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Doktor Sex

25. April 2018 07:51; Akt: 25.04.2018 07:51 Print

«Wir finden nicht allein aus dem Beziehungschaos!»

Marisa und ihr Freund waren sich sicher, dass sie für immer zusammengehören. Doch nun ist alles anders. Gibt es eine Lösung?

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Wir finden nicht allein aus dem Beziehungschaos! (Bild: iStock)

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Frage von Marisa (28) an Doktor Sex: Mein Freund (39) und ich hatten zwei Jahre eine sehr glückliche Beziehung. Wir waren zufrieden und überzeugt, dass wir für immer zusammenbleiben und irgendwann ein Haus mit vielen Hunden haben werden. Anfang Jahr kam dann das grosse Chaos: Er wurde krank und ich war bei der Arbeit und im Studium überfordert.

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In mehreren Gesprächen haben wir gemerkt, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Während ich das Ganze tendenziell eher als von den Umständen ausgelöst erlebte, meinte er, dass er allein sein will und sich überlegt, für immer allein zu bleiben. Daraufhin habe ich mich spontan von ihm getrennt.

Wir haben uns sehr gern, aber im Moment scheint es keinen gemeinsamen Weg zu geben. Wir sind beide eher introvertiert und reden nicht über Gefühle. Ich habe deshalb Angst, dass wir uns ganz verlieren, weil wir zu feige sind, uns mit uns und unserer Beziehung auseinanderzusetzen. Könnte uns eine Paarberatung helfen?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Marisa

Ich bezweifle, dass es wirklich so wichtig ist, wie gemeinhin angenommen wird, dass in einer Beziehung über Gefühle gesprochen wird. Dieser Aspekt wird meiner Meinung nach massiv überschätzt. Viel wichtiger scheint mir, sich selber und die eigenen Bedürfnisse genau zu kennen und diese verständlich kommunizieren zu können.

Ich beobachte in meiner Praxis immer wieder, wie Menschen in einer Beziehung nicht in der Lage sind, einfachste Anliegen offen auszusprechen. Statt zu sagen, was Sache ist, schweigen sie lieber – oft aus Angst davor, mit ihrem Bedürfnis beim Partner eine Reaktion zu provozieren, die zu Streit oder allenfalls gar zum Ende der Beziehung führen könnte.

Schweigen löst aber keine Probleme, sondern führt nur zu einer Verschiebung des Konflikts: Weg vom Partner, also von der Beziehung, und hinein ins Innere der Person, die schweigt. Bedürfnisse und Störungen verschwinden aber nicht einfach, indem man sie dem Frieden zuliebe unterdrückt. Vielmehr erzeugen sie psychischen Druck und Unbehagen – im schlimmsten Fall lösen sie sogar körperliche Beschwerden aus.

Zwar kann oft noch für eine gewisse Zeit das Bild einer glücklichen Beziehung aufrechterhalten werden, mittelfristig gelingt dies aber nicht. Indem sich die unterdrückten Bedürfnisse und unausgesprochenen Konflikte einen Weg ans Licht suchen, bricht die Scheinwelt zusammen. Ich denke, dass dies bei euch geschehen ist, als Anfang Jahr das Chaos über euch hereinbrach.

Eine Paarberatung ins Auge zu fassen, scheint mir daher durchaus sinnvoll. Sie kann euch dabei unterstützen, Klarheit zu schaffen und herauszufinden, welches die Gemeinsamkeiten sind, die euch verbinden, beziehungsweise die Unterschiede, die euch trennen, und wie ihr eure unterschiedlichen Ansichten und Positionen ohne Angst kommunizieren könnt.

Vielleicht taucht darin aber auch die Frage auf, ob ihr tatsächlich als Liebespaar zusammen sein wollt oder ob eure Beziehung nicht vielmehr eine innige Freundschaft ist, die einen anderen Umgang erfordert. Wie auch immer: Ich wünsche euch alles Gute in diesem Prozess!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch

(wer)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Die Kommunikation in einer guten Beziehung fängt bei banalen Sachen an wie Themen im Haushalt und endet mit Gesprächen über die Einstellung. Dazu gehören halt auch Themen wie: wollen wir mal Heiraten, Kinder kriegen oder eben: ich bin gerade überfordert. Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass Männer eher dazu neigen ihre Probleme mit sich selbst auszumachen während Frauen meinen der Partner müsse alles von selber merken. Das geht beides einfach nicht, für beide gilt: Mund aufmachen, zuhören und Kompromisse finden. Das braucht Übung, wenns klappt schafft man eine unglaubliche Nähe! – 1 Jahrzehnt und verliebt wie am 1. Tag

Wie reif seid ihr wirklich, wenn ihr gleich denkt, es sei 'für immer'? Bzw. er mit 39, der 'für immer' allein bleiben will. Ich meine das nicht böse, aber es wirkt auf mich ein wenig naiv. Nicht, dass man nicht 'für immer' zusammenbleiben kann, aber dann muss man auch was dafür tun und an sich arbeiten und miteinander reden und bei Chaos nicht gleich aufgeben. – jenny

