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Schwimmende Festungen

09. Juni 2018 17:03; Akt: 09.06.2018 17:03 Print

Die vergessenen Forts von St. Petersburg

von M. Steiger - Einst beschützte eine Reihe von schwimmenden Festungen die russische Stadt St. Petersburg vor Angriffen vom Meer.

Die meisten Forts wurden Anfang des 18. Jahrhunderts gebaut.
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Die Millionenstadt St. Petersburg liegt am finnischen Meerbusen an der Ostsee. Zum Schutz der russischen Stadt gab es einst eine ganze Reihe von schwimmenden Festungen vor der Küste und um die Insel Kotlin, die rund 30 Kilometer vor St. Petersburg liegt. Gemeinsam schützten diese Festungen St. Petersburg vor Angriffen.

Über 300 Jahre alt

Die meisten Festungen wurden bereits kurz nach der Gründung von St. Petersburg gebaut: Sie stammen von 1700 bis 1721, dem Zeitraum des Grossen Nordischen Krieges über die Vorherrschaft im Ostseeraum. In den folgenden Jahrzehnten baute Russland über 40 solcher Forts im finnischen Meerbusen, rund die Hälfte davon auf aufgeschütteten Inseln.

Eine der bekanntesten Festungen ist das Fort Alexander. Es wurde von Nikolaus I., dem damaligen Kaiser von Russland, 1838 in Auftrag gegeben und nach dessen Bruder, Alexander I., benannt. Auch Fort Alexander befindet sich auf einer künstlichen Insel.

Künstliche Inseln

Um die Inseln zu schaffen, wurden über 5500 Pfähle in den Meerboden gebohrt und anschliessend mit mehreren Lagen Sand, Beton und Granit bedeckt. Darauf wurden die Forts, alle mit einem Innenhof, gebaut. Fort Alexander beispielsweise misst 5400 Quadratmeter, hat drei Stockwerke und Platz für bis zu 1000 Menschen. Es gibt 103 Öffnungen für Kanonen.

Genutzt wurden die glücklicherweise nie: Fort Alexander war nie Teil einer militärischen Aktion. Allein die Existenz dieser Festungen soll angeblich die Royal Navy und französische Kriegsschiffe abgeschreckt haben und so einen Angriff auf den Marinestützpunkt Kronstadt verhindert haben.

Machtlos gegen neue Waffen

Die Festungen verloren ihre Daseinsberechtigung mit der Entwicklung neuer Waffen und Kriegsmethoden. 1897 wurde die Festung in ein Forschungslabor umgewandelt, um Krankheiten wie Cholera, Tetanus (Wundstarrkrampf) und Scharlach zu erforschen.

Die Forscher experimentierten auch mit Yersinia pestis, dem Bakterium, das die Pest auslöst. Von da hat Fort Alexander seinen Spitznamen: Fort Pest.

1917 übernahmen die Kommunisten, das Labor wurde geschlossen und die Festung an die russische Marine übergeben. Die nutzte Fort Alexander hauptsächlich als schwimmenden Laggerraum, bis sie es 1983 verliess. Seit den späten Neunzigern finden auf Fort Alexander Privatpartys und Raves statt, die Insel kann besichtigt werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Flixi am 09.06.2018 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kaiser?

    Russlands damaliger Herrschertitel war Zar, nicht Kaiser.

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  • Marcel am 09.06.2018 17:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pfahlfundament

    wenn da Pfähle im Boden sind, ist das wohl kaum eine schwimmende Festung..

  • a.s. am 09.06.2018 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    Erinnerungen an Fort Boyard

    Der Beitrag erinnert mich gleich an das französische Fort Boyard und die damals dort gedrehte Spielshow, welche ich immer gern geschaut habe;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roger Rabiat am 10.06.2018 14:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwimmende Festungen?

    Ich denke nicht das die schwimmen....

  • Winfried am 09.06.2018 21:14 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts los, heute?

    Warum gibt es eine mehrtägige Berichterstattung über eine einzige überflutete Turnhalle? So schlimm scheints im wilden Osten ja gar nicht zugegangen zu sein, oder?

  • Casile am 09.06.2018 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht vergessen.

    Die Dinger sind eine beliebte Party Variante. Also für die mit Geld, richtig viel Geld.

  • M.G. am 09.06.2018 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    Schon 1855 überholt

    Während des Krimkrieges kreuzten eine britische und eine französische Flotte in der Ostsee auf und nahmen verschiedene russische Häfen unter konzentriertes Feuer. Dabei wurden von der französischen Marine erstmals 3 gepanzerte Schiffe eingesetzt denen die grossen Geschütze der russischen Festungsinseln nichts mehr anhaben konnten. Nach dem Verlust von Sewastopol das bei der französisch-britischen Belagerung völlig zerstört wurde blieb Zar Alexander II. nichts weiter übrig als einzulenken weil die technische Überlegenheit der französischen bzw. britischen Armeen und Flotten zu gross war.

    • Blyad Wowa am 10.06.2018 13:36 Report Diesen Beitrag melden

      Geschichtsunterricht

      Die Russen waren schon damals wie heute schlicht schwach und unterlegen, was lehren wir daraus? die Krim war nicht immer russischen, übrigens gehört alles hinter dem Ural den Mongolen, wann gibt Putin das dem rechtmässigen Eigentümer zurück?

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  • Markus am 09.06.2018 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Faktenprüfung?

    Schwimmend? Wohl kaum! Übrigens heisst das in Russland Zar und nicht Kaiser.

    • eine russin am 09.06.2018 19:45 Report Diesen Beitrag melden

      "Zar" ist Kaiser

      Das Wort "Zar" bedeutet nichts anders als "Kaiser", ist ein Titel. Wenn wir über andere (ausländische) Kaiser reden, sagen wir auch "Zar", "Zariza" etc.

    • Stefan am 09.06.2018 21:16 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht ganz

      Nicht ganz. Zar kommt von Cesaren. Ist eigentlich eine Ableitung des Römisch Titel, da sich diese in direkter folge zu diesen sahen. Das 3. Römisch-reich war Russland, nach dem Konstantinopel fiel. Auch der Kaiser hat seinen Ursprung in Rom, wurde dann im Heiliges Römische Reich benutze.

    • Bettina am 10.06.2018 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Stefan

      Kaiser kommt auch von Caesar. Der Name wurde damals übrigens Kesar und nicht Zesar ausgesprochen.

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