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16. April 2018 15:49; Akt: 17.04.2018 00:17 Print

Ein Blick auf Zyperns Geister-Flughafen

von Meret Steiger - Staub, Stacheldraht, kaputte Möbel: Der Nicosia International Airport in Zypern zerfällt seit 44 Jahren.

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Stacheldraht, verlassene Flugzeuge und Verfall: So sieht es auf dem Nicosia International Airport auf Zypern aus. Erbaut wurde der Flughafen in den Dreissigerjahren. Da Zypern damals unter britischer Herrschaft stand, war es auch der Sitz der Royal Air Force – und noch heute gehört der Flughafen offiziell dem British Ministry of Defence. Das vom dem Nicosia International Airport eigentlich keine normalen Passagierflüge starten oder landen sollten, zeigte sich damals vor allem in der Ausstattung. Es gab nur drei Hangars, die als Zollamt, Einwanderungsbehörde und Sitz der Luftfahrtbehörde gleichzeitig dienten. 1949 wurde das erste Terminal gebaut, 1959 erweitert. 1968 wurde ein zweites Terminal gebaut und das alte künftig von Flugschulen genutzt. Im neuen Terminal gab es Platz für bis zu 800 Passagiere und 11 Flugzeuge. 1974 sollte das Terminal ausgebaut werden und Platz für 16 Flugzeuge schaffen – so weit sollte es allerdings nie kommen. Im Sommer 1974 begann der Zypernkonflikt zwischen den griechisch-zyprischen und den türkisch-zyprischen Gebieten. Ein Drittel von Zypern wurde von türkischen Streitkräften besetzt, nachdem sich der griechische Teil Zyperns an Griechenland anschliessen wollte. Während dieses Konflikts, am 20. Juni 1974, zerstörten türkische Flugzeuge zwei der drei Jets von Cyprus Airways und Teile des Flughafens. Die UNO erklärte den Nicosia International Airport kurz darauf zur Pufferzone zwischen den beiden Gebieten. Für den Tourismus auf Zypern war das eine kleine Katastrophe: Es gab nicht nur nur noch ein Flugzeug, es musste auch auf einen kleineren Militärflughafen ausgewichen werden. Seit die UNO den Flughafen zur Pufferzone erklärt hatte, mussten beide Parteien mindestens 500 Meter Abstand halten. Das machte den Flughafen faktisch unbenutzbar. Heute stehen dort zwar aktive Helikopter der UNO ... ... der kommerzielle Flugbetrieb wurde aber nicht mehr aufgenommen.

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Der Nicosia International Airport (Griechisch: Διεθνές Αεροδρόμιο Λευκωσίας, Türkisch: Lefkoşa Uluslararası Havaalanı) ist ein fast gänzlich verlassener Flughafen einige Kilometer von Nikosia, der Hauptstadt Zyperns, entfernt.

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In Kriegen genutzt

Erbaut wurde der Nicosia International Airport in den Dreissigerjahren. Da Zypern damals unter britischer Herrschaft stand, war es auch der Sitz der Royal Air Force – und noch heute gehört der Flughafen offiziell dem British Ministry of Defence, dem Verteidigungsministerium der Briten. Ursprünglich sollte der Flughafen nur für militärische Zwecke genutzt werden, ab 1948 flogen ihn aber auch kommerzielle Airlines an.

Davor, in den Jahren 1943/44, wurde die Infrastruktur auch von amerikanischen Bombern genutzt, die von den Luftangriffen auf Ploiești, eine Stadt unter damals deutscher Herrschaft, zurückkehrten. Mit den Bomben sollten Erdölförderanlagen zerstört werden, damit den Deutschen Treibstoff fehlt.

Nicht für kommerzielle Nutzung ausgelegt

Dass vom Nicosia International Airport eigentlich keine normalen Passagierflüge starten oder landen sollten, zeigte sich damals vor allem in der Ausstattung: Es gab nur drei Hangars, die als Zollamt, Einwanderungsbehörde und Sitz der Luftfahrtbehörde gleichzeitig dienten. Ein Restaurant wurde zudem von NAAFI geführt, einer Organisation, die die britischen Streitkräfte und ihre Familien versorgt.

1949 wurde das erste Terminal gebaut, 1959 erweitert. 1968 wurde ein zweites Terminal gebaut und das alte danach von Flugschulen genutzt. Im neuen Terminal gab es Platz für bis zu 800 Passagiere und 11 Flugzeuge. 1974 sollte das Terminal ausgebaut werden und Platz für 16 Flugzeuge schaffen – so weit sollte es allerdings nie kommen.

