Car of the week

06. Juli 2018 05:00; Akt: 06.07.2018 07:03 Print

Die Macht und die Schönheit

von Michael Köckritz - Nissan und Italdesign machten sich gegenseitig zum 50. Geburtstag ein Geschenk und entwickelten einen besonderen GT-R. Und sollte der Nissan GT-R50 so kommen, dürfen wir alle das Präsent aufmachen.

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Traumwagen sind per Definition der «stuff of dreams». So voller Luxus, Kraft oder Schönheit, dass sie von der Realität losgelöst scheinen. Meistens sind sie unerschwinglich, oft gibt es sie nur auf dem Papier oder auf den glamourösen Ständen der Autoausstellungen zu sehen.

Jetzt reiht sich Nissans Jubiläumsausgabe des GT-R in die illustre Gemeinde der Dream Cars ein. Kaum zu glauben, dass es den legendären Kraftbolzen schon 50 Jahre geben soll. Aber im Jahr 1969 erschien er zum ersten Mal als Skyline GT-R, eine High-Performance-Bombe von Nissan, die konkurrierende Sportwagenentwickler und Designer in aller Welt bis in ihre Träume verfolgte, nur um fünf Jahre später spurlos zu verschwinden. Dann grub Nissan den GT-R wieder aus, 30 Jahre ist das her, und dieses Mal produzierten sie ihren Vorzeigesportler – in übersehbarer Stückzahl – bis ins Jahr 2002. Seither nimmt der GT-R eine Ausnahmestellung unter den Supersportwagen ein, vergleichsweise erschwinglich für die Klasse, leistungsmässig jedoch auf Augenhöhe mit den Grossen.

Im gleichen Jahr, indem der Skyline GT-R das Licht der Showrooms erblickte, eröffnete ein junger italienischer Designer namens Giorgietto Giugiaro sein Turiner Studio, das später unter dem Namen Italdesign Weltruf erreichte. Giugiaro designte den ersten VW Golf und einige Bugattis – woraufhin Audi später Italdesign aufkaufte, aber das soll hier nichts zur Sache tun. Da heuer sowohl Italdesign als auch der GT-R ihren Fünfzigsten feiern, hatte wohl nichts näher gelegen, als zusammen ein Auto zu entwickeln. So viel zur Vorgeschichte des Nissan GT-R50.

Ein Hingucker, wenn auch ein wenig gewöhnungsbedürftig

Seien wir ehrlich, keiner der bisherigen GT-Rs bestach durch besondere Schönheit, vielmehrbeeindruckten die Modelle durch ihre enorme Kraftentfaltung. Nicht umsonst bekamen die alten GT-Rs den Spitznamen Godzilla. (Dass die Wahl auf Italdesign fiel, lag also nicht nur an der Altersgleichheit.) Der 50 hingegen ist ein Hingucker, wenn auch ein wenig gewöhnungsbedürftig. Die Cinerama-Goldverzierung über die gesamte Wagenbreite, am Heck und an den Kotflügeln muss man mögen, dafür ist das Interieur angenehm spartanisch, allerdings ebenfalls hier und da vergoldet. Drei Kippschalter, zwei Drehknöpfe und ein grosses Instrument am schwarzen Armaturenbrett lenken den Fahrer nicht von seiner Hauptaufgabe ab, den Nissan unter Kontrolle zu halten. Und die Sitze versprechen Seitenhalt auch dann noch, wenn das Handy schon längst an der Seitenscheibe klebt.

Die unmittelbare Inspiration für die Linienführung kommt wie vieles in letzter Zeit aus der Videokonsole. Die Designer, die den GT-R für «2020 Vision Gran Turismo» zeichneten, waren auch an der Entwicklung des 50 beteiligt. Insgesamt war das Design, so wird gesagt, eine enge Kooperation zwischen Italdesign und den Nissan-Studios in Europa und den USA.

