Allein in einer Männerdomäne

04. Mai 2018 14:58; Akt: 04.05.2018 14:58 Print

Diese Frau erfand den Rosé-Champagner

von Lucien Esseiva - Kaum ein Getränk erfrischt an heissen Tagen so schön wie ein Glas Rosé-Champagner. Erfunden wurde der Edel-Apéro vor genau 200 Jahren. Von einer Frau.

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Ein Gläschen Rosé-Champagner gilt vielen als der feinste Apéro an einem heissen Sommertag. Doch kaum jemand weiss, dass das Getränk, wie wir es heute kennen, erst vor 200 Jahren von einer Frau erfunden wurde. Pinken Champagner gab es zwar schon einige Jahre zuvor, doch damals nutzten die Kellereien Holunderbeeren zur Färbung. Die Beeren gaben aber nicht nur Farbe, sondern auch einen süsslichen Geschmack. Gar nicht nach dem Goût von ... ... Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin (hier zu sehen im Alter von Mitte achtzig mit ihrer Urenkelin Anne). Als Madame Clicquots Ehemann starb, musste Barbe-Nicole mit nur 27 das Champagnerhaus Veuve Clicquot übernehmen. Als eine der ersten Business-Frauen der Geschichte erfand sie 1818 die Rosé-d'Assemblage-Methode, bei der dem Champagner Rotwein zugegeben wird. «Die Methode wird bis heute angewandt und ist hochkomplex», erklärt Veuve-Clicquot-Kellermeister Dominique Demarville bei einem ­Besuch bei Veuve Clicquot in Reims. Um eine gleichbleibende Qualität zu garantieren, pröbelt der Kellermeister zusammen mit zwölf Sommeliers ganze vier Monate lang an der perfekten Mischung. Dieser Aufwand erklärt auch den hohen Preis von Rosé-Champagner. Veuve Clicquot baut den Rowein für seine Champagner selber an. Die Grand Crus für die edelste Flasche des Hauses (Grande Dame Rosé, ca. Fr. 250) kommt aus diesem Weinberg in Bozy in der Champagne. Ein Champagner von Veuve Clicquot besteht aus 50 bis 60 verschiedenen Crus aus verschiedenen Ernten. Dafür werden 50 bis 55 Prozent Pinot Noir, 15 bis 20 Prozent Meunier und 28 bis 33 Prozent Chardonnay zum Cuvée verarbeitet. Dem Champagner werden 12 bis 13 Prozent Rotwein zugegeben und die perfekte Mischung kommt zur Gärung in die Flasche. Dort reift jeder Veuve Clicquot drei Jahre im Keller, bis er in den Handel kommt.

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Wir schreiben das Jahr 1805. Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin verliert mit nur 27 Jahren ihren Ehemann und sieht sich gezwungen, das Geschäft ihres verstorbenen Gatten zu übernehmen. Die Rede ist nicht von einem Tante-Emma-Laden, sondern vom schon damals ­bedeutenden Champagnerhaus Veuve Clicquot in Reims.

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Madame Clicquot zögert keine Sekunde, nimmt das Erbe an und das Zepter in die Hand. Als eine der ersten Businessfrauen ihrer Zeit drückt sie Veuve Clicquot mit viel Innovationskraft ihren Stempel auf. 1810 lanciert sie den ersten Vintage-Champagner der Geschichte, 1816 erfindet sie den Rütteltisch und verhilft so dem bislang trüben Champagner zu seiner Klarheit, und genau vor 200 Jahren landet sie einen ihrer grössten Coups, als sie den Rosé-Champagner neu erfindet.

Holunderbeeren raus – Rotwein rein

Pinken Champagner gab es zwar schon vorher, doch wurden zur Färbung Holunderbeeren verwendet. Die damit verbundene Süsse des Champagners war nicht nach Madame Clicquots Geschmack, und so fing sie an, mit einer Mischung aus Champagner und Rotweinen aus ihrem Weinberg in Bouzy zu experimentieren. Mit Erfolg – die Rosé-d’Assemblage-Methode wird bis heute angewendet und ist eine hochkomplexe Angelegenheit, wie Veuve-Clicquot-Kellermeister Dominique Demarville bei einem ­Besuch in Reims erklärt: «Mein zwölfköpfiges Team und ich suchen vier Monate lang nach der perfekten Balance aus Rot- und Weissweinen.»

