2,5 Zimmer für 3620 Franken

14. Juni 2018 08:10; Akt: 14.06.2018 17:30 Print

«Die SBB baut Wohnungen nur für Manager»

von Stefan Ehrbar - Teure Wohnungen der SBB sorgen für Kritik. Kritiker wollen die SBB zu mehr gemeinnützigen Wohnungen zwingen. Die Bahn verteidigt sich.

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In ihrer Überbauung Westlink beim Bahnhof Zürich-Altstetten begrüsst die Vermieterin SBB «moderne Starter, aufgeschlossene Familien, dynamisch-orientierte Citizens und komfortbedachte Best-Agers.» Der «Lebensmittelpunkt für moderne Citizens»hat seinen Preis: Für eine 106 Quadratmeter grosse 2,5 Zimmer-Wohnung im 12. Stock verlangt sie 3620 Franken monatlich, für eine 126-Quadratmeter-Wohnung im 19. Stock werden 3930 Franken monatlich fällig.

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Welche Grundsätze soll die SBB bei Wohnungen verfolgen?

Die freien Wohnungen bewirbt die SBB auf Facebook – und erntet harsche Kritik. «Ein richtiges Schnäppchen», schreibt ein Nutzer. «Was sollen diese Preise? Die SBB bekommt Steuergelder und macht Wohnungen für Manager? Danke auch!», schreibt ein anderer. Wieder andere weisen darauf hin, dass am Bahnhof wegen Umbauarbeiten in den nächsten Jahren mit Baulärm zu rechnen sei.

Braucht der Staat ein Vorkaufsrecht?

Die Kritik könnte der im Oktober 2016 eingereichten Initiative «Mehr bezahlbare Wohnungen» des Mieterverbands (SMV) Auftrieb verleihen. Diese will alle bundesnahen Betriebe wie die SBB verpflichten, beim Verkauf von Grundstücken den Kantonen und Gemeinden ein Vorkaufsrecht einzugestehen. Im September kommt die Initiative in den Nationalrat.

Die SBB habe historisch Areale für Aufträge für die Öffentlichkeit erhalten, die sie heute auch für Wohnungen nutze, sagt SMV-Generalsekretärin Natalie Imboden. «Sie muss im Interesse der Allgemeinheit ihren Fokus mehr auf gemeinnützige und bezahlbare Wohnungen setzen. Das ist hier sicher nicht der Fall», sagt sie.

«Gewinn fliesst an die Allgemeinheit»

Die SP-Nationalrätin Jacqueline Badran verweist auf den Leistungsauftrag der SBB, der vom Bundesrat vorgeben wird. Er sieht eine Quersubventionierung innerhalb der SBB durch die Immobilien-Sparte in der Höhe von 300 Millionen Franken pro Jahr vor. «So stossend es ist, dass die SBB auf Gewinnmaximierung machen muss, immerhin fliesst der Gewinn wieder an die Allgemeinheit zurück», sagt Badran. Zudem hätten die Wohnungen ein im Vergleich zu anderen kommerziellen Anbietern gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und seien recht gross.

Schlimmer sei, dass die SBB Immobilien teilweise an börsenkotierte Immobilien-Gesellschaften verkaufe. Das sei Veruntreuung von Volksvermögen.«Wenn die SBB mit Immobilien Gewinn macht, ist das Teil des Volksvermögens», sagt Badran – anders als bei börsenkotierten Immobilienunternehmen. «Die Immobilienbranche ist die meist subventionierte des Landes», sagt sie. Jeder Bau löse Investitionen der öffentlichen Hand etwa für Schulen oder Verkehrsinfrastruktur aus, die den Anlage- und Ertragswert der Immobilien steigerten – auf Kosten der öffentlichen Hand.

«Preislich leicht nach unten angepasst»

SBB-Sprecher Christian Ginsig sagt, im Westlink gebe es Wohnungen mit drei Ausbaustandards, die sich von guter Qualität bis hin zu hochwertiger Qualität mit modernster Technik unterscheideten. Der Baulärm sei kein Thema: Die Wohnungen verfügten allesamt über dreifach isolierverglaste Fenster, bis jetzt gebe es keine negativen Rückmeldungen der Mieter.

