Borreliose und FSME

09. Juli 2018 11:01; Akt: 09.07.2018 17:23 Print

Zahl der Zeckenopfer explodiert

Die Fälle von Gehirnhautentzündung und Borreliose haben in der Schweiz stark zugenommen. Das meldet das Bundesamt für Gesundheit.

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Wie die Grafiken des BAG zeigen, sind die Fallzahlen von Frühsommer-Meningoenzephalitis in der Schweiz 2018 deutlich höher als in den Vorjahren. Auch die Zahl der Arztbesuche wegen Zeckenstichen und die Anzahl von Fällen akuter Borreliose ist Hochrechnungen zufolge gestiegen. Nicht nur im Wald muss man mit Zecken rechnen. Die Blutsauger sind auch im hohen Gras oder auf Wiesen anzutreffen. Und das zuhauf, wie ZHAW-Zeckenforscher Werner Tischhauser ... befinden sich darauf gleich mehrere Zecken. Kleine genauso wie grosse. Sie alle sammelt der Fachmann ein – um sie anschliessend zu vernichten. Schliesslich soll keines der während des Experiments gesammelten Tiere dem Menschen gefährlich werden. Während die Tiere an uns saugen, können sie Krankheiten wie ... Lyme-Borreliose übertragen. (Im Bild: eine sogenannte Wanderröte, ein Anzeichen der bakteriellen Erkrankung) Damit es nicht so weit kommt, ist es wichtig, die Zecke schnell zu entfernen. Doch noch besser wäre es, ein spezielles Zecken-Instrument zu nutzen. Bloss welches? Schliesslich gibt es Zeckenpinzetten, -karten, -zangen und das sogenannte Tick Tool, das in einem Taschenmesser integriert ist. Tatsächlich gibt es deutliche Unterschiede, sagt Werner Tischhauser von der ZHAW, der für 20 Minuten die vier Varianten an einer künstlichen Haut testete. Die dort hineingesteckten Stecknadeln stellen Zecken dar. Schliesslich wäre ein Test mit echten Exemplaren, die sich in menschliche Haut verbeissen, zu riskant. sind praktisch, weil sie in jedes Portemonnaie passen. Doch nicht alle sind laut Werner Tischhauser gleich gut. Wichtig sei, dass die V-förmigen Öffnungen, mit denen man unter die Spinnentiere fährt, um sie aus der Haut zu ziehen, aus der Karte herausragen. Der Grund: «Wenn ich damit in einer Körperbeugung – zum Beispiel unter der Achsel – ans Werk muss, komme ich mit den nach innen gerichteten Öffnungen nicht gut ran.» Bei den nach aussen gerichteten könne man besser navigieren. Das ist neu auf dem Markt – und das erste seiner Art. Es ist in ein Swiza-Taschenmesser integriert und Tischhausers Favorit. Schliesslich war die ZHAW an der Entwicklung beteiligt. Im Grunde genommen ist es eine optimierte Zeckenkarte. «Die V-förmige Öffnung läuft so zu, dass man sowohl kleine als auch grosse Zecken damit greifen kann. Gleichzeitig hat man die Kontrolle über das Instrument», so Tischhauser. Clever: Die Lupe, mit der man sehen kann, wo man operiert. Anders als klassische Pinzetten sind vorne spitz und gebogen. Das ist wichtig, denn nur dann kann man die beiden Greifer zwischen Blutsauger und Haut schieben. Sind sie aber zu breit, wie auf dem hier abgebildeten Instrument, läuft man Gefahr, den Körper der Zecke zu zerquetschen und allfällige Erreger in den Körper zu drücken. «Eine Pinzette mit so breiten Spitzen ist eher für adulte, grössere Zecken geeignet», lautet das Expertenurteil. wie diese empfiehlt Tischhauser klar nicht für den Einsatz beim Menschen: «Zwar lässt sie sich dank des Federmechanismus einhändig bedienen, aber vorne ist sie zu wenig filigran. Damit könnte man – gerade bei sehr kleinen Exemplaren – den Hinterleib der Zecke quetschen.» Für überflüssig hält er derartige Modelle dennoch nicht. Für die Anwendung bei Tieren sei sie gut geeignet. Mir ihr hat man immer eine Hand frei, um das Tier festzuhalten. Doch welches Hilfsmittel man auch immer nutzt, um das Spinnentier zu entfernen: Wichtig ist, dass der Stich abschliessend desinfiziert wird.

