Süchtig nach Shooter-Spiel

13. Juni 2018 20:53; Akt: 14.06.2018 14:34 Print

9-Jährige wegen «Fortnite» in Therapie

Sie schlief in der Schule ein, war aggressiv und nässte sich ein, weil sie nicht mehr aufs WC ging. Da erkannten die Eltern, wie süchtig ihre Tochter nach «Fortnite» war.

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Ein neunjähriges Mädchen aus Grossbritannien wird derzeit wegen ihrer Sucht nach dem Computerspiel «Fortnite» behandelt. Das Kind verbrachte bis zu zehn Stunden am Tag vor dem Bildschirm. Ihre Eltern bemerkten erst, dass etwas mit ihrer Tochter nicht stimmte, als der Vater sie eines Nachts sitzend auf einem mit Urin getränkten Kissen entdeckte.

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Die Schülerin hatte vergangenen Januar eine XBox geschenkt bekommen. Kurz danach habe sie das Battle-Royale-Spiel «Fortnite» heruntergeladen, in dem bis zu 100 Gamer ums Überleben kämpfen. «Gegen Mitte März tauchten die ersten Alarmzeichen auf», sagte Mutter Carol (39) dem «Mirror». Der Schulleiter habe ihr und ihrem Mann bei einem Gespräch mitgeteilt, dass ihre Tochter, die bis anhin eine gute Schülerin gewesen war, zweimal während des Unterrichts eingeschlafen sei.

Sie ohrfeigte den Vater

Als das Elternpaar versuchte, mit der Tochter zu reden, wurde sie aggressiv. Die Eltern führten ihr Verhalten auf eine hormonelle Veränderung zurück. Aber kurz danach begann das Mädchen, seine Ballettstunden zu verpassen, auch Sport trieb sie nicht mehr so intensiv wie früher.

Wochen später bemerkten Carol und ihr Mann Richard eine Ausgabe von 50 Pfund (umgerechnet etwa 66 Franken) auf der Kreditkarte. Als sie die Tochter damit konfrontierten, erklärte diese, sie habe das Geld für Spiele-Extras gebraucht. Vater Richard entschied, die Spielkonsole zu konfiszieren. Die Mutter berichtet, dass das Mädchen darauf «meinem Mann ins Gesicht schlug».

Regeln nicht eingehalten

Die Familie vereinbarte fortan klare Regeln: Unter der Woche dürfe die Schülerin eine Stunde pro Tag spielen, am Wochenende zwei. Das Mädchen hielt sich nicht an die Abmachung: Der Vater überraschte die Neunjährige eines Nachts in ihrem Zimmer, wie sie «Fortnite» spielte und auf einem eingenässten Kissen sass, um keine Klopausen einlegen zu müssen.

Weinend erklärte das Mädchen, dass es seit Monaten jede Nacht darauf gewartet habe, bis die Eltern eingeschlafen waren, um sich aus ihrem Zimmer zu schleichen und bis fünf Uhr in der Früh zu spielen. «Wir hatten von all dem keine Ahnung», so die Mutter.

Jüngste Patienten sind acht Jahre alt

Das Mädchen macht derzeit eine Suchttherapie mit dem Psychologen Steve Pope. Die Neunjährige sei nicht der einzige Fall von spielsüchtigen Kindern. «Ich werde jede Woche von Dutzenden Eltern angefragt. Einige der Patienten sind erst acht Jahre alt.»

Für Pope ist es besonders problematisch, dass der Einfluss des Shooter-Games auf das echte Leben so gross sei. Die im Spiel aufgeführten Tänze sind immer öfter in Klassenzimmern, aber auch auf Fussballplätzen aus aller Welt zu sehen. So feiert etwa der Atlético-Madrid-Star Antoine Griezmann seine Treffer mit einem bekannten Move aus «Fortnite».

(kle)