Melanie Winiger reloaded

01. Juni 2018 05:41; Akt: 01.06.2018 09:30 Print

«Ich war noch nie so entspannt wie heute»

von Katja Fischer - Früher hasste sie Sport, heute radelt sie fünfmal in der Woche «wie gestört»: Schauspielerin Melanie Winiger über ihre neue Sportsucht, ihr Körpergefühl und übers Älterwerden.

Sie ist süchtig nach der Trendsportart: Wir haben Melanie Winiger zum Sparkcycling begleitet. (Video: Katja Fischer/Tamedia)
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Melanie, was um alles in der Welt machst du da?
Melanie Winiger (39): Es heisst Soulcycling oder Sparkcycling und kommt aus den USA. Wir machen Rhythm Cycling: Wir trampeln zu einem Beat auf dem Velo. Aber sehr schnell. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Ich bin süchtig danach.

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Für Aussenstehende sieht es eher nach Radeln wie gepickt aus.
Wir sehen nicht nur aus wie Gepickte, wir sind auch nicht ganz dicht.

Wie oft sitzt du denn im Sattel?
Etwa fünfmal pro Woche. Wenn ich nicht hingehe, werde ich unausstehlich. Und ich hatte noch nie in meinem Leben so schnelle und gute Resultate. Auch mental.

Wie meinst du das?
Ich bin bekanntlich ein sehr emotionaler Mensch, das ewige Auf und Ab kann ganz schön anstrengend sein. Hier laufe ich nach 45 Minuten Training aus dem Raum und bin einfach mal entspannt.

Musst du Sport machen, um deine Figur zu halten?
Die Leute fragen immer: «Hast du das überhaupt nötig?» Ja, brutal! Ich gehörte nie zu den Menschen, die gerne Sport machen. Und seit ich 18 war, kann ich nicht mehr futtern, was ich will, ohne zuzunehmen. Ich habe schon jede Diät auf dem Planeten Erde ausprobiert, die es gibt. Aber es hat nie eine funktioniert, weil es auch mental nie funktionierte.

Du warst 17, als du Miss Schweiz wurdest. Wie wichtig ist dir dein Körper heute?
Wenn ich sagen würde, das Aussehen sei unwichtig, würde ich lügen. Die Gesellschaft übt einen extremen Druck auf Frauen aus. Du sollst sexy sein, aber ab 40 dann ja nicht mehr, Heidi Klum ist das beste Beispiel. Als Frau wird man schnell nach dem Körper beurteilt. Paparazzi haben mich schon im Bikini fotografiert, als ich nicht so fit war. Die Reaktionen waren: «Ui nei, was hat denn die für einen Cellulite-Hintern.» Das ist nicht cool.

Hat dich das getroffen?
Die Leute haben das Recht, ihre Meinung zu äussern. Diese Ansicht vertrat ich schon immer. Meine Herausforderung war, mich nicht nach den bösen Kommentaren zu richten. Mir selbst treu zu bleiben und mir sagen zu können: Okay, jetzt hast du vielleicht mal kurz etwas zugenommen, aber du darfst das. Das war nicht immer einfach.

Du wirst im Januar 40. Wie stehst du zum Älterwerden?
Ich habe alles ein bisschen früher gemacht. Ich habe früh die Miss-Schweiz-Wahl gewonnen, ich wurde früh Mutter, ich habe früh geheiratet und mich früh wieder scheiden lassen. Ich glaube, ich habe meine Midlife-Crisis schon durch.

Wie hatte sich diese geäussert?
Vor zwei, drei Jahren hatte ich eine Phase, in der ich mich extrem in Frage stellte. Was mache ich? Wer bin ich? Was will ich?

Und heute?
Ich war noch nie so entspannt. Das sagen auch meine engsten und wichtigsten Leute, die mich seit Jahren begleiten. Ich sei entspannt, glücklich, ganz ohne Druck. Es ist einfach alles gut, so wie es ist. Und wenn mal ein Tag nicht gut ist, ist das auch völlig easy.

Eine neue Melanie?
Eher Melanie relodaded. Melanie war immer Melanie, das kann ich mit gutem Gewissen sagen. Verändert habe ich mich als Mensch nie, aber weiterentwickelt. Zum Glück. Heute kann ich sagen: Ich bin zufrieden mit mir, ich bin cool.

Ist deine neue Frisur ein Ausdruck dieser Veränderung?
Nein. Während der Midlife-Crisis habe ich mir meine Haare auch nicht geschnitten. Schwanger bin ich auch nicht. Als Schauspielerin hänge ich vielleicht nicht so an meinen Haaren wie andere. Und ich habe das Glück, dass sie schnell nachwachsen.

Du hast kürzlich deinen ersten Hochzeitstag gefeiert. Wie ist das Eheleben?
Nicht anders als unser Leben zuvor. Reto und ich wohnten ja schon zusammen. Der erste grosse Schritt in einer Partnerschaft ist das Zusammenziehen. Die zweite harte Probe ein Kind. Aber nicht eine Hochzeit.

Vor zwei Jahren sagtest du mal, dass die Familienplanung abgeschlossen sei. Siehst du das immer noch so?
Ich habe im Leben gelernt, dass es meist anders kommt, als man denkt. Darum sage ich nicht, dass ein Kind ausgeschlossen ist. Aber es ist keines geplant. Und ich verspüre auch keinen Drang, schwanger zu werden. Mein Sohn ist jetzt 16. Und ich bin sehr stolz auf ihn, er ist mein bester Buddy.

Du standest gerade für «Mordkommission Istanbul» vor der Kamera. Was kommt als Nächstes?
Es tut sich einiges, vor allem in Deutschland. Ich will aber noch nichts dazu sagen. Nicht, weil ich mich speziell vermarkten möchte. Ich rede gern darüber, wenn es etwas darüber zu reden gibt.

Unsere Leser wollen dich als neue «Tatort»-Kommissarin, das hat eine kürzliche Umfrage ergeben.
Davon habe ich gehört, als ich in Bangkok bei Dreharbeiten war. Und ich habe mich extrem darüber gefreut.

Haben die «Tatort»-Macher schon bei dir angeklopft?
Nein, die sollen mal anrufen (lacht). Ich habe schon lange nicht mehr in der Schweiz gearbeitet. Das war so nicht geplant, es war einfach kein Angebot dabei, das gepasst hätte. Aber es wäre schon mal wieder an der Zeit. Und vor allem ist es an der Zeit, dass ein Format wie «Tatort» eine Kommissarin in der Hauptrolle hat.