Harvey Weinstein

11. Oktober 2017 21:27; Akt: 12.10.2017 13:14 Print

Die Fakten zum Skandal, der Hollywood erschüttert

Der Albtraum nimmt kein Ende: Immer mehr Filmstars distanzieren sich von Produzent Harvey Weinstein, seine Frau hat ihn verlassen. Ein Überblick.

Bildstrecke im Grossformat »
Harvey Weinstein unter Beschuss: Der Star-Filmproduzent soll mehrere Frauen sexuell belästigt und bedrängt haben. Mindestens drei habe er zu Oralverkehr gezwungen, so die Vorwürfe, die von der «New York Times» sowie von «The New Yorker» öffentlich gemacht wurden. Die Anschuldigungen, die der 65-Jährige in Teilen zugibt, haben für ihn Konsequenzen: Seine eigene Firma hat ihn entlassen, auch Ehefrau Georgina Chapman hat sich mittlerweile von ihm getrennt. «The New Yorker» hat zudem einen Ton-Mitschnitt aus dem Jahr 2015 publiziert. Dort ist zu hören, wie Weinstein das Model Ambra Battilana Gutierrez (damals 22) in einem New Yorker Hotel bedrängt. Sie solle ihm Gesellschaft leisten, während er duscht, fordert er seinen Gast auf. Als sie sich weigert, meint Weinstein: «Schätzchen, bitte, verdirb dir nicht wegen fünf Minuten die Freundschaft mit mir.» Hollywood hat zunächst nur zögerlich reagiert. Mittlerweile ist die Empörung in vollem Gange. Kate Winslet sagt in der «Variety», Weinsteins Verhalten sei «skandalös und sehr, sehr falsch». George Clooney sagt zu «The Daily Beast»: «Es ist unentschuldbar! Wir hatten gemeinsame Abendessen, wir waren gemeinsam am Set, wir hatten Streitereien. Doch ich kann Ihnen sagen, dass ich niemals ein solches Verhalten bei ihm gesehen habe – nie.» Angelina Jolie meint in der «New York Times», sie habe in ihrer Jugend mit Weinstein «schlechte Erfahrungen» gemacht. «Als Folge davon habe ich mich entschieden, nie wieder mit ihm zu arbeiten und andere vor ihm zu warnen. Dieses Verhalten gegenüber Frauen ist in jeder Branche und in jedem Land inakzeptabel.» Leonardo DiCaprio schreibt auf Facebook: «Es gibt keine Entschuldigung für sexuelle Übergriffe. Ich begrüsse die Kraft und den Mut jener Frauen, die sich getraut haben und ihre Stimme erhoben haben.» Mit etwas Verzögerung meldete sich auch Jennifer Lawrence zu Wort. «Ich war extrem verstört, als ich gehört habe, was Harvey Weinstein getan hat», sagt sie zur «Variety». Und weiter: «Dieses Verhalten ist unentschuldbar.» Lawrence arbeitete 2012 bei ihrem Erfolgsfilm «Silver Linings» mit der Weinstein Company zusammen. Gwyneth Paltrow bemerkt in derselben Zeitschrift, Weinstein habe sie als 22-Jährige angefasst und sie massieren wollen. Doch die Schauspielerin hat sich laut eigenen Aussagen geweigert. Lena Dunham greift Weinstein in einem Essay in der «New York Times» frontal an. Seine Übergriffe seien «über Jahrzehnte hinweg von Angestellten und Kollaborateuren schweigend abgesegnet» worden und «ein Mikrokosmos dafür, was seit jeher in Hollywood geschieht». Auch Ex-Präsident Barack Obama und seine Ehefrau Michelle (im Bild zusammen mit Weinstein bei einem Workshop für Studenten im Weissen Haus 2013) haben eine klare Meinung: «Jeder Mann, der Frauen in einer solchen Weise diskreditiert, muss verurteilt werden, egal, wie reich er ist oder über welchen Status er verfügt», werden die beiden in einem offiziellen Statement zitiert. Viele Unterstützer hat Weinstein in Hollywood nicht mehr. Lindsay Lohan hat sich, zumindest vor ein paar Tagen, hinter den Produzenten gestellt. «Harvey tut mir sehr leid. Ich glaube, was gerade passiert, ist nicht richtig», sagte sie in einem, mittlerweile gelöschten, Instagram-Video. Designerin Donna Karan (im Bild) meinte in einem Interview mit der Zeitung «Daily Mail», manche Frauen würden «Ärger suchen». Nach heftiger Kritik zog sie ihre Aussage zurück und entschuldigte sich.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Vorwürfe:
In mindestens acht Fällen soll der 65-Jährige Frauen sexuell belästigt haben, wie zunächst die «New York Times» enthüllte. Nun berichtet «The New Yorker» zusätzlich, Weinstein habe in mindestens drei weiteren Fällen Frauen zum Oralverkehr gezwungen.