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Verglichen mit den Vorjahren gibt es in der Schweiz in diesem Jahr deutlich mehr Fälle von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose. Beide Krankheiten werden von Zecken übertragen. Wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Montag vermeldete, wurden bis Ende Juni 150 FSME-Fälle registriert. «Dies ist im mehrjährigen Vergleich sehr hoch», schreibt das Bundesamt in seinem Bulletin.

Seit dem Jahr 2000 seien im gleichen Zeitraum nur jeweils zwischen 46 und 109 Fälle von Gehirnhautentzündung gemeldet worden. 2018 waren es allein im Monat Juni 73 Fälle.

21'300 Arztbesuche wegen Zecken

Auch bei der Borreliose sind die Zahlen laut BAG stark gestiegen. Bis Ende Juni seien hochgerechnet 6900 akute Fälle von Borreliose gemeldet worden. Im gleichen Zeitraum wurden hochgerechnet 21'300 Arztbesuche wegen Zeckenstichen gemeldet. 2016 wurden im ganzen Jahr nur rund 9000 Fälle verzeichnet. «Beide Werte liegen im mehrjährigen Vergleich sehr hoch», so das BAG.

Während für FSME wegen des obligatorischen Meldesystems genaue Fallzahlen vorliegen, werden die Anzahl der Arztbesuche und die Borreliose-Fälle freiwillig von Hausärzten gemeldet. Darauf basierend wird die gesamtschweizerische Anzahl hochgerechnet.

Mit diesen Tipps haben Zecken keinen Stich:

(Video: Fee Anabelle Riebeling)

Das können Sie tun

Spaziergänger sollten in Wald, Feld und Wiese lange Kleidung und feste Schuhe tragen. Über die Hosenbeine gestülpte Strümpfe erschweren den Zecken die Suche nach nackter Haut. Antizeckenmittel bieten nur einen begrenzten Schutz für einige Stunden. Nach einem Ausflug ins Freie sollte jeder seinen Körper gründlich absuchen. Dies gilt auch für Kinder nach dem Spielen.

«24 Heures» berichtete vom Fall einer Mutter aus Vaulion VD, die vor zwei Wochen 37 Zecken am Körper ihres Sohnes gefunden hatte. Ihre Tochter habe in den vergangenen fünf Jahren dreimal Borreliose bekommen.

Zwei Krankheitsschübe

Die Zeckensaison beginnt je nach Witterung im März und endet im Juni. Nur ein kleiner Teil der Zecken ist Träger des gefährlichen FSME-Virus. Zudem kommt es nur in bestimmten Gebieten der Schweiz vor. Stiche von FSME-infizierten Zecken können zwei Krankheitsschübe auslösen.

In einem ersten Schub werden Betroffene 7 bis 14 Tage nach dem Stich von grippeartigen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Fieber, Müdigkeit oder Gelenkbeschwerden geplagt. Bei 5 bis 15 Prozent der Betroffenen kommt es zu einem zweiten Schub, der monatelang dauern kann und Symptome einer Hirnhaut- oder Hirnentzündung aufweist.

Todesfall Anfang Juli

Diese Symptome können Lähmungen auslösen und bleibende Behinderungen hinterlassen. Rund 1 Prozent der FSME-Fälle verläuft tödlich. Zuletzt starb Anfang Juli in Brittnau AG eine junge Frau an einem solchen Zeckenstich. Das BAG empfiehlt, sich gegen das FSME-Virus impfen zu lassen.

Weit mehr Zecken sind mit dem Bakterium Borrelia burgdorferi infiziert. Eine Impfung dagegen gibt es nicht. Borreliose als Folge von Zeckenstichen muss mit Antibiotika behandelt werden.

(mlr/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ich am 09.07.2018 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    ein Zeckenbiss ist KEIN Notfall!

