Basel

13. März 2018 11:08; Akt: 14.03.2018 12:16 Print

Luxustouristen verzweifeln wegen Zoll

Bei der Rückforderung der Mehrwertsteuer scheitern einkaufsfreudige Luxustouristen immer öfter an den Öffnungszeiten des Zolls. Das Problem wird nun zum Politikum.

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Märchenhafte Bergpanoramen, saubere Städte, unberührte Natur. Die Schweiz gilt zu Recht als beliebtes, aber auch kostspieliges Reiseziel, das viele Luxuxtouristen anlockt. Die einkaufsfreudigen Gäste ärgern sich aber offenbar immer öfter, weil sie an der Erstattung der Mehrwertsteuer scheitern. «In Basel ist es am schlimmsten», sagt Barbara Gisi, Direktorin des Schweizer Tourismusverbands (STV), gegenüber der «BZ Basel».

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Was Schweizer Einkaufstouristen zusteht, wenn sie in Deutschland shoppen, steht nämlich auch Touristen aus Asien oder den Golfstaaten zu: die Mehrwertsteuerrückerstattung. Wer Rolex-Uhren für zehntausende Franken kauft, will auf eine Rückerstattung von 7,7 Prozent des Kaufpreises kaum verzichten.

Verzweifelte Einkaufstouristen am Bahnhof

Zollstellen sind in Basel aber rar. Es gibt eine am Bahnhof SBB und eine am Euroairport. Jene am Bahnhof ist aber auch während der Öffnungszeiten nur unregelmässig besetzt. Touristen würden oft stundenlang ausharren, sagt der Basler Tourismusdirektor Daniel Egloff gegenüber der «BZ Basel». «Wir haben an unserem Schalter im Bahnhof SBB jeden Tag zehn bis zwölf Touristen, die ganz verzweifelt sind.»

Findige Touristen deponieren ihr Gepäck am Bahnhof und fahren zum Flughafen, wo der Zoll immer besetzt ist, um ihre Mehrwertsteuerrückerstattung abzuwickeln. Auch dafür muss mehr als eine Stunde aufgewendet werden. «Die Rückforderung ist oft nicht oder nur mit erheblichem Aufwand möglich», klagt der Basler Nationalrat Christoph Eymann (LDP) in der Zeitung. Weil viele Touristen verärgert ausreisen würden, könne das für das Ferienziel Schweiz rufschädigend sein, fürchtet er.

Diese Befürchtung hat auch der Tourismusverband: «Bisher scheinen die Behörden zu unterschätzen, wie viele Leute von diesen administrativen Hürden betroffen sind», wird Direktorin Gisi zitiert. Ausgerechnet bei diesem Kundensegment sei ein guter Service wichtig, da der Shoppingtourismus immer weiter wachse und für die Schweizer Wirtschaft von grosser Bedeutung sei.

Interpellation an Bundesrat

Mittlerweile ist das Problem in Bundesbern angelangt. Der Nationalrat sei nach Absprache mit dem Schweizer Tourismusverband mit einer Interpellation an den Bundesrat herangetreten. Mehr Kundenfreundlichkeit sei das Ziel. Neben verlängerten Öffnungszeiten habe man auch Alternativen angeboten, wie zum Beispiel, die Ausstellung der Ausfuhrbestätigung den Tourismusbüros zu überlassen.

Anders als Tourismusdirektor Egloff, der positiv in die Zukunft blickt, hält Eymann die Interpellation nicht für erfolgsversprechend: «Ich werde das Gefühl nicht los, dass gar kein Interesse daran besteht, etwas zu ändern. Offenbar behält man das Geld lieber in der eigenen Kasse. Immerhin geht es schweizweit um Millionen.»

(sis)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Grosspapi am 13.03.2018 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    Grenzt an Rechtsverweigerung

    Da das Recht auf Rückerstattung der MwSt besteht, muss den Berechtigten auch die Möglichkeit gegeben werden, diese bei der Ausreise zu beanspruchen. Wieso das ausgerechnet bei einem Grenzbahnhof nicht oder nur unregelmässig gehen soll, ist nicht einzusehen.

  • Korbinian Hofer am 13.03.2018 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch klar:

    Preise hoch, Dienstleistung tief - Schweiz life.

  • Waldi Schwob am 13.03.2018 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Ich möchte nicht wissen, was Schweizer Kunden in Deutschland sagen würden, wenn das deutsche Zollamt längere Zeit nicht besetzt wäre und sie stundenlang auf den Stempel für ihren grünen Zettel warten müssten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Maria Meier am 14.03.2018 12:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sünneli

    Die Schweiz ist nicht das einzige Land mit diesem Problem. Am Hamburger Flughafen hast du schon verloren, wenn dein Flug um 20.00 uhr fliegt. Voher ist auch dort kein abstempeln mehr möglich weil nieman mehr dort ist.

  • ExZoll Ausgewand am 13.03.2018 20:42 Report Diesen Beitrag melden

    Aendere!

    Ja, dies koennte bei einigen Konsumenten einen bitteren Eindruck auf die Geschaeftstuechtigkeit der CH's mit auf den Weg geben. Keine gute Werbung.

  • Waldi Schwob am 13.03.2018 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Ich möchte nicht wissen, was Schweizer Kunden in Deutschland sagen würden, wenn das deutsche Zollamt längere Zeit nicht besetzt wäre und sie stundenlang auf den Stempel für ihren grünen Zettel warten müssten.

  • MonaLisa am 13.03.2018 15:29 Report Diesen Beitrag melden

    Zollangestellte....

    ...tun mir leid. Alles Luxus und trotzdem auf dem "Dampfer - Geiz ist Geil" mit aller Gewalt rausholen was zu holen ist. Strahlen werden die RICHTIGEN und es beim Zoll vorbeischmuggeln. Das geht dann leider bei solch hohem "Kundenansturm" runter/rüber oder gar nicht's mehr. Zoll soll man achten und bei der CH-Grenze gehen ja viele einfach durch. (gefälschte Ausweise etc.) So viel zu diesem Thema. Dafür zahlen wir ja auch happige Beträge! Oder nöd?? Da ist die MWST irrelevant.

  • Stefan am 13.03.2018 15:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ab auf die botschaft

    die touristen können einfach bei der ch-botschaft/konsulat im eigenen land vorbeigehen mit den waren und kassenzettel und erhalten den stempel. Für die mwst der einkaufstouristen brauchtest nun wirklich keine längeren Öffnungszeiten...