«Plötzlich sieht der GT-R richtig cool aus»

Viel haben sie nicht gemacht, aber es ist erstaunlich, wie sehr ein gekonnter «Nip-and-Tuck» das Aussehen verbessert. Hier ein wenig das Dach gesenkt (54mm), da ein wenig die Fahrzeuglänge gestreckt (94mm) und in die Breite gezogen (96,5mm), und – voila! – plötzlich sieht der GT-R richtig cool aus. Die C-Säule dient nicht mehr als drakonische Zäsur, sondern gibt dem Ganzen ein schnittiges Profil. Die Heckscheibe in V-Form und ein bisschen gezogen, neue runde Heckleuchten und – besonders wichtig – 21-Zoll-Räder, fertig ist Schönheits-OP. Und, ich geb’s ja zu, selbst die Vergoldung beeindruckt, wenn die Beleuchtung stimmt.

Unter der Haube funktioniert die «a snip here a snip there»-Methode ebenfalls. Das Antriebsaggregat stammt mehr oder weniger aus dem GT-R NISMO: ein Twin-Turbo 3,8 Liter V6 mit 720 PS und 780 Nm. Die Leistungssteigerung kommt von zwei grösseren Turboladern, neuen Kolben, Pleueln und einer überarbeiteten Kurbelwelle. Die halsbrecherische Kraft geht über ein verstärktes Differential und Antriebswellen und über die bewährte Doppelkupplung auf die Strasse, den Brembo-Bremsen wurde deutlich mehr Biss gegönnt.

Ob der Nissan GT-R50 so auf den Markt kommen wird, muss man abwarten. Die Chancen stehen gut, zumindest für eine limitierte Auflage, wobei die 220'000-Franken-Marke, die der Preis wahrscheinlich überschreiten wird, das Problem der Klientelsondierung simplifizieren wird (der GT-R Nismo kostet 209'000 Franken).
Entgegen landläufiger Meinung sind Träume eben nicht umsonst.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ronny C. am 06.07.2018 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    So muss das sein

    Das Heck sieht aus wie das Auto eines Bond-Bösewichts aus den 1960er mit diesem Gold, aber der Rest ist gelungen. Präzise und zuverlässige Japan-Technik, kombiniert mit dem Design aus Italien. So muss das sein, hoffe Nissan legt noch ein paar Sondermodell auf.

  • Mensch am 06.07.2018 08:21 Report Diesen Beitrag melden

    Man man man

    Das ist ja wohl der Geilste GT-R den es je gegeben hat. Will haben aber leider etwas teuer :-( naja dann warte ich eben bis es in Occ. gibt ;-)

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  • Stavi am 06.07.2018 05:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weniger mehr

    Warum eigentlich immer kleinere Motoren? Mehr PS aus weniger Ccm. On das für die Motoren gesund ist... Siehe Audi S4 mit 2.9L.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Manuel am 06.07.2018 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    Und der Motor?

    Wie lange hält der so?

    • Futureboy am 06.07.2018 21:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Manuel

      Verglichen mit den Audi-Motörlis eine Ewigkeit.

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  • Turbovic am 06.07.2018 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mehr Power!

    yeaaa, was ist besser als ein Turbolader??? Richtig, zwei grosse Turbolader! Ach ich liebe Turbogeladene Motoren! ;-) Mein Gott ist das ein tolles Auto!

    • @Illuminator am 07.07.2018 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Turbovic

      Es gibt auch Lebewesen denen würde ein Turbolader gut tun, dann wären sie beim Arbeiten schneller. Viele tragen den Turbo im Namen.

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  • Ferdi am 06.07.2018 16:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heitarasiach

    Warum bekomme ich keinen geschenkt? Gib gib!

    • @Profi am 07.07.2018 07:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ferdi

      Immer geschenkt, macht was dafür und nicht immer nur wollen! Der Girr steckt in dir, du fühlst dich wie ein Tier.

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  • Biker1963 am 06.07.2018 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    V8

    Ford Mustang 2018 stand Pate

  • Silvio am 06.07.2018 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Nissan Skyline GT-R Hakosuka KPGC10

    Der hatte noch anständig Ecken und Kanten. Ein japanisches Kultauto mit Wiedererkennungswert. Bei diesem hier weiss man nicht mehr ob es ein Lamborghini oder das Batmobile ist. Zu Schade um dieses ehemals geile Auto.

    • Mensch am 06.07.2018 11:48 Report Diesen Beitrag melden

      Beide Cool

      der einte ist halt voll Retro und hat definitiv sein Charme aber der neu ist trotzdem GEIEL ich mag eben beides.

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