Von Spanien bis Finnland

23. März 2018 19:11; Akt: 23.03.2018 19:11 Print

So schlemmen die Europäer an Ostern

Ostern ist für Schweizer die Zeit des Eiertütschens und des üppigen Osterbrunches. Was kommt in anderen europäischen Ländern auf den Tisch?

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Ostern ist nicht nur für die Kleinsten ein kulinarisches Fest. In der Schweiz stehen Osterhasen hoch im Kurs. Doch was tischt der Rest von Europa auf? ... Die finnische Tradition besagt, dass der Karfreitag zu heilig sei, um warmes Essen zu kochen. Darum servieren Finnen an Ostern Mämmi, einen gebackenen Pudding, der aus Wasser, Braunmalz, Roggenmehl, Salz, Zucker und Bitterorange hergestellt wird. Nach dem Backen wird Mämmi einige Tage kühl gestellt und gern mit Rahm, Vanille-Glace oder Zucker verspeist. Auch Engländer mögen es, Ostereier zu bemalen. Doch werden diese später nicht getütscht, sondern von einem Hügel gerollt. Das Ei, das zuerst unten ankommt, hat gewonnen. Das Verstecken von Ostereiern ist bei den Inselbewohnern ebenfalls beliebt. Engländer verstecken die Eier jedoch nicht in Nestern, sondern in geschmückten Osterhüten. Nach so viel Outdoor-Aktivität darf das klassische Osteressen nicht fehlen: ein Roast Spring Lamb mit Rosmarin und Orangen. Der Osterhase schaut natürlich auch in Spanien vorbei und bringt den Kindern Schokolade und Eier. Doch das traditionellste Ostergericht ist Torrija: Brotscheiben, die in in Milch, Wein, Honig, Gewürzen und Ei getunkt und dann in Olivenöl angebraten werden. Gegessen werden die deftigen Scheiben mit reichlich Zucker. Ebenso gerne wird Sopa de ajo, eine Knoblauchsuppe, gekocht. Für eine Schüssel für vier Personen werden nicht weniger als zehn Knoblauchzehen verarbeitet. In Russland werden zum orthodoxen ­Osterfest wie in der Schweiz gefärbte ­Ostereier gereicht. Ausserdem gehört die Quarkspeise Pascha auf jede Festtafel. Sehr hoch im Kurs steht aber das runde, sehr süsse Osterbrot mit dem schönen Namen Kulitsch. Der Hefeteig besteht aus Eiern und Butter, verfeinert wird das Gebäck mit Rosinen. Gewürze wie Vanille, Kardamom und Muskatnuss geben dem Kulitsch den letzten geschmacklichen Schliff. Auf keiner italienischen Oster-Festtafel darf die Colomba pasquale fehlen. Das traditionelle Gebäck in Form einer Taube mit gespreizten Flügeln wird aus Weizen-Sauerteig mit höchstens einem Prozent Hefe hergestellt. Der Legende zufolge werden Colombe seit 1176 gebacken. Gerne werden dem Teig Mandeln, Aprikosen­kerne sowie Hasel- oder Cashewnüsse beigemischt. Die Colomba pasquale schmeckt hervorragend zum Kaffee oder leicht getoastet zum Frühstück. Seit Jahrhunderten wird in Polen zu Ostern Mazurek gebacken. Die dünnen Mazurki werden aus mindestens zwei Teigsorten hergestellt. Der Boden besteht aus Mürbeteig, die Oberfläche wird aus Sandteig gemacht. Beim Belag toben sich die Polen kreativ aus. Von Rahm- über Schokolade- bis zur Frucht­kuvertüre ist alles erlaubt. Dekoriert wird das Ganze mit Früchten, Schoggi­raspeln oder Kokosflocken.

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Für alle, die gern essen, sind Ostern Jubeltage, denn am Karfreitag endet die Fastenzeit, die am Aschermittwoch (14. Februar 2018) begonnen hat und für viele den Verzicht auf Fleisch, für einige auch auf Süsses und Alkohol bedeutete. Pünktlich zum Gründonnerstag darf dann wieder nach Herzenslust geschlemmt werden, ausser man nimmt es mit der Religion etwas genauer.

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Was steht bei Ihnen an Ostern auf dem Tisch?

Der Gründonnerstag symbolisiert nämlich den Tag des letzten Abendmahls von Jesus mit seinen Jüngern, gläubige Christen nehmen zu diesem Anlass vor allem Grünzeug zu sich. Heisst: Spinat, Salat, Gurken – Hauptsache, die Speise ist grün. Wer den Interpretationsspielraum etwas ausweitet, bei dem geht ein Zweig Rosmarin auf dem Kalbskotelett vielleicht auch schon als grün genug durch. Am Tag darauf, am Karfreitag, wurde Jesus auf dem Hügel Golgatha gekreuzigt, zur Erinnerung essen Christen dann Fisch.

Das kulinarische Highlight: der Ostersonntag

Nach Grünzeug und Fisch, zur Erinnerung an die Qualen des Sohns Gottes, darf der geneigte Gourmet am Ostersamstag etwas verschnaufen und die biblische Grabesruhe auch in der Küche zelebrieren. Wenn überhaupt etwas gebrutzelt wird, dann im Ofen. Traditionellerweise wird am Samstag gebacken, ein Osterlamm aus Biskuitteig zum Beispiel.

Mit dem biblischen Highlight, der Auferstehung Jesu am Ostersonntag, beginnt auch der kulinarische Höhepunkt in der Küche: Endlich darf wieder Fleisch gegessen werden! Für viele Schweizer beginnt der Ostersonntag mit einem ausgedehnten Osterbrunch, danach werden Eier im Garten gesucht, und zum Schluss winkt ein festliches Ostermahl. Ob es ein Lammbraten oder ganz etwas anderes ist, sei Ihnen überlassen. Hauptsache, es schmeckt.

Wie Ostern in sechs europäischen Ländern kulinarisch begangen wird, sehen Sie in der Bildstrecke.

(lme)