Geplagte Pädagogen

08. Oktober 2017 11:14; Akt: 08.10.2017 14:44 Print

Ratgeber hilft Lehrern im Umgang mit Problemeltern

Weil sich Eltern vermehrt in den Unterricht einmischen, hat der Lehrerverband einen neuen Leitfaden herausgegeben. Vor allem reiche Eltern üben Druck aus.

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Konfliktpotenzial Schule: Die Zusammenarbeit mit Eltern ist für Lehrer deutlich anspruchsvoller geworden. (Archivbild) (Bild: Keystone/Sebastian Kahnert)

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Streit um den Gymnasium-Eintritt, um Noten und den Schulweg: Lehrer schlagen sich nicht mehr nur mit ihren Schülern, sondern vermehrt auch mit deren Eltern herum. Die Zusammenarbeit mit Eltern sei für Pädagogen «deutlich anspruchsvoller und differenzierter geworden», heisst es in einem neuen Leitfaden des Dachverbandes der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH). Auf 52 Seiten thematisiert er die zunehmend schwierige Zusammenarbeit zwischen Schulen, Lehrern und Erziehungsberechtigten.

«Viele Eltern meinen, dass sie ein Recht darauf haben, bei allem mitreden zu können, was in der Schule passiert», sagt Sarah Knüsel, Präsidentin des Schulleiterverbandes des Kantons Zürich, im «SonntagsBlick». «Selbst Kleinigkeiten werden in Frage gestellt», so Georges Raemy, der Präsident des Schulleiter-Verbandes im Kanton Zug. Er nennt konkrete Beispiele: Die einen seien gegen den Klassenausflug in den Wald, andere bemängelten, dass der Geburtstag ihres Kindes nicht angemessen gefeiert werde, wieder andere würden sich über den Stundenplan beklagen.

Mit dem Anwalt ans Elterngespräch

Im neuen Leitfaden erfahren die geplagten Lehrer anhand von Fallbeispielen aus der Praxis, wie sie in solchen kritischen Momenten am besten reagieren. Besonderes Konfliktpotenzial besteht, wenn es darum geht, ob ein Kind ins Gymnasium, in die Sekundar- oder die Realschule kommt. Da werde auch schon einmal mit dem Anwalt gedroht, sagt Konrad Schuler, Präsident der Volksschullehrer im Kanton Schwyz. «Es ist schon vorgekommen, dass Eltern den Anwalt ans Elterngespräch mitgenommen haben.»

Auch rechtliche Rahmenbedingen nehmen deshalb im Ratgeber viel Platz ein. Der Rechtsdienst des Volksschulamts des Kantons Zürich ist denn auch so gefragt wie nie. Man erhalte «deutlich mehr Anfragen von Lehrern und Schulleitungen, aber auch von Eltern», so Chefin Marion Völger. Aktuell bearbeite der Zürcher Rechtsdienst rund 3000 Anfragen pro Jahr, etwa 400 davon von Eltern.

Gymi dank dickem Portemonnaie

In der Regel sind es gemäss «SonntagsBlick» gut situierte Eltern, die Lehrpersonen unter Druck setzen. Christian Hugi, Präsident des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands, sieht deshalb die Chancengerechtigkeit gefährdet: «Bei Schülern, die aus gutem Hause kommen und ehrgeizige Eltern haben, sind die Chancen höher, dass sie ans Gymnasium kommen – obwohl sie schulisch nicht besser sind als Klassenkameraden.»

(kfi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frau Meier am 08.10.2017 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Hut ab vor den Leuten, die den Lehrerjob noch gerne und mit Herzblut machen. Ich würde es nicht aushalten, mich mit solchen Eltern abzumühen. Und ich kenne mehrere junge Lehrer/-innen, die den Job bereits nach kurzer Zeit wieder geschmissen haben - wegen der Eltern!

