Tschäppät sagt adieu

17. Mai 2018 14:23; Akt: 17.05.2018 18:16 Print

«Ich habe fertig. Für immer»

Bern ist in Schwarz gehüllt: Am Donnerstagnachmittag findet im Berner Münster die Gedenkfeier für Alexander Tschäppät statt. Dabei kommt sogar der Verstorbene zu Wort.

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Hunderte in Schwarz gekleidete Menschen drängten kurz nach 14 Uhr durch das grosse Tor des Berner Münsters. Glockenschläge hallten über den Münsterplatz, Tauben flogen über den Köpfen der Besucher. Sie alle waren gekommen, um dem ehemaligen Stadtpräsidenten Alexander Tschäppät die letzte Ehre zu erweisen. Während einer emotionalen Gedenkfeier verabschiedeten sich die Bewohner der Stadt von ihrem «Tschäppu». Für viele ist es noch immer unfassbar, dass der an Krebs erkrankte Ex-Stapi nicht mehr durch Berns Gassen spaziert.

Tschäppät macht Frieden und sagt adieu

Dabei wandte sich der ehemalige Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät ein letztes Mal an alle Menschen, die ihn gekannt hatten – mit einem kurzen Brief, den seine Lebenspartnerin Christine Szakacs während der Trauerfeier im Münster verlas.

In bewegenden Worten schildert Tschäppät darin, wie er Anfang dieses Jahres über den eigenen Gedenkgottesdienst im Münster nachzudenken begann. «Als einer, der viel und oft redete, wurde mir klar, dass dies ein Anlass sein würde, an dem ich nichts mehr zu sagen habe.» Gleichzeitig habe er gemerkt, dass es ihm wichtig sei, sich persönlich zu verabschieden. «Ich bitte euch, die Hand, die ich euch nicht mehr geben kann, anzunehmen, um ein letztes Mal adieu zu sagen. Oder um Frieden zu schliessen.»

Vor dem Tod habe er nie wirklich Angst gehabt, schrieb Tschäppät weiter. «Angst hatte ich vielmehr vor dem Sterben.» Er habe Angst gehabt, Unerledigtes zurückzulassen. Nun sei das Sterben vorbei. «Ich habe fertig. Diesmal für immer.»

Bekannte Gäste nehmen Abschied

Tout Bern lauschte diesen Worten gerührt. Alle 1200 Sitzplätze waren besetzt – mehrere verfolgten die Zeremonie im Stehen. Wer keinen Platz mehr im Kirchenschiff fand, konnte die Trauerfeier im Berner Rathaus mittels Live-Übertragung verfolgen.

Unter den Gästen waren viele bekannte Gesichter: Kulturschaffende, Musiker, Sportler, Unternehmer und Politiker von links bis rechts wollten dem einstigen Stadtpräsidenten und SP-Nationalrat Alexander Tschäppät die letzte Ehre erweisen. Die vordersten Ränge gehörten seiner Familie, seinen Freunden und Bekannten.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga hielt eine persönliche Rede; und sie war die Einzige, die der Trauergemeinde schliesslich ein Lächeln abringen konnte. Als sie Alex das letzte Mal gesehen habe, habe er sie gefragt, ob sie an seiner Trauerfeier etwas sagen würde. «‹Nur das Datum kann ich dir noch nicht sagen›, meinte er dann zu mir», sagte die Bernerin.

W-Nuss zum Schluss

Beendet wurde die Feier mit einer ergreifenden Version von Patent Ochsners «W-Nuss vo Bümpliz». Der Text wurde den Anwesenden vorab zum Mitsingen abgegeben. Doch laute Stimmen vernahm man in Berner Münster nicht; viele zückten anstelle des Liedblattes ein Taschentuch.

(miw / cho / sda)