Zwischen den Fronten

Im Sommer 1974 begann der Zypernkonflikt zwischen den griechisch-zyprischen und den türkisch-zyprischen Gebieten. Ein Drittel von Zypern wurde von türkischen Streitkräften besetzt, nachdem der griechische Teil Zypern sich an Griechenland anschliessen wollte. 1983 wurde die bis heute nicht anerkannte türkische Republik Nordzypern gegründet.

Während dieses Konflikts, am 20. Juni 1974, zerstörten türkische Flugzeuge zwei der drei Jets von Cyprus Airways und Teile des Flughafens. Die UNO erklärte den Nicosia International Airport kurz darauf zur Pufferzone zwischen den beiden Gebieten. Für den Tourismus auf Zypern war das eine kleine Katastrophe: Es gab nicht nur bloss noch ein Flugzeug, es musste auch auf einen kleineren Militärflughafen ausgewichen werden.

Pufferzone und Militärstandort

Seit die UNO den Flughafen zur Pufferzone erklärt hatte, mussten beide Parteien mindestens 500 Meter Abstand halten. Das machte den Flughafen faktisch unbenutzbar. Heute stehen dort zwar aktive Helikopter der UNO, der kommerzielle Flugbetrieb wurde aber nicht mehr aufgenommen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel80 am 16.04.2018 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es hat noch einen

    Es gibt noch so einen Flughafen Wo?? Ja genau in Berlin/Brandenburg

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  • Letzi Parker am 16.04.2018 16:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geister Stadt

    Ihr habt noch die Gross-Stadt Famagusta vergessen, von welcher nur ein kleiner Teil auf türkischer Seite bewohnt wird.

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  • pascal de Orto am 16.04.2018 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    Nicosia Airport

    Der alte Flugahfen sieht im vergelich zum aktuellen nicht viel schlechter aus

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ein Leser am 19.04.2018 21:33 Report Diesen Beitrag melden

    Zypern Urlaub

    Der griechische Teil von Zypern ist sehr schön. Ist jedem zum empfehlen.

    • Zypern fan am 20.04.2018 07:03 Report Diesen Beitrag melden

      Schöne Rundreise im Türkischen Teil!

      Wir bereisten beide Teile und waren überrascht, wie gut die Hotellerie auch im türkischen Teil ist. Sehr gute Küche und freundliches Personal. Nur die Strände sind nicht so sauber, da wächst Plastik noch und noch. Ob das von den Casinobesuchern ist?

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  • senfei am 17.04.2018 16:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BER

    Ist das der Berliner Flughafen?

  • KickerOnFire am 17.04.2018 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geil !

    Kann man dort Ferien machen ? Pool aufstellen und so. Für die Insta-Generation schlicht "The place to be" !

  • Daphne am 16.04.2018 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geisterstadt: Auflösung Famagusta/Ammochostos/Varo

    Varosha ist der ehemalige griechisch zypriotische Stadtteil von Famagusta (griechisch Ammochostos, mit dem schönsten Strandabschnitt von ganz Zypern) und eine Geisterstadt die innerhalb von 2 Tagen im Aug. 1974 von den Türken okkupiert wurde und seit damals zur Sperrzone gehört. Varosha war die Perle des Tourismus in Middle East und meist griechisch Zyprioten Besitzer der Hotels. Famagusta ist heute eine rein türkische Stadt im türkisch zypriotischen Teil. Da kein Recht richtig wiederlegen kann wem nun das Land gehört und wer welchen Besitzanspruch hat wird die Situation so bleiben...

    • Max Ehrle am 16.04.2018 23:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Daphne

      Eines ist klar, Zypern gehört nicht den Türken.

    • Daphne am 16.04.2018 23:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Max Ehrle

      Nein es gehört den Zyprioten... die Türken die die letzten 30 Jahre angesiedelt wurden haben leider auch gar nix mit dem Land zu tun. Dies macht die Situation noch schwieriger

    • Kenner am 16.04.2018 23:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Daphne

      Ein Grenzzaun trennt die Stadt Famagusta. Der geht zwischen den Häusern durch. Warst offenbar nie in diesem kleinen, türkisch bewohnten Teil.

    • Daphne am 17.04.2018 00:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kenner

      Oh doch da war ich schon mehrmals.

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  • Jakob Braidt am 16.04.2018 21:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Varosha

    ...und erst Varosha. Das ist auch so ein Endzeit Platz auf Zypern. Unglaublich faszinierend.

    • Lembrançer am 16.04.2018 22:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jakob Braidt

      Und das Trodos Gebirge mit einem 300 meter langem Skilift und einem Kloster. wo die Mönche abends die Schlangen füttern.

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