Die Reaktion:
Harvey Weinstein gibt zu, sich gegenüber Kolleginnen «unangemessen» verhalten zu haben. Er entschuldigte sich zudem für sein «Benehmen in der Vergangenheit» und wolle seine «Dämonen» in den Griff bekommen, teilte er mit. Auf konkrete Anschuldigungen ging er nicht ein. Seine Sprecherin hält fest: «Alle Vorwürfe von nicht einvernehmlichem Sex werden von Mr. Weinstein kategorisch dementiert.»

Das Tonband:
«The New Yorker» hat auf seiner Website einen polizeilichen Audio-Mitschnitt vom März 2015 veröffentlicht (Video unten). Dort ist zu hören, wie Weinstein das damals 22-jährige Model Ambra Battilana Gutierrez in einem New Yorker Hotel drängt, ihm Gesellschaft zu leisten, während er duscht. Immer wieder sagt die junge Frau: «Ich möchte das nicht!» Als sie fragt, wieso er am Vortag ihre Brüste berührt habe, antwortet Weinstein: «Das tut mir leid, bitte komm rein. Ich bin an solche Dinge gewöhnt.»

Die Ehefrau:
Weinsteins Gattin Georgina Chapman (41) hat sich mittlerweile von ihm getrennt. «Ich habe mich dazu entschlossen, meinen Mann zu verlassen», teilte sie in einem Statement dem Magazin «People» mit. Chapman ist seit 2007 mit Weinstein verheiratet, die beiden haben zwei Kinder. Erst ein paar Tage zuvor erklärte Weinstein, seine Frau stehe hinter ihm. Nun sagt sie: «Ich fühle mit all den Frauen, denen durch diese unverzeihlichen Taten unglaublicher Schmerz zugefügt wurde.»

Der Aufschrei:
Zunächst verhielt sich Hollywood verdächtig ruhig. Erst allmählich kam Empörung auf. So nennt Kate Winslet Weinsteins Verhalten in der «Variety» «skandalös und sehr, sehr falsch». George Clooney sagt zu «The Daily Beast»: «Es ist unentschuldbar!» Leonardo DiCaprio schreibt auf Facebook: «Es gibt keine Entschuldigung für sexuelle Übergriffe.»

Die Verteidiger:
Verständlicherweise stehen nicht mehr viele Prominente hinter Weinstein. Eine der wenigen ist Schauspielerin Lindsay Lohan. In einem unterdessen wieder gelöschten Instagram-Video gab sie zu Protokoll: «Harvey tut mir sehr leid. Ich glaube, was gerade passiert, ist nicht richtig.»

Der Verdacht:
In Hollywood soll Weinsteins unappetitliches Verhalten seit Jahren bekannt gewesen sein. Ronan Farrow, Autor des «New Yorker» und Sohn von Woody Allen, schreibt, das Benehmen des Star-Produzenten sei in der Szene «ein offenes Geheimnis» gewesen. Mehr als ein Dutzend Ex-Mitarbeiter Weinsteins hätten davon gewusst. Farrow nennt dies eine «Kultur der Komplizenschaft». Schauspielerin Lena Dunham vermerkt in einem Essay für die «New York Times» ausserdem, die Übergriffe seien «ein Mikrokosmos dafür, was seit jeher in Hollywood geschieht».

Die Satire:
Nur wenige amerikanische Late-Night-Talker haben das Thema bis dato aufgegriffen. Stephen Colbert nannte Weinstein den «lebenden Shrek». Zum Gerücht, wonach dieser eine Reporterin dazu gezwungen haben soll, dabei zuzusehen, wie er in eine Topfpflanze onaniert, spottet der 53-Jährige: «Wenn ihr im Hause Weinstein je zum Abendessen eingeladen seid, vermeidet frischen Basilikum!» John Oliver nahm sich der Geschichte ebenfalls an.


