Car of the week

01. Juni 2018 05:00; Akt: 01.06.2018 07:40 Print

Die Rückkehr der Schlange, Teil 3

von Michael Köckritz - Die Dodge Viper gehört zum Mythos der amerikanischen Autokultur wie die Corvette oder die Cobra und sorgte ein Vierteljahrhundert lang für enorme Adrenalin-Schübe. Letztes Jahr wurde die Produktion eingestellt – jetzt soll sie mit einem V8-Motor wiederkommen.

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Die Viper war schon immer ein bisschen der Donald Trump unter den Sportwagen. Nicht unbedingt ein Ausbund an gutem Geschmack und kultivierter Zurückhaltung, aber immens stark im öffentlichen Auftritt. Wo auch immer die Viper in den zweieinhalb Jahrzehnten ihres Daseins in Erscheinung trat, immer hinterliess sie schwarze Reifenspuren auf dem Asphalt. Manches Mal auch das eine oder andere Karosserieteil, das sich – durchgeschüttelt durch die enormen Vibrationen des monströsen V10-Motors – von seinem angestammten Platz löste.

Im Gegensatz zum derzeitigen amerikanischen Präsidenten hingegen verschwand der ikonische Muskelprotz letztes Jahr von der Bildfläche, genauer gesagt wurde seine Produktion eingestellt, da der Fiat-Konzern das Connor Center Montagewerk für ein Automuseum benötigte. Das hätte durchaus etwas von einem Lehrstück, denn angesichts der Chronik der Viper überraschen spontane Unterbrechungen eher nicht. Schon einmal, im Jahr 2010, stellte Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne die Produktion aus finanziellen Gründen ein – und kündigte zwei Jahre später eine neue Generation der Viper an.

Ein 8-Zylinder scheint angebracht

Auch dieses Mal scheint, Mark Twain möge mir verzeihen, die Nachricht vom endgültigen Aus etwas verfrüht, denn der fahrende Anachronismus soll wieder auferstehen – jedenfalls, wenn man der US-Zeitschrift «Car and Driver» Glauben schenkt. Ein naheliegender Gedanke, zumal die sechs- und siebenhundert PS-starken Boliden zur Zeit die Auftragsbücher füllen. Aber dieses Mal soll, so verspricht man, die Viper auch in der Lage sein, Kurven jeglicher Krümmung anstandslos zu durchfahren.

Geopfert werden aufgrund der Produktionskosten zwei der zehn Zylinder, die bisher in bester Viper-Tradition für den gewünschten Halswirbel-gefährdenden Vortrieb sorgten. Dieses Manko sollte nur vorübergehend für Sorgenfalten unter Viper-Fans sorgen, denn FCA hat ja ein paar potente Achtzylinder im Lager, die sich gut unter der mächtigen Fronthaube machen könnten, so zum Beispiel das V8-Hemi-Aggregat des Chrysler Hellcat mit über 700 PS und 880 Nm. Gemunkelt wird ebenfalls von einem Spaceframe-Chassis mit einem Kohlefaser/Aluminium-Body, offen und geschlossen, gepaart mit einem Fahrwerk, das in Italien entwickelt werden soll. FCA hätte da ein paar Spezialisten unter den vielen Tochterfirmen.

Offizielle Ankündigung wohl auf der Detroiter Auto-Show 2019

Solch unamerikanische «sophistication» mag dem Machismo-Mythos der Viper etwas Abbruch tun. Bisher liebten die Fans eine etwas, na, sagen wir mal ungezähmtere Version des Fahrverhaltens, genossen die Zahnwurzel-schädigende Vibrationen und ignorierten mangelndes Passverhalten diverser Karosserieteile beim Durchfahren mittelschneller Kurvenpassagen, von Strassenhaftung bei ungestümen Gasgeben am Scheitelpunkt ganz zu schweigen. Trotzdem besteht kein Grund zu übermässiger Sorge: Der Motor verbleibt zwischen Vorderachse und Lenkrad, auch einen Handschalter wird es neben der Automatik-Variante geben. Und die Beschleunigungswerte dürften unter jenen 3,6 Sekunden liegen, die die Chrysler Hellcat-Verwandtschaft auf die Hundert liefert.

