materiellen Kram aus... Natürlich gibt es auch Ausnahmen, welche tatsächlich am richtigen Ort sparen und dennoch nix übrig bleibt. Aber das ist jetzt nicht das Thema.

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  • saxi am 14.06.2018 07:15 Report Diesen Beitrag melden

    essen wir nur noch

    glückliche Tiere, es laufen genug Katzen und Hunde herum.

    • Muhkuh am 17.06.2018 07:50 Report Diesen Beitrag melden

      Nachbars Katze als Alternative

      Ja genau...dann iss doch Nachbars Katze. Merkst du eigentlich nicht mit welcher Ignoranz du schreibst? Natürlich sollte man nur das Fleisch von glücklichen Tieren essen. Du warst noch nie in einer Massenzucht. Denn dann würdest Du Dich täglich übergeben müssen. Denk mal darüber nach.

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  • De Bio vo Felsestei am 14.06.2018 00:03 Report Diesen Beitrag melden

    Weniger Quantität, mehr Qualität

    Bio und tierfreundliche Haltung sollten selbstverständlich sein. Und zwar weltweit. Als schöner Nebeneffekt gäbe es auch keinen Rinderwahnsinn, Schweinepest und Vogelgrippe mehr...

  • daniela am 13.06.2018 21:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bio Fleisch

    Bio ist nur ein lebel es gibt verschiedene lebel die Leute haben keine Ahnung alle die das schreiben sollten mal ihn einem Schlachthof arbeiten gehen dann können wir wieder darüber sprechen und Bio kostet das 2-3dreifache