Ich habe Ähnliches erlebt: mein Ex-Partner erlebt eine schwere Zeit. Er hat mich um Freiraum für sich gebeten und um Zeit, um mit der Situation umzugehen und sich wieder neu zu finden. Das konnte ich verstehen und hab ihm das auch gewährt. Vor kurzem nun kam die Forderung nach Trennung von ihm. Das macht mich traurig, und trotzdem akzeptiere ich seinen Wunsch. Ich kann ihm meine Zuneigung "nur" anbieten, aber ihn niemals dazu zwingen sie zu annehmen. Ich denke, auch im Loslassen steckt Kraft zur Veränderung... Ich wünsche euch, liebe Marisa Veränderung die euch beiden guttut! – MissFlowery

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • GT am 25.04.2018 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reden kostet nichts

    Wenn du so schnell aufgibst und "spontan" Schluss machst, ist wohl das Thema Beziehung nichts für dich. Wenn man nicht anspricht, was einem nicht passt, muss man sich im nachhinein nicht wundern. Das hat nichts mit Introvertiert sein zu tun, dass bin ich ja auch... Das hat ganz alleine damit zu tun, wie weit du für deinen Partner aus deiner Komfortzone gehen willst. Dein Freund hat dir wohl gesagt dass er alleine sein will da er dass wirklich will, oder weil er sich nicht traut (wie du) die Wahrheit zu sagen. Sowiso, eine Beziehung die nach zwei Jahren so aussieht ist für mich keine richtige, echte Beziehung.

  • Tina am 25.04.2018 10:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    The End?

    Naja, du erkennst dein Defizit (und seins) ja bereits! Weshalb geht ihr es dann nicht aktiv an? Was habt ihr zu verlieren? Trennen könnt ihr euch ja jederzeit. Gebt euch etwas mehr Raum & Zeit alleine in der Beziehung, er für sich und seine Erkrankung, du für dich und dein Studium & co. Sei da für ihn wenn es andere nicht wären!

  • Rothschild am 25.04.2018 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kommunikation 

    Ich denke, sie haben sich getrennt, weil sie nicht über ihre Gefühle sprachen. Wenn man darüber spricht, kann man Probleme erkennen, bevor sie zu gross werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Veronika am 27.04.2018 00:16 Report Diesen Beitrag melden

    Go on...

    Was mir als erstes auffällt, du schreibst in Vergangenheit von eurer Beziehung. Also ist sie das wohl auch? Er überlegt für immer alleine zu sein, und du trennst dich? Wieso? Indirekt hat er dir den Schug vor deiner Trennung gegeben. Go on und schau weiter und du wirst einen Mann finden, der auf dich steht.

  • 1 Jahrzehnt und verliebt wie am 1. Tag am 25.04.2018 15:17 Report Diesen Beitrag melden

    stimme Dr. Sex zu

    Die Kommunikation in einer guten Beziehung fängt bei banalen Sachen an wie Themen im Haushalt und endet mit Gesprächen über die Einstellung. Dazu gehören halt auch Themen wie: wollen wir mal Heiraten, Kinder kriegen oder eben: ich bin gerade überfordert. Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass Männer eher dazu neigen ihre Probleme mit sich selbst auszumachen während Frauen meinen der Partner müsse alles von selber merken. Das geht beides einfach nicht, für beide gilt: Mund aufmachen, zuhören und Kompromisse finden. Das braucht Übung, wenns klappt schafft man eine unglaubliche Nähe!

  • Trubadur65 am 25.04.2018 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wäre es, sich der Realität zu stelle

    Ohne reden geht gar nichts. Und das hat nicht mit Introvertiert zu tun...... ! Reden kann jeder auch Du. Könntest Du dir vorstellen, das Dein Exfreund Dich nur nicht belasten will mit seiner Krankheit ? Kannst Du Dir vielleicht vorstellen , das er aber eigentlich Dich noch liebt ? Kannst Du Dir vorstellen , mal Deine Komfortzone zu verlassen und etwas für Ihn zu machen ? Wenn nicht, geh nie mehr eine Beziehung ein, da Du wieder davon rennen würdest.......

  • jenny am 25.04.2018 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    für immer

    Wie reif seid ihr wirklich, wenn ihr gleich denkt, es sei 'für immer'? Bzw. er mit 39, der 'für immer' allein bleiben will. Ich meine das nicht böse, aber es wirkt auf mich ein wenig naiv. Nicht, dass man nicht 'für immer' zusammenbleiben kann, aber dann muss man auch was dafür tun und an sich arbeiten und miteinander reden und bei Chaos nicht gleich aufgeben.

  • MissFlowery am 25.04.2018 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    Loslassen - Raum für Veränderung

    Ich habe Ähnliches erlebt: mein Ex-Partner erlebt eine schwere Zeit. Er hat mich um Freiraum für sich gebeten und um Zeit, um mit der Situation umzugehen und sich wieder neu zu finden. Das konnte ich verstehen und hab ihm das auch gewährt. Vor kurzem nun kam die Forderung nach Trennung von ihm. Das macht mich traurig, und trotzdem akzeptiere ich seinen Wunsch. Ich kann ihm meine Zuneigung "nur" anbieten, aber ihn niemals dazu zwingen sie zu annehmen. Ich denke, auch im Loslassen steckt Kraft zur Veränderung... Ich wünsche euch, liebe Marisa Veränderung die euch beiden guttut!

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Bruno Wermuth ist Sexualberater und Sexualpädagoge mit eigener Praxis in Bern. Als «Doktor Sex» beantwortet er drei Mal wöchentlich Fragen zur schönsten Nebensache der Welt und im «Sexblog» spricht er das aus, was andere nicht zu denken wagen. www.brunowermuth.ch


(Styling von Doktor Sex:Jessica Montonato)

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