Lange vor dem Matcha-Trend

12. März 2018 12:28; Akt: 12.03.2018 12:32 Print

Eine Schale Tee als Schlüssel zur Ruhe

Matcha-Tee wird gerade überall als Superfood mit Superkräften angepriesen. Dabei wird fast vergessen, wo der gemahlene Grüntee seinen Ursprung hat.

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In einem Nebenhaus des Museums Rietberg in Zürich liegt das Reich von Soyu Mukai, einer zierlichen Frau, die die Besucher in einem traditionellen japanischen Gewand empfängt. Mukai ist Teemeisterin und im Museum Rietberg Besitzerin des einzigen japanischen Teeraums in der Schweiz, der ihren hohen Ansprüchen genügt. Sie liess das Teezimmer nach jahrhundertealtem Vorbild in Japan anfertigen, wieder zerlegen und nach Zürich verschiffen. «Der Raum ist für 150 Jahre gebaut», erklärt sie beim Besuch von 20 Minuten. Die Teezeremonie, die Mukai zelebriert, ist jedoch rund 450 Jahre älter.

Bereits im 12. Jahrhundert brachten japanische Zen-Mönche gemahlene Grünteeblätter (die wir heute als Matcha kennen) aus China in ihre Heimat, wo sie schnell zum Bestandteil der Hochkultur wurden. Nur der obersten Gesellschaftsschicht war es erlaubt, das erlesene Getränk zu geniessen. Das Privileg, an einer Teezeremonie teilzunehmen, war Adligen und Intellektuellen vorbehalten – Frauen waren nicht zugelassen.

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Man muss nicht mehr nach Japan reisen

Heute sind die Regeln freilich nicht mehr ganz so streng und für das feierliche Ritual muss man auch nicht mehr zwingend nach Japan reisen – es genügt ein Ausflug nach Zürich zu Soyu Mukai. Seit bald 30 Jahren ist die gebürtige Japanerin Teemeisterin. Mit 12 begann sie ihre Ausbildung, die fast 20 Jahre dauerte. «Ausgelernt habe ich jedoch nie», sagt Mukai, die heute Interessierte zu Teemeisterinnen ausbildet.

Der Besuch einer Teezeremonie ist ein ganzheitliches Erlebnis. Zwar ist der ungeübte Körper das lange Knien auf den eher harten Tatami-Matten nicht wirklich gewohnt und rächt sich mit Taubheitsgefühlen in den Füssen. Entschädigt wird man dafür mit einem magischen Schauspiel. Alles in der Teezeremonie folgt einem festgelegten Ritual. So sind Mukais Schritte durch den Raum nicht zufällig, sondern sorgsam abgezählt, jeder Handgriff mit der Wasserkelle, dem Chasen (ein Matcha-Besen aus Bambus) oder der Griff an die Teeschale – alles folgt uralten und bewährten Gesetzen. «Es gibt zahlreiche Arten der Zubereitung, die ich auf den Gast, die Jahreszeit oder den Anlass abstimme», erklärt Mukai.

Drei Schlucke – nicht mehr und nicht weniger

So elegant und feierlich das Ritual anmutet, so entspannend ist es. Der Genuss des Schälchens Matcha-Tee, der übrigens in genau drei Schlucken getrunken wird, wird fast zur Nebensache. «Die Eckpfeiler einer Teezeremonie sind Harmonie, Respekt, Reinheit und Stille», erklärt Soyu Mukai zum Ende der fast 90 Minuten langen Zeremonie.

(lme)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fritz am 12.03.2018 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Pro Grüntee!

    Täglich in Ruhe eine Schale Grüntee trinken ist eine Wohltat und sehr gesund. Es muss weder der gehypte Matcha-Tee noch eine vollständige zelebrierte Zeremonie sein, einfach hochwertigen Grüntee kaufen (keine Beutel!), auf korrekte Zubereitung (Temperatur und Ziehzeit) achten und bewusst geniessen. Viele Leute schreiben Grüntee ab nachdem sie einmal billigen Grüntee mit kochendem Wasser übergossen haben, das schmeckt tatsächlich scheusslich ;-)

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  • Valiant Thor am 12.03.2018 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    der wahre Genuss

    so einer Zeremonie liegt wohl eher darin die Anmut und die Perfektion des ganzen zu geniessen.

  • Ein User am 12.03.2018 13:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr empfehlenswert

    Ich durfte bereits einer Teezeremonie bei ihr beiwohnen und kann es nur empfehlen. Nachher fühlt man sich sehr erholt, die Gedanken wieder frei. Es gibt sicher bald ein nächstes Mal. Ich freue mich schon!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Th. Rettenmund am 14.03.2018 00:01 Report Diesen Beitrag melden

    Trinke seit über 30 Jahr ausschliesslich

    Tee. - Grünttee mit Jasmin, Earl-Grey mit Bergamote, Lapsang Souchong etc. usw. Das Teehaus an der Wühre in Zürich ist seit beinahe ewig mein Lieferant. Aber dieses Theater und Zeremonie ist jetzt halt eben modisch und hype... !

  • Mike Zac am 12.03.2018 23:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    20 Jahre Teemeister Ausbildung?

    Respekt!

  • Ulla am 12.03.2018 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    Alternative

    Eine Alternative für Zürichs Kokser: Versuchs mal mit einer Schale Schwarztee! Tiefer Ruhe bei hoher Konzentration, und dies ohne schädliche Nebenwirklungen!

    • Jaja am 12.03.2018 18:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ulla

      Dein Tee hat soviel Beikräuter die beim ernten einfach mitgezupft werden, dass deine Leber echt Arbeit kriegt! Nichts gesund!

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  • Portmonaie am 12.03.2018 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Wers glaubt wird ärmer

    Cha cha, Matcha und was weiss ich für ein Hokus Pokus. Alles nur Geldmacherei.

  • Lebender Beweis am 12.03.2018 16:57 Report Diesen Beitrag melden

    Alles was ein Mann braucht

    Das beste ist jeden Tag ein Bier und man wird praktisch nie krank.