Nacht im Wehrturm

13. Juni 2018 05:52; Akt: 13.06.2018 05:52 Print

«Die Wochenenden sind fast alle ausgebucht»

In Solothurn, Biel und Bern haben gleich drei Pop-up-Hotels diesen Monat eröffnet. Der Run auf die Unterkünfte ist gross. Ein Hotelfachmann erklärt die Gründe für den Boom.

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Im Solothurner Krummturm, dem ältesten unverändert erhaltenen Bauwerk der Stadt, kann man seit vergangener Woche die Nacht verbringen. Was zunächst ein wenig unheimlich klingt, entpuppt sich als romantische Angelegenheit. Denn die ehemalige Turmwächter-Stube des fast 600-jährigen Wehrturms wurde zum gemütlichen Hotelzimmer mit weichem Bett, Designermöbeln und Blick auf die Aare umfunktioniert.

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«Es ist sicher der Kontrast zwischen dem alten, geschichtsträchtigen Turm und der modernen Inneneinrichtung, der die Nacht darin so besonders macht», sagt Roland Furrer, Geschäftsführer des Hotels an der Aare, das die Turm-Suite bis Ende Oktober betreibt. Das Angebot schlägt ein: «An den Wochenenden ist das Zimmer fast komplett ausgebucht», so Furrer. Vor allem Leute aus der Schweiz würden sich für das Angebot interessieren.

Chefkoch wechselt alle zwei Monate

Pop-up-Hotels, die für eine beschränkte Zeit Übernachtungen an aussergewöhnlichen Orten bieten, boomen. So auch die herrschaftliche Villa Lindenegg am Bieler Stadtrand, in der Gäste bis Ende Januar 2019 logieren können: «Wir erhalten derzeit sehr viele Anfragen aus der ganzen Schweiz», sagt Mitinitiant Reto Boesch. «Ein paar mussten wir in dieser Woche sogar zurückweisen.»

Zur Villa Lindenegg gehört ein grosser Garten mit Blumenwiesen und plätscherndem Brunnen. Doch nicht nur die Nähe zur Natur zieht laut Boesch die Gäste an, sondern auch das Küchenkonzept: «Bei uns wechselt alle zwei Monate der Chefkoch. Jeder bringt neue Ideen und Visionen ein.» Weil die Stadt Biel die Villa sanieren will, wird das Pop-up-Hotel nicht über Januar hinaus existieren.

Im altehrwürdigen Berner Zollhäuschen auf der Nydeggbrücke können Touristen seit letzter Woche ebenfalls übernachten. «Fast täglich kommen Reservationen rein. An den Samstagen im August sind wir bereits voll», sagt Matthias Keller, stellvertretender Geschäftsführer des Restaurants Altes Tramdepot. Keller verrät: «Wir planen, das Engagement auf unbestimmte Zeit zu verlängern.»

Positionierung des Hotels wichtig

Laut Patric Schönberg, Leiter Kommunikation und Marketing von Hotelleriesuisse, ist der Boom der Pop-up-Hotels vor allem auf die veränderten Kundenbedürfnisse zurückzuführen. «Der Gast schaut heute nicht mehr nur darauf, wie viele Sterne ein Hotel hat, sondern auch, wie es sich positioniert – also etwa, ob es sich um ein Boutique-, Art- oder Bikehotel handelt.» Mit ihren unkonventionellen Locations und Ausstattungen positionierten sich die Pop-up-Hotels in einer Nische. Schönberg: «Das kommt bei den Leuten gut an.»

(sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 17.06.2018 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein positiver Punkt für Biel...

    Es sollte noch mehr solchen traumhaften Hotels geben. Die Villa Lindenegg in Biel keine ich, aber ohne Übernachtung. Es war früher eher eine Ruine. Die Stadt hat dazu viel beigeholfen... Bravo!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 17.06.2018 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein positiver Punkt für Biel...

    Es sollte noch mehr solchen traumhaften Hotels geben. Die Villa Lindenegg in Biel keine ich, aber ohne Übernachtung. Es war früher eher eine Ruine. Die Stadt hat dazu viel beigeholfen... Bravo!!