Einzelne Wohnungstypen seien sehr schnell vollvermietet worden, andere mit einer überdurchschnittlichen Grösse und kleiner Zimmeranzahl seien preislich «leicht nach unten angepasst» worden. Die Wohnungen würden im marktüblichen Mietzinssegment liegen.

In ihrer Immobilienstrategie weist die SBB darauf hin, dass sie den Auftrag des Bundes erfülle, die kommerziell genutzten Liegenschaften marktorientiert zu bewirtschaften und den Wert ihres Immobilienportfolios zu steigern. Jeder von SBB-Immobilien erzielte Gewinn fliesse zurück ins Bahnsystem. Zudem unterstütze die SBB preisgünstigen Wohnungsbau und werde das auch in Zukunft tun.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Germane am 14.06.2018 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    Stossender finde ich,

    Dass die SBB die Grundstücke mal enteignen liess und nun mit viel Gewinn verschwerbelt. Deshalb macht sie mit dem Enteignen im Tessin gerade fröhlich weiter.

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  • Amina123 am 14.06.2018 08:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die sollen auf den schienen bleiben

    3600 fr. rund für ne 2,5zi.wohnung.... ist schon für 2 personen genug teuer....

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  • Hon am 14.06.2018 08:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Sozi

    Wo ist das Problem? An bester Lage in einer grossen Wohnung wohnen wollen und sich das Ganze noch von der Allgemeinheit finanzieren lassen. So dreist sind die Sozis.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Knallerbsenstrauch am 15.06.2018 00:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Optisch ansprechend

    Wenn ich die Lage und den Preis ignoriere, dann finde ich die Wohnungen sehr ansprechend. Von der Optik her würde ich sofort einziehen. Man kann auch für 6000 Franken in einer 65m2 Wohnung an der Bahnhofstrasse hausen. Ob man das muss ist die andere Frage.

  • Walter am 15.06.2018 00:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    egal wie man es macht...

    Die ganzen Meckerer hier würden sich auch aufregen, wenn die SBB nicht alles rausholt was möglich ist. Dann haben die alle das Gefühl, ihr Geld werde rausgeschmissen....

  • Name am 15.06.2018 00:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Adé, merci

    Wer will für fast 4000 Franken in Altstetten wohnen mit ständigem Krach vor dem Haus - nein danke.

  • JJustLikeMeNobodyCanBe am 14.06.2018 22:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geldgier

    Sind normalos nichts wert? Schade!

  • Bergler am 14.06.2018 22:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tip top

    Wow ich muss immer schmunzeln wenn es heisst top zentrale Lage, so mit 15000 Autos pro Tag vor der Tür. dazu noch tausend Züge pro Tag. Und ganz sicher sind der coop, migro, Krankenkasse und alle Versicherungen sind ja auch gerade um die Ecke. Ach wie herrlich muss dies sein.

    • Päde am 15.06.2018 13:51 Report Diesen Beitrag melden

      Gut gemacht Bergler.. auch wir sind weg.

      von diesen Smartphone Zombies und Wichtiguter und dem ganzen Pack in der Stadt. Leben (fast) immer über der Nebelgrenze. Sonne Wonne pur. Das Leben ist zwar hart dafür haben wir keine lärmigen Nachbarn, sehen 3 x am Tag das Postauto und die Kinder können mit dem Velo und im Winter mit dem Racktrack in die Schule. Frühaufstehen inkl. aber es lohnt sich: Sonnenaufgang und Sonnenuntergang erleben vom Maximum.

    • Raoul am 15.06.2018 14:48 Report Diesen Beitrag melden

      da habt ihr recht.. wir spielen auch ..

      schon mit diesen Gedanken. Hier alles wegzügeln, nach irgendwo in ein Bergdorf

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