Dafür werden zwischen Oktober und Januar täglich ­Mischungen verkostet und bei Nichtgefallen minimal angepasst. So lange, bis Demarville zufrieden ist. Je nach Qualität der Weine werden dem Champagner zwischen 12 und 14 Prozent Rotwein zugegeben. Das oberste Ziel? «Höchste, gleichbleibende Qualität», sagt Demarville. Madame Clicquot hätte ihre Freude dran.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Geniesserin am 04.05.2018 23:00 Report Diesen Beitrag melden

    Chapeau, Madame!

    Da war die richtige Frau zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das muss wohl ungemein befriedigend sein, wenn man etwas erfindet oder produziert, was die Menschen noch in 200 Jahren so erfreut. Ob sowas in unserer heutigen schnelllebigen Zeit überhaupt noch machbar wäre? Beim nächsten Gläschen werden wir auf Ihr Wohl anstossen, chère madame!

  • BondyJohnny am 04.05.2018 21:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Durchsetzungsfähig

    An alle Feministinnen : es gab seit immer Frauen mit Mut und Durchsetzungsvermögen.. Um 1800 und mit 27, sich gegen die ganze Familie und "Berater" durchzusetzen... Das heisst was.

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  • Innerschwyz am 04.05.2018 21:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fein

    Der veuve clicquot ist tatsächlich der harmonischste unter den champagner. Ihn geniesse ich, wenn es was zu feiern gibt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • F. Franzer am 14.05.2018 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Billig Champagner

    Der Veuve Clicquot ist etwas für Leute die gerne mal Promis oder Reiche spielen wollen aber kein Geld haben für richtig guten Champagner. Was allerdings keine Rolle spielt, da sie den Unterschied sowieso nicht erkennen.

  • Mike Gerber am 14.05.2018 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Schleichwerbung

    Wer einen wirklich guten Champagner möchte, dem empfehle ich Krug und nicht etwa diese Wittwe Cliquot Plörre.

  • Martial2 am 10.05.2018 13:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Muss nicht sein...

    Schöne Geschichte, man kann aber auch mit Prosecco anstossen, kostet praktisch nix und prickelt auch...!

    • Alex am 11.05.2018 12:58 Report Diesen Beitrag melden

      Billiges Prickeln genügt?

      Für mich nicht. Deshalb kommt es immer auf das konkrete Produkt, die konkrete Flasche an (ob Champagner oder Prosecco oder Cava).

    • PedroZH am 11.05.2018 16:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martial2

      Wenn Sie den Unterschied zwischen Prosecco und einen guten Schaumwein (ob Champagner od. anders) nicht spüren, sollten Sie beim Rivella bleiben.

    • Martial2 am 11.05.2018 17:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @PedroZH

      Ich bezahle doch keinen 70 Stützli und mehr für Klöpfermost... Wir haben viele Champagner gekostet, wir waren selbst auch in Reims... War interessant aber im Grunde genommen nur Prestige, weil die Meisten nichts davon verstehen. Ergo billiger ist nicht schlechter!!

    • Antwort am 13.05.2018 15:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martial2

      Können Sie auch mit Mineralwasser. Ist noch billiger.

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  • schnapsnase am 08.05.2018 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eigengebrauch

    Pansche meinen eigenen rose ein glass prosecco und ein dl rotwein perfekt preis 3. sfr

  • schnapsnase am 08.05.2018 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schöne keller

    War auch schon in reimes bei der kellerei cliquot haben schöne kellergewölbe tief im sandstein wunderschön weisse wände man hat keine platzangst

    • Martial2 am 11.05.2018 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @schnapsnase

      Wenn schon denn Reims, aber diese Kellereien sind sehr kalt und dunkel, z.Teil 4 Stockwerke unter Erde... Haben wir gesehen das reicht!

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