Liestal BL

14. Juni 2018 05:38; Akt: 14.06.2018 09:10 Print

12-Jähriger musste drei Tage auf Gips warten

Beim Fussballspielen brach sich ein Bub den Arm. Im Kantonsspital Liestal gab es am Freitagabend dann eine unangenehme Überraschung. Einen Gips gibt es nur werktags zu Bürozeiten.

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«Wofür zahle ich eigentlich Steuern?», fragt Josep C.* Der Liestaler Familienvater brachte seinen 12-jährigen Sohn am 25. Mai, einem Freitag, gegen 18 Uhr in die Notfallaufnahme des Kantonsspitals Liestal. Der Bub hatte beim Fussballspielen auf der Strasse einen Knochenbruch im linken Arm erlitten. Der behandelnde Arzt stellte eine sogenannte Grünholzfraktur an der Speiche fest und verordnete drei Wochen Gips. Nur: Der Gipspfleger hatte da schon Wochenende. Das wurde C. erst am Samstag mitgeteilt, als er einen Termin für die Behandlung vereinbaren wollte. «Ein Kantonsspital ohne Gipser am Wochenende?», fragt der Spanier ungläubig.

Es wurde schliesslich Dienstag, bis der Arm seines Sohnes eingegipst werden konnte. Dabei gabs erneut Schwierigkeiten: Der Pfleger wusste nicht, welchen Gips er anlegen sollte, und der behandelnde Arzt war nicht im Haus. Wegen des fehlenden Berichts musste telefoniert werden. C. beschwerte sich in der Folge schriftlich beim Kantonsspital.

Neues Gips-Konzept in Erarbeitung

Dort ist der Fall bekannt. Das Kantonsspital Baselland schreibt in einer Stellungnahme von «prozessualem und kommunikativem Versagen» in diesem Fall. Der fallführende Oberarzt der Notfallstation hat sich zwischenzeitlich auch bei C. telefonisch gemeldet und «aufrichtig entschuldigt».

Das Spital bestätigt aber auch, dass ein spezialisierter Gipspfleger nur von Montag bis Freitag anwesend ist. Es sei auch in anderen Spitälern Usus, dass Gipspfleger nicht rund um die Uhr zur Verfügung stünden. In dringenden Fällen könnten spezielle Gipsverbände aber durch einen orthopädischen Dienstarzt jederzeit gewährleistet werden, so die Sprecherin des Spitals. «Unhabhängig vom aktuellen Fall ist das Notfallzentrum zusammen mit der Klinik für Orthopädie bereits an der Erarbeitung eines Gips-Konzepts, da erkannt ist,
dass die Schnittstellen prozessual nicht einwandfrei laufen», sagt sie weiter.

Der Patient sei aber zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen, betont das Spital. Das Wichtigste sei die Stabilisierung, und diese sei auch mit einer Klett-Schiene gewährleistet.

Auch am Unispital nur zu Bürozeiten

Eine Nachfrage beim Universitätsspital Basel zeigt: Auch im grössten Notfallzentrum der Region hätte der Bub auf seinen Gips warten müssen. Ausserhalb der üblichen Öffnungszeiten ist das sogenannte Gipserzimmer der Chirurgie nicht belegt.

Allerdings ist es medizinisch selten notwendig, sofort einen Gips anzulegen. Solange Schwellungen bestehen, kann meistens auch gar kein solcher Verband angelegt werden. «Ausserhalb der Tagesöffnungszeiten arbeitet das Notfallzentrum mit Konfektionsschienen, die für die Erstversorgung qualitativ mit einem Gipsverband gleichzusetzen sind», teilt Spitalsprecher Thomas Pfluger mit.

* Name der Redaktion bekannt

(lha)