Die offizielle Ankündigung erwarten die Fans der Viper auf der Detroiter Auto-Show NAIAS im nächsten Januar. Der Produktionsbeginn sei für 2020 oder 2022 geplant, rechtzeitig zum 30. Geburtstag der Viper, sagte «Car and Driver», das offensichtlich über einen ausgezeichneten Draht zur Dodge-Führungsebene verfügt. Allerdings hat die Zeitschrift die Meldung auf ihrer Website inzwischen zurückgezogen. The mystery continues.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ronny C. am 01.06.2018 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    Günstiger Sportwagen

    Ich bin froh, noch eine der letzten GTS mit 8.4l-Motor gekauft zu haben. Der Wagen macht unglaublich Spass und ist auch als Gran Turismo für längere Reisen brauchbar, dafür waren die Vorgängermodelle zu unbequem. Es gibt für die Rennstrecke sicher bessere Wagen (bzw. Versionen), aber für ab und zu eine Runde in Dijon reichts. Das beste an der Kiste ist der Preis, es gibt kaum irgendwo soviel Leistung und Fahrspass fürs Geld, vielleicht noch bei der Corvette.

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  • Roger am 01.06.2018 06:44 Report Diesen Beitrag melden

    Kein V10

    Schade dass dieses Downgrading von V10 auf V8 momentan so Mode ist

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  • Eidgenosse am 01.06.2018 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Pflicht für CH

    Jeder Schweizer müsste eine Viper kaufen müssen, per Gesetz.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Plotz am 04.06.2018 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    Linie

    Mochte irgendwie die Linienführung der Viper nie. Sieht aus, als sei was schweres in die Mitte des Autos gefallen...

  • Turbovic am 03.06.2018 22:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    minimum V8 ;-)

    Egal welche, mir gefallen Sie alle! Von alt bis neu ist die Dodge Viper einfach nur der absolute Hammer! Von V10 zu V8 kann man gut verkraften.... Ein no Go wäre auf V6 Motoren umsteigen!

  • linkent am 03.06.2018 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dream

    Für mich eine der geilsten Karren ever

    • Illumination am 03.06.2018 13:31 Report Diesen Beitrag melden

      @linkent

      Für mich auch - "archaischer und animalischer" geht kaum... ;-) Aber solche Motoren haben leider keine Zukunft mehr - ausser scheinbar bei Aston Martin im neuen Supersportwagen RB 001 ab 2019/20 (150 Strassen-/25 Rennversionen - in Zusammenarbeit mit Red Bull) - Mittelmotor-SAUGER/Cosworth V12/6,5 l, Strassenversion um 850PS, Rennversion angeblich über 1000 PS.. AM hat noch kein einziges Fahrzeug produziert, aber alle 175 Stück sind ausverkauft - mit Preisen um 3,0 Mio. natürlich auch eine ganz andere Liga.. ;-)

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  • socom am 02.06.2018 14:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich warte noch immer...

    .... bis der erste tesla jünger kommt, und sagt, dass er schneller sei. und der erst mieter eines geleasten M3 fehlt auch noch, der denkt, sein kinder auto sei besser :-)

    • Dondo am 02.06.2018 22:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @socom

      Genau genommen hat ihr Beitrag nix mit dem eigentlichen Thema zu tun. Im Grunde nur Provokation... Ja, ein Tesla hat für mich auch nicht viel mit klassischen Automobil Emotionen zu tun, jedoch rammt so ein P100D so ziemlich alles in Grund und Boden von 0 - 100. Is einfach so... Würden sie sich etwas mehr mit Autos beschäftigten, würden sie einen M3 nie und nimmer als Kinderauto bezeichnen, unabhängig wer ihn fährt und ob er geleast wurde oder nicht. Ein M3 (für mich bis zum E46 CSL) ist eine absolute Ikone. Genauso wie Integrale, Celica, Skyline oder Mercedes 190 Evo... Gruss

    • sandkasten am 05.06.2018 15:31 Report Diesen Beitrag melden

      @socom

      stimmt, kann man alles nicht brauchen; Viper, tesla, M3 usw. Sind übrigens keine Kinderautos sonders für pubertierende ¦-D

    • Danda am 06.06.2018 16:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dondo

      Concept One und Concept Two stampfen deinen Tesla in den Boden

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  • socom am 02.06.2018 14:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kult

    ein fahrzeug, dass mehr kult und emotionen hat, als alle deutschen möchtegern premium marken miteinander. ich durfte mal eine ACR fahren.... geil ist nur der vorname!