Mordprozess

08. Juni 2018 18:18; Akt: 08.06.2018 18:18 Print

Messerstecher muss 17 Jahre hinter Gitter

Anstatt eines erhofften Freispruchs wird die Strafe für einen Mann um zwei Jahre erhöht. Auch die Aussagen seiner neuen Familie konnten ihn nicht vor dem Gefängnis bewahren.

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Ein heute 46-jährige Tamile, der vor 18 Jahren in Basel seine Ex-Freundin auf grausame Weise getötet haben soll, ist auch in zweiter Instanz wegen Mordes verurteilt worden. Zudem erhöhte das Appellationsgericht Basel-Stadt das Strafmass auf 17 Jahre.

Die Verteidigung plädierte auch im Berufungsprozess vom Freitag vergeblich auf Freispruch. «Wir wissen nicht, was passiert ist», sagte die Verteidigerin und gab zu bedenken, dass es für eine Mordqualifikation mehr brauche als nur Spekulationen.

Zuerst gewürgt, dann die Kehle durchgeschnitten

Wie schon für die Vorinstanz besteht auch für das Appellationsgericht kein Zweifel, dass der Angeklagte im Dezember 2000 seine damals 23-jährige Ex-Freundin zunächst sehr heftig gewürgt und ihr dann mit einem Messer die Kehle durchgeschnitten hatte. Zwar fehlt laut dem Vorsitzenden ein direkter Tatbeweis, doch bestehe eine geschlossene Kette von Indizien.

Dass die zweite Instanz die Ende 2016 vom Strafgericht verhängte Freiheitsstrafe um zwei Jahre erhöhte, begründete der Präsident mit der «sehr brutalen Art der Hinrichtung». Die junge Frau, welche der Angeklagte schon im Voraus aus Eifersucht mit dem Tod bedroht hatte, sei regelrecht exekutiert worden.

Flucht in der Tatnacht und widersprüchliche Aussagen

Während der Beschuldigte im erstinstanzlichen Prozess noch jegliche Aussagen verweigerte, beantwortete er am Freitag Fragen. Es gelang ihm jedoch nicht, diverse Indizien zu entkräften. Für seine Flucht just in der Tatnacht habe er keine vernünftigen Erklärungen liefern können, sagte der Gerichtspräsident. Andere Aussagen seien zudem widersprüchlich oder machten keinen Sinn.

Zu beurteilen hatte das Appellationsgericht einen Fall, der inzwischen fast 18 Jahre zurückliegt. Der Beschuldigte, der zuvor fast zehn Jahre als Asylbewerber in der Schweiz gelebt hatte, flüchtete nach dem gewaltsamen Tod der ebenfalls aus Sri Lanka stammenden Frau. Den Fluchttermin soll ein Schlepper bestimmt haben.

Neues Leben in Neuseeland

Mit falschen Papieren landete der Angeklagte 2001 in Neuseeland, wo er ein neues Leben anfing. Er heiratete, wurde Vater von zwei Kindern und führte in Auckland einen Lebensmittelladen. Erst Ende 2014 wurde er enttarnt und 2015 an die Schweiz ausgeliefert. Vor Gericht beteuerte der Angeklagte seine Unschuld. Er habe mit dem Tod des Opfers nichts zu tun, schwor er. Die Schweiz habe er damals verlassen, um anderswo ein besseres Leben zu führen.

Dem Prozess vom Freitag durften mit besonderer Erlaubnis des Gerichts zeitweise auch die Kinder des Angeklagten beiwohnen, die mit ihrer Mutter aus Neuseeland angereist waren. Nun werden der 10-jährige Knabe und das 14-jährige Mädchen ihren Vater wohl wieder für lange Zeit nicht mehr sehen. Die Verteidigung liess am Freitag offen, ob sie den Fall ans Bundesgericht weiterzieht.

(sda)