Mercedes-Benz

06. Juli 2018 10:47; Akt: 06.07.2018 10:47 Print

«Wir arbeiten seit '09 an der sinnlichen Klarheit»

Das Automobil-Design des laufenden Jahrzehnts wurde von Mercedes-Benz geprägt. Ein Interview mit Gorden Wagener, dem Designchef der Stuttgarter.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Gorden Wagener, in den vergangenen Jahren haben Sie mit Ihrem Team das Design der Daimler-Marken neu ausgerichtet und dabei Impulse für die gesamte Branche gesetzt. Was ist das Geheimnis Ihrer Designsprache?
Wir arbeiten seit 2009 bei Mercedes-Benz mit und an der Design-Philosophie der «Sinnlichen Klarheit» und haben sie seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. Mit ihr bringen wir einen wesentlichen Aspekt unserer Marken – die Bipolarität aus Intelligenz und Emotion – auf den Punkt. Gutes Autodesign gehört untrennbar zur Inszenierung jeder unserer Marken, vor allem, wenn sie deren Tradition in die Moderne überträgt. So haben wir den traditionellen Luxus von Mercedes-Benz in einen modernen Luxus überführt, die Marke mit dem Stern neu interpretiert und auch für junge Kunden faszinierend, erlebbar und vor allem begehrenswert gemacht.

Welche Rolle spielt das Kundenfeedback?
Wir hören genau zu, was unsere Kunden über unsere Marken und Produkte sagen. Heute möchte der Kunde mit Designprodukten vornehmlich seine eigene Persönlichkeit unterstreichen und seinen eigenen Lifestyle präsentieren. Es geht um die Untermalung der eigenen Individualität und um das Selbst-Belohnen und Gönnen des Besonderen. Eine der wesentlichen Aufgaben meines Designteams ist es, beim Kunden dieses Verlangen zu wecken.

Wie viel Design muss denn am Ende für den Kunden sein?
Für uns ist Design vor allem die visuelle und haptische Ausprägung der Marken und ihrer Werte. Design ist gleichsam ein Ausdruck der Seele der Marken, unserer Inspirationen und der Rückmeldungen unserer Kunden. Das Ziel unserer Arbeit ist, ein konsistentes, erkennbares Erscheinungsbild und eigenständige Markenwelt zu erschaffen. Und zwar überall, wo Kunden und die Öffentlichkeit dem Unternehmen, seinen Marken und Produkten begegnen – egal ob im Fahrzeug, im Retail oder online.

Wohin entwickelt sich Ihre Design-Philosophie?
Luxus ist der zentrale Begriff für unsere Arbeit. Es geht uns dabei weniger um materielle Werte, sondern um ein authentisches, emotionales Erlebnis und höchste Ästhetik. Wir wollen für unsere Kunden ein ganzheitliches Erlebnis aus dem Dreiklang Marke, Produkt und Digital schaffen.

Wie schaffen Sie diese Marken-Ästhetik?
Um Komplexes einfach zu machen, braucht es vielschichtige Denk- und Arbeitsweisen, die im zweiten Schritt auf einfache Botschaften und Eindrücke reduziert werden. Wir haben im Dialog mit unseren Marketing-Kollegen analysiert, welche DNA in den einzelnen Marken steckt: Wo kommt die Marke her? Welche Eigenschaften prägen sie? Welche Design-Merkmale sind charakteristisch? Was schätzen die Kunden an ihr? Auf dieser Basis haben wir für all unsere Marken eine jeweils unverwechselbare Ästhetik definiert.

Was sind für Sie die grössten Herausforderungen beim Autodesign für morgen?
Gerade die digitale Transformation stellt auch uns Designer vor neue Aufgaben. Ein gutes Beispiel ist die neue A‑Klasse. Als erstes Modell von Mercedes-Benz erhält sie das völlig neue Multimediasystem MBUX (Mercedes-Benz User Experience). Mit der neuen MBUX Generation überführen wir unser User Interface Design in die digitale Welt. Wir transferieren somit intelligente Technologie in ein emotionales Gesamterlebnis.

Welcher Trend wird aus Ihrer Sicht der dominierende in naher Zukunft sein?
Der Innenraum jedes Automobils wird in Zukunft enorm an Bedeutung gewinnen, er wird zum «third place», neben dem «home» und dem «office».

(lie/pd)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ronny C. am 06.07.2018 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Die hohe Schule

    Es fasziniert immer wieder, wie man über belangloses, generisches Design und ein paar billige TFT-Schirme so viele Sätze sagen kann. Es schient, als würde der Design-/Marketingphrasengenerator, ähnlich einem Bot, einfach nichtssagende, aber gut klingende Wort-Kombinationen zusammenwürfeln. Das ist hohe Marketingschule, das muss man neidlos eingestehen.

    einklappen einklappen
  • IndyCars am 06.07.2018 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin beeindruckt..

    Genau, das neue Multimedia-System MBUX mit den hineingestellten, aufgesetzten Bildschirmen - das "Design-Highlight" im Innenraum, "sinnliche Klarheit" als "emotionales Gesamterlebnis" im zukünftigen "third place" - wollte ich auch schon lange mal schreiben... ;-)

  • Beulenindividualist am 06.07.2018 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt gar viel Geschwafel

    Sinnliche Klarheit?! - Da hat der Marketinggefaselgott ja wieder aussagekräftig zugeschlagen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike Andermatten am 10.07.2018 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Frage an Herrn Gorden Wagener:

    Wie soll ich in einem der heutigen Wagen meine Individualität ausleben, wo doch alle praktisch gleich daher kommen? PS. im Vergleich zu den 50-er bis 70-er Jahren ist diesbezüglich ein klarer Rückschritt erkennbar.

  • Thomas V. Glotzer am 08.07.2018 11:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sinnlich?

    Der Jaguar E Type und die Corvettes der 60er und 70er Jahre waren vom Design her sinnliche Autos. Aber die Mercedes A Klasse? Echt jetzt?

  • Ach so! am 07.07.2018 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kostenfalle

    Jetzt nach dem Lesen dieses Gefasels verstehe ich erst, weshalb die Autos von diesem Hersteller so teuer sind. Ein Drittel der Kosten entstehen beim Marketing und ein Drittel im Verkaufspalast. Der Rest ist dann effektiv fürs Auto.

  • Greg am 07.07.2018 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chevrolet Nomad

    Heutige Autobauer können noch soviel sinnliches Klarheitsgelabber produzieren, der Seifeneinheitsbrei ist und bleibt die Realität.

  • Ken-Guru am 07.07.2018 10:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mercedes fahren

    Wenn ich Mercedes fahren will, dann rufe ich mir ein Taxi. Und als Anmerkung, die neue A Klasse sieht echt aus wie ein 10 Jahre alter Koreaner.