Reisen

Auf der Suche nach Inspirationen für Ihre nächsten Ferien oder Ideen für den geplanten Kurztrip?

 

Klicken Sie auf die interaktive Weltkarte!

Zur interaktiven Karte

Einsame Insel

09. Mai 2018 13:19; Akt: 09.05.2018 13:19 Print

«Ein eiserner Wille ist wichtiger als die Fitness»

Reiseblogger und Fotograf Claudio Sieber hat zehn Tage lang wie Robinson Crusoe gelebt. Im Interview erzählt der St. Galler von seinem Kampf mit der Einsamkeit.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Claudio Sieber, wie haben Sie sich auf zehn Tage auf der einsamen Insel vorbereitet?
Ich habe vor allem mit Menschen gesprochen, die ein Jäger-Gen besitzen. Ein Homo sapiens überlebt bis zu 40 Tage ohne Nahrung, aber in den seltensten Fällen zehn Tage ohne Wasser, also habe ich einige Tricks zur Wasseraufbereitung recherchiert.

Was haben Sie mitgenommen?
Auf Schnickschnack habe ich verzichtet, aber lebensmüde bin ich auch nicht. Mit dabei waren eine rostige Machete, ein kaputtes Zelt, Gummischuhe, ein Angelhaken, ein Feuerzeug, drei Plastikbeutel, eine Badehose und meine Kamera.

War es so, wie Sie es sich vorgestellt hatten?
Nein! Die harte Realität harmoniert sowieso selten mit meinen Vorstellungen. Daher ging es mir bei diesem Projekt vor allem darum, Emotionen wie Angst, Melancholie, Freude zu analysieren.

Wie sind Sie vorgegangen? Was war Ihre Taktik?
Ich habe einmal gelesen, dass die meisten Castaways zuerst auf Futtersuche gehen. Dabei ist Wasser klar am wichtigsten, also habe ich zuerst nach etwas tiefer hängenden Kokosnüssen gespäht und in der Nähe mein Camp errichtet. Erst dann habe ich an meinem Waffenarsenal gefeilt.

Gab es einen Tiefpunkt?
Der Tag, an dem ich lernen musste, dass ich ohne langjährige Übung und die richtigen Werkzeuge keinen Erfolg beim Fischen haben werde.

Wie schlimm war der Hunger?
Nach ungefähr sieben Tagen wurde mir bewusst, dass mein Körperfett langsam schwindet. Kein Wunder, denn Krebs-Eiweiss und gesättigte Fettsäuren von Kokosnüssen versprechen wenig Nährwert. Da flüchtete mein Hirn des Öfteren in die Fantasie, zu den Marktständen in Bangkok, zu den Nudelsuppen Hanois, aber auch hin und wieder zu Schweizer Bäckermeistern.

Gab es auch einen besonders schönen Moment?
Unverhofft kam eines Tages ein Fischerjunge zu Besuch. Er marschierte barfuss über die rasierklingenscharfen Steine hinaus zu den brechenden Wogen und warf sich mit seinem Speer in die Flut. Eine halbe Stunde später kehrte er zurück mit zwei Fischen stattlicher Grösse, legte sie neben mein Feuer, hielt den Daumen hoch und verschwand in der Dämmerung.

Wurde Ihnen nie langweilig?

Langeweile liegt im Sinne des Betrachters. Wir finden es schon langweilig, wenn fünf Minuten ohne Action oder Entertainment vergehen. Ich habe gelernt, die sogenannte Langeweile schätzen zu lernen, und geniesse den Moment. Zugegeben, ein Jahr auf einer einsamen Insel würde ich dennoch nicht verkraften. Mit der Einsamkeit umzugehen war härter, denn ich liebe gute Gespräche.

Was haben Sie in den zehn Tagen gelernt?
Dass ich niemals die Courage für ein Selbstversorger-Dasein haben werde. Dass ich aber durchaus auf eigene Faust überleben könnte, wenn ich es denn müsste. Das war für mich der grösste Erfolg.

Welche Voraussetzungen braucht man für so ein Projekt?
Der Traum, einmal im Leben für eine limitierte Zeit Robinson zu sein, hat es in sich. Als der Bootskapitän verschwand, war ich auf mich alleine gestellt. Der Umgang mit dem eigenen Überlebenstrieb in einer Extremsituation und das Alleinsein sind wohl die grösste Herausforderung. Ich würde daher behaupten, ein eiserner Wille ist wichtiger als die körperliche Fitness.

(sei)

Traumreisen
bis zu 70% günstiger
Melden Sie sich mit Ihrer E-Mail-Adresse kostenlos bei Secret Escapes an!
Jetzt entdecken