Neue Regeln

16. Mai 2018 20:40; Akt: 16.05.2018 20:40 Print

Bern bremst Airbnb aus – nun hagelt es Kritik

Die Stadt Bern will Airbnb und Co. in der Altstadt Grenzen setzen. Damit schade man dem Tourismus, sagen Kritiker.

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Die Regierung der Stadt Bern will verhindern, dass Einheimische wegen Airbnb-Wohnungen aus der Altstadt getrieben werden. So soll es künftig nicht mehr erlaubt sein, Wohnungen in Zweitwohnungen umzuwandeln und regelmässig für kurze Dauer zu vermieten.

Im Visier hat die Stadt Bern unter anderem Wohnungen, die dauerhaft auf Airbnb und anderen Online-Plattformen angeboten werden – sie machen etwa zehn Prozent des Angebots aus. Die Zahl der Airbnb-Betten in der Schweiz ist laut einer Studie des Walliser Tourismus Observatoriums zuletzt explodiert. Im Juni 2017 gab es im ganzen Land bereits 80'227 Airbnb-Betten in 29'595 Objekten.

«Airbnb hilft, Zentren optimal zu nutzen»

Dass Bern Airbnb nun bremsen möchte, ärgert FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen: «Menschen vorzuschreiben, was sie mit ihrem Eigentum machen dürfen, ist der falsche Weg. Airbnb hilft, Räume gerade in den Zentren optimal zu nutzen.» Diese Wohnungen stünden sonst leer. Man könne nicht auf der einen Seite klagen, dass der Standort touristisch unter Druck stehe und es zu wenig Hotelzimmer gebe, und auf der anderen Seite Airbnb verbieten. Das sei strategielos. «Man sollte die Geschäftsmodelle zulassen. Gute Anbieter werden wieder gebucht, schlechte verschwinden automatisch.»

Auch Schweiz Tourismus stellt sich hinter Airbnb und Co.: «Wir betrachten Airbnb als wichtigen Distributionskanal und relevanten Player in der Tourismuswelt», sagt Sprecherin Véronique Kanel. Die Organisation lobt, dass die Plattform etwa in Baselland, Zug und neu auch in Zürich Kurtaxen erhebt und abgibt. «Wenn Airbnb in einer Destination aktiv ist, dann ist es für die Branche, aber auch für die Gäste von zentraler Bedeutung, dass sich alle Akteure an die gleichen Regeln halten. Diesbezüglich sind in der Schweiz positive Entwicklungen zu beobachten.» Zum Berner Entscheid sagt sie: «Ob eine Destination eine gesamthaft andere Wohnbaupolitik verfolgt, ist eine absolut autonome lokale Entscheidung, die zu kommentieren Schweiz Tourismus nicht zusteht.»

«Auswüchsen vorbeugen»

Stadtpräsident Alec von Graffenried betont, dass die Stadtregierung Airbnb und Co. nicht verbieten möchte. Wer seine Wohnung oder ein einzelnes Zimmer hin und wieder auf einer Online-Plattform anbietet, soll das weiterhin tun dürfen. Mit der vorliegenden Regelung bekäme die Stadt aber ein Instrument in die Hand, um Auswüchsen vorzubeugen.

Airbnb scheint mit der Lösung leben zu können. So schreibt eine Sprecherin: «Die meisten Gastgeber auf Airbnb in Bern sind Home Sharer, Privatpersonen, die ihr Zuhause an Reisende vermieten, wenn sie privat oder beruflich unterwegs sind.» Airbnb unterstütze Regelungen, die zwischen Home Sharing und unerwünschten Beherbergungsformen differenzieren, und arbeite hierzu mit den Städten zusammen.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bernerin am 16.05.2018 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bern für Berner

    Das ist auch gut so! Wir wollen in Bern nicht das Gleich wie in Zug wo die eigene Bevölkerung die Wohnungen nicht mehr bezahlen können und vertrieben werden. So quasi eine Stadt nur noch für Reiche und Fremde.

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  • Ottokar Rex am 16.05.2018 21:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt unser Wohnraum?

    Und wo bleibt die einheimische Bevölkerung und ihr Wohnraum? Man findet ja bereits jetzt schon keine bezahlbaren Wohnungen mehr! Also Schluss mit Schluss und ähnlichem!

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  • Hampi1960 am 16.05.2018 21:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andere Städte machen das jetzt auch so

    Die Stadt Palma de Mallorca verbietet AirBnB im Stadtzentrum ja auch schon, und andere Städte folgen nun. Wo Einheimische in deren eigenen Städten deswegen keine bezahlbare Wohnungen mehr für sich finden, braucht es eine Beschränkung für Profitgeile AirBnB-Besitzer und Weiter-Vermieter. Kapitalismus ok, aber nicht auswuchernd.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • die Ritterin am 17.05.2018 11:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    richtig

    Ich bin selber Vermieterin und finde diese Regel richtig.

  • anita am 17.05.2018 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    Gaunerei

    Was mich nervt sind die Hausbesetzer, die sowieso nichts arbeiten und keine Miete bezahlen , dann noch Zimmer an Touristen vermieten und für die Miete ihren Lebensunterhalt bestreiten. Und die Stadt sieht zu. Das ist kriminell.

  • ursa kuri am 17.05.2018 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Airbnb in Bern

    So lange die Wohnung nicht gemietet ist, sondern dem Bewohner selbst gehört ist dagegen nichts einzuwenden diese während der eigenen Abwesenheit zu vermieten. Einfach deklarieren mit genauen Angaben. Gibt doch für die Stadt zusätzliche Einnahmen.

  • brro am 17.05.2018 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Teilen und zocken

    Tja, es hagelt Kritik, von den Profiteuren, die durch Airbnb das Dreifache rausholen können. Das Schlimmste ist, dass der Begriff "teilen" entwertet wird, suggeriert er doch eine Tugend, dabei dient er der Untugend der Gewinnmaximierung der Nehmer und Empfänger, aber es ist ja so schööön und human dieses "Teilen".

  • Hildi am 17.05.2018 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Konditionierte Massen

    Wer das Problem zumindest verstehen will, muss sich mit der Rolle des Staates beschäftigen; er war es, der Privateigentum an Grund und Boden zuliess und auch brav mitverdient. Der Boden kann kapitalisiert werden. Und bautechnisch kann in die Höhe (Stockwerkeigentum) gebaut werden mit sachenrechtlichen. Wir sind ein Volk von Mietern. Aber nicht Bezüger von Luxuslöhnen. Renditeobjekte und Wohnen als Luxusgut; der Politiker ist "erfolgreich", wenn er sich brüstet Wohlstand zu schaffen. Mitnichten. Ein Trauerspiel.