Weinstein bedrängt Model Gutierrez (Quelle: Youtube).


Stephen Colbert und die Weinstein-Satire (Quelle: Youtube/CBS).

(ysc)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.F. am 11.10.2017 23:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Westen nichts Neues

    Widerlich und unentschuldbar!! Aber irgendwie überrascht mich das gar nicht. Das Model wollte nicht? Sie hat's aber trotzdem getan, der Karriere zuliebe, ansonsten hätte sie ihn auch damals anzeigen können. Ich glaube solche Geschichten sind dort an der Tagesordnung, dennoch möchte ich lieber nicht wissen, was sonst alles hinter der Hollywood-Fassade läuft.

    einklappen einklappen
  • Schmuggel Joe am 11.10.2017 23:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spitze des Eisbergs

    Dieser feine Herr, ist nur einer unter vielen, bis ganz hinauf zur Spitze.

  • Sandra am 11.10.2017 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und alle sind am ZFF

    Polanski, Weinstein, usw. Das Zürich Film Festival gibt all diesen üblen Männern eine Platform. Unbegreiflich, denn diese Vorwürfe stehen schon lange im Raum. In Hollywood Karriere zu machen, da braucht es bekanntlich viele Talente, und das wird leider so bleiben, da die meisten jungen Schauspieler und Schauspielerinnen bereit sind diesen Preis zu zahlen. Das ZFF sollte eine vorbildlichere Rolle einnehmen und solche dubiose Gestalten nicht mehr einladen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pinguin am 12.10.2017 19:00 Report Diesen Beitrag melden

    Frauen kennen nur das Geld....liebe nicht!!!

    Habe immer geglaubt mann heirate auch mit den mitgegebenen worten "in guten und schlechten zeiten"....

  • AbsolutRichtig am 12.10.2017 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    Lasst du den Weinstein in Ruhe

    Ein super Typ. Einfach nur Genial und ein Vorbild für alle. Hackt nicht auf ihm rum, er hat keinen was getan. Die Frauen die nicht wollten haben nein gesagt. Kein Problem also. Man wird doch wohl noch fragen dürfen ob die Dame von Welt der Umwelt etwas gutes und Wasser sparen möchte? Wenn nicht, dann müssen alle Öko-Aktionen sofort und weltweit gestoppt werden!

    • Boris am 12.10.2017 14:03 Report Diesen Beitrag melden

      Finde ich auch.

      Alle haben es gewusst, jahrelang geschwiegen, dann sollen sie jetzt auch schweigen. Keine Frau wurde gezwungen, mit Weisnstein essen zu gehen und sich nach oben zu schlafen.

    einklappen einklappen
  • enzo am 12.10.2017 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Star? Model? Dreckiges Geschäft ist das!

    Mag sein wie es wolle, ABER: Wenn solche Vorwürfe erst nach 10, 15, 20+ Jahren kommen, dann nehme ich diese nicht ernst! Denn anscheinend haben es diese "Opfer" zu ihrem Vorteil ausgenutzt, sprich wegen diesen Techtelmechtel bekamen diese Damen Karrierebooster angeschnallt und wurden erfolgreiche Models, Schauspielerinnen usw. Von daher sehe ich hier die Schuld in etwa 60:40 zu Lasten dieses Typen.

  • Quad am 12.10.2017 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Hollywood

    Ach ganz Hollywood weiss doch wie der Weinstein tickt. Ein Grossteil der "Stars" und "Bratwurst-Prominenz" kannten sein Laster schon seit langem, getan haben sie trotzdem nichts dagegen, bis vor ein paar Tagen..... wenn du von einem Problem weisst und nichts dagegen tust, gehörst du zum Problem....

  • Petra am 12.10.2017 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Hier doch auch

    Das ist doch hier genau so und nicht anders. Männer, die ihre Macht missbrauchen, um Frauen zu begrapschen, kleinzumachen und zu bedrohen. Leider ist ihnen (noch nicht) beizukommen, weil die Betroffenen zu viel Angst haben, Job zu verlieren und dann auf der Straße zu stehen... Keine glaubhaft Stelle bekannt, wo man sich hinwenden könnte. Doch irgendwann wird es rauskommen, wie bei Herrn Weinstein & Co. und dann staunen alle.