    Dank für diesen wenig aussagekräftigen Artikel! Wir werden dann wieder zu viele Eltern im Kindernotfall haben, die sofort ohne Symptome vorbeikommen! Borreliose kann man erst nach zwei Wochen nachweisen!!! Bitte recherchiert besser. Nah jedem Zeckenartikel explodiert die Zahl an Patienten die am ersten Tag eines Zeckenbiss auf den Notfall kommen :/ Leute: Antibrumm im Wald benutzen (gibt es auch für Babys) und den Zeck sofort entfernen!

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  • pater007 am 09.07.2018 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schaut euch gut an

    Die Viecher sind wirklich gefährlich! Es hilft echt nur die Sache mit dem Körper gut anschauen, bei der Rückkehr aus der Natur.

  • Waldeule94 am 09.07.2018 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Impfung empfohlen

    FSME kann auch geimpft werden! Gerade für Kinder die gerne im Wald spielen empfehlenswert :)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mami am 10.07.2018 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    Besorgtes Mami

    Ich verwende immer die Produkte von kik. Die Nature-Linie kann ich auch ohne Bedenken für meinen 1-jährigen Sohn anwenden und es schützt sogar vor anderen Insekten! Kann ich also nur weiter empfehlen!

    • Tina Walker am 10.07.2018 17:39 Report Diesen Beitrag melden

      Tina

      Genau! kik ist echt super und stinkt vor allem nicht so wie anti brumm :-)

    • Swiss am 10.07.2018 19:07 Report Diesen Beitrag melden

      SCHWARZKÜMMELÖL

      Guter Tipp ich würde Schwarzkümmelöl probieren. Chemi ist nicht gut.

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  • Denise W. am 10.07.2018 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Zecken- Gefahr

    Eine der schlimmsten Gegenden der Schweiz sind Teile des Sihlwaldes im Kanton Zürich. Es hat dort weitaus am meisten beisswütige Zecken, von denen die meisten mit FSME und Borreliose gleichzetig infiziert sind, und diese übertragen können. Auf zwei Campingplätzen sind dort viele Wohnwagen stationiert. Trotzdem ist mir nur ein gefährlicher Fall bekannt (Rechtzeitig ärztlich behandelte Borreliose; Kind, 12) bekannt. Die Dauer-Camper wissen, wie sie sich verhalten müssen, und die Durchreisenden werden informiert. Auch Wanderer, Reiter, Jogger und Velofahrer sollten diese Verhältnisse beachten.

  • Nica am 10.07.2018 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    Ach was ,Hysterie total

    Ich bin tagtäglich im Wald.Sitze im Gras.Ich hatte in 50 Lebensjahren noch nie eine Zecke an mir.Meine Hunde streiche ich mit einem Mix aus Kokosöl,äth.Zedernholz,äth.Teebaumöl ein.Nie eine Zecke oder sonst was.Der Abfall denn ich Tagtäglich sehe und auflese finde ich viel schlimmer

    • Fritz Franz am 10.07.2018 18:13 Report Diesen Beitrag melden

      fetten Bonus für die Pharmaindustrie!

      Ja, aber der Abfall auf der Strasse ergibt am Schluss keinen fetten Bonus für die Pharmaindustrie!

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  • Nina am 10.07.2018 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Zucht verbitten.

    Hauptproblem ist das Kot im Wald: Hundekot , Ross Bolle , dia Schweiz ist leider sehr verschmutzt durch so viele Tiere schrecklich schrecklich....

    • Nica am 10.07.2018 13:26 Report Diesen Beitrag melden

      Mensch ist der Natur ihr Krebs

      Ich lese jeden Tag Abfall zusammen. Schrecklich ,die Schweiz ist leider sehr verschmutzt .Zu viele Menschen mit null Anstand .

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  • Hotwith am 10.07.2018 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht immer alles glauben

    Zecken kommen auf einem wenn man zu nah an streuchern,büschen vorbeiläuft.Total gelogen.War mal unterwegs da hatte es keine büsche trotzdem hatte ich eine auf der achseln.Mein gedanke kam schnell,zecken lassen sich fallen,das einzige was auf den wegen war,paar hohe bäume.Also stellte ich fest es braucht kein kontakt zu div,pflanzen/büschen.