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  • Nadinre am 08.10.2017 10:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erzieht Eure Kinder

    Viele Eltern wollen das Beste für ihr Kind, merken dabei aber nicht, dass sie mit Einmischung eher schaden. DieLehrer erleben die Kinder täglich in der Schule und glaubt mir, viele wissen gar nicht was da abgeht. Wir sind soweit, dass wir Psychologen schon im Kindergarten benötigen! Heute sagen uns die Kinder was wir zu tun haben und wir gehorchen schön um Konflikten aus dem Weg zu gehen. Auch sind immer alle Anderen Schuld

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  • Neku am 08.10.2017 10:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unmögliche Eltern

    Es wird immer besser! die Eltern kümmern sich nicht genügend um die Kinder und wenn dann der Übertritt ins Gymnasium bevorsteht, sollten die Lehrer Wunder wirken. Bitte stellt klare Regeln auf für alle Eltern gleich und die Anwälte sollen sich nur bei wichtigen Sachen einmischen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • AL am 09.10.2017 15:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chancengleichheit

    Wir als Eltern mussten durchs Einmischen erst die Chancengleichheit in der Klasse wiederherstellen, da die Lehrerin ihre Lieblingsschüler bevorzugte und vieles einfach nicht sehen wollte! Es schadet also gar nicht, auch dem Lehrer auf die Finger zu schauen! Gerade weil es uns Eltern nicht egal ist!

  • Verantwortung am 09.10.2017 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    @pädagogin2.0

    Ich bin positiv überrascht ihren Kommentar zu lesen. Scheinbar sind sie wirklich eine 2.0 mit der Ausnahme dass sie sich um Ihre Verantwortung kümmern, auch mit dem Risiko, dass sie einmal daneben liegen. Ich hoffe dass dies die Zukunft unserer Lehrer Guilde ist und wieder die Verantwortung gelernt und auch übernommen wird. Wann haben sie Ihren Kindern einmal gesagt. Ihr tragt die Verantwortung für Euer Handeln oder eben Nicht-Handeln? Das gleicht gilt dann auch für die Lehrer! Sie sollen weiterhin und auch in Zukunft Respektspersonen sein und ihre Ziele messbar erreichen.

  • Manu am 09.10.2017 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Angst

    Wegen diesen Eltern, welche Denken alles besser zu wissen, fürchte ich mich, wenn in 20 Jahren diese Kinder auf die Allgemeinheit losgelassen werden. Das macht mir echt Angst.

  • Marie Antoinette am 09.10.2017 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wichtig: realistisch bleiben

    Als ich in der Primar war, hätte mich mein Lehrer am liebsten in der Sonderschule gesehen (ich habe eine Erbkrankheit und eine damit verbundene Verhaltensstörung), obwohl ich gute Noten hatte. Da haben sich meine Eltern eingemischt. Ich schaffte die Sekprüfung mit Bravour, anschliessend gings ins Gymi und dann an die Uni. Trotz grosser Schwächen im sozialen Bereich und mangelnder Teamfähigkeit bin ich heute beruflich erfolgreich (selbstständig). Auch Lehrer können sich total irren, wenn es um die Beurteilung geht, wichtig ist aber, dass Eltern immer realistisch bleiben.

  • Lili am 09.10.2017 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    schwere Aufgabe

    Ich kann die Lehrer/inen sehr gut verstehen. Es gibt sehr mühsame Eltern. Die Lehrpersonen machen einen sehr anstrengenden Job immerhin bringen sie unsere Kinder auf den richtigen Weg und erziehen unsere Kinder mit den Eltern zusammen. Es wäre für die Lehrpersonen von vorteil würden manche Eltern etwas mehr Vertrauen haben.

    • Swissgirl am 09.10.2017 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lili

      Die Aufgabe der Lehrer ist nicht die Kindererziehung sondern das Vermitteln des Schulstoffes. Viele Eltern glauben leider, dass sie die Erziehung den Lehrern übergeben können. Das sind dann die mühsamen Kinder mit den mühsamen Eltern. Das zieht sich leider bis in die Berufsschule hin. Absolut krass was mein Sohn von der Berufsschulklasse erzählt hat.

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