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Tödlich

15. Januar 2018 15:46; Akt: 15.01.2018 15:51 Print

Das Vermächtnis von Gruinard Island

von M. Steiger - Die kleine, grüne Insel nordwestlich von Schottland wirkt auf den ersten Blick durchaus einladend. Doch sie war einst sehr gefährlich.

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Auf halbem Weg zwischen Gairloch und Ullapool, nordwestlich der schottischen Highlands befindet sich die Insel Gruinard. Sie ist knapp zwei Quadratkilometer gross und besteht eigentlich nur aus einer Wiese. Was soll auf dieser Insel also passiert sein?

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Versuche für biologische Waffen

Im Zweiten Weltkrieg wurden hier Tests für biologische Waffen durchgeführt. So zeigte ein Team von Wissenschaftlern Winston Churchill die Letalität von Anthrax, der Infektionskrankheit Milzbrand. Die Wissenschaftler sollten auch herausfinden, ob es überhaupt möglich sei, diese Bakterien als Waffe einzusetzen.

Wie wir heute wissen, kann Anthrax als biologische Waffe eingesetzt werden. Aufgrund der relativen Unempfindlichkeit der Milzbrandsporen gegenüber Umwelteinflüssen eignet er sich sogar wesentlich besser als beispielsweise der Pesterreger.

Anthrax in der Kriegsführung

Anthrax wurde schon davor zur Kriegsführung eingesetzt: Finnen und Schweden setzten das Bakterium gegen die russische Armee ein. In den 1930ern forschten die Japaner ebenfalls am Bakterium und infizierten Tausende Kriegsgefangene.

Im Zweiten Weltkrieg begannen die Engländer mit ihren Experimenten. Sie wussten aber bereits, dass das Bakterium sehr zäh und langlebig ist. Für die Versuche brauchten sie also einen abgelegenen und unbewohnten Ort, der auch später gesperrt bleiben konnte: Gruinard Island.

Tests an Schafen

1942 wurden acht Schafe auf die Insel gebracht. Anschliessend liessen die Wissenschaftler Bomben mit Anthrax-Sporen explodieren. Für den Test wählten sie einen besonders aggressiven Stamm: Vollum 14578. Innert weniger Tage starben die Schafe.

Die Briten wussten jetzt also um die tödliche Wirkung einer gewissen Menge Anthrax-Sporen. Daraus wurde ein geradezu diabolischer Plan, die Operation Vegetarian. Leinsamenkuchen, gespickt mit Anthrax-Sporen, sollten über Deutschland abgeworfen werden. Der Plan: Die Nutztiere würden diese Sporen essen und die deutsche Bevölkerung danach diese infizierten Tiere. So würde nicht nur ein Teil der Bevölkerung ausgelöscht, sondern auch eine Nahrungsmittelknappheit für die Überlebenden verursacht.

Fünf Millionen Leinsamenkuchen wurden produziert und waren bereit zum Einsatz. Die Operation Vegetarian sollte aber nur zum Einsatz kommen, wenn die Deutschen mit biologischen Waffen angreifen würden, doch so weit kam es glücklicherweise nicht. Nach Ende des Krieges wurden die Kuchen zerstört.

Insel jahrelang unbewohnbar

Gruinard Island dagegen war noch immer verseucht. Fast 50 Jahre lang war sie Sperrgebiet, bis die Engländer 1986 den Auftrag zur Dekontaminierung gaben. In den darauffolgenden zwei Jahren wurde die Insel mit 280 Tonnen Formaldehyd entseucht. An dieser Vorgehensweise und der Wirksamkeit gibt es bis heute Zweifel. Es wurden aber auch erneut Schafe auf die Insel gebracht, die keinerlei Anzeichen einer Milzbrandinfektion zeigten.

1990 wurde die Insel wieder als sicher und sauber eