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Japan-Blog

26. Mai 2018 11:29; Akt: 26.05.2018 11:29 Print

So geht Velofahren in Japan

von Ronja Sakata - In Japan sind alle mit dem Velo unterwegs – das Grosi mit dem Dreirad, der junge Vater mit einer Luxuskabine für den Nachwuchs.

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In Takatsuki bei Osaka stehen morgens um 8 Uhr am Rotlicht 50 Menschen und 30 Fahrräder beim Fussgängerstreifen und warten, bis es grün wird. Die Velofahrer spielen untereinander das Spiel «Wer ohne Abstehen die Balance halten kann, bis es grün wird, hat gewonnen!» Die zufriedene 90-jährige Grossmutter mit ihrem Dreirad für Erwachsene spielt nicht mit, sie hat schon gewonnen, denn sie kippt sicher nicht um. Wenn es grün wird, sausen die Velos voraus, über die Kreuzung.

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Alle fahren Velo in Japan. Tausende von Velos stehen um die Bahnhöfe, in den Shoppingarkaden und einfach überall herum. Bei den Bahnhöfen wird die «Veloseuche» richtiggehend bekämpft, denn wenn ein Velo abgestellt wird, wird daraus ganz schnell eine ganze Kolonie, jeder stellt seines noch dazu.

Komfort für die Kleinen

Die billigsten Exemplare kosten 50 Franken. Da ist nicht viel mehr dran als zwei Räder, ein Sattel und die Lenkstange – ein normales Modell kostet um die 120 Franken. Das hat auch noch keine Gangschaltung, aber das omnipräsente Körbchen an der Lenkstange ist dafür dabei. Wer in einer Stadt ohne Hügel unterwegs ist, kauft sich das Standardmodell.

Wer Kinder transportieren will, investiert in stabilere Gefährte. Seit letztem Jahr sind ganz lange Velos im Trend, auf denen hinten und vorne Platz ist für einen Kindersitz. Die Sitze sind inzwischen richtige Luxuskabinen, optional mit Polster und Regenschutzzelt. Da sieht man frühmorgens die kleinen Prinzen und Prinzessinnen in ihren Kindergarten- oder Krippenuniformen durchschimmern.

Halsbrecherische Szenen

Velohelme sind so selten zu sehen wie in der Schweiz vor 20 Jahren. Dafür sind die E-Bikes auch in Japan angekommen. Die Lastenvelos, ob mit oder ohne Kindersitz, und die Grosseltern-Dreiräder, wie das von Tante Aiko in Kyushuu, sind mit Elektromotor erhältlich. Die Dreiräder sind hinten mit grossem Gepäckkorb ausgestattet, oder es ist eine kleine Sitzbank zum Verweilen montiert. So sind Pensionäre mit dem «unkippbaren» Velo so lange mobil, wie sie wollen.

Überall sind so viele Velos unterwegs und doch ist dieses Verkehrsmittel – wie vielerorts – leider nicht mehr als geduldet. Auf den stark befahrenen Hauptstrassen, die durch die mittleren Grossstädte führen, sind Velos zwar erlaubt, doch nur wer sehr sicher fährt wagt sich auf diese Strassen. Auf den holprigen Trottoirs herrscht eigentlich Velofahrverbot, aber die Fussgänger haben Verständnis, dass sie diesen Platz teilen müssen. Es sind manchmal halsbrecherische Szenen, die sich dort abspielen. Wer sich auskennt, düst durch die schmalen Quartierstrassen, die zwar ein schier undurchdringbares Labyrinth, dank Navi aber auch für Touristen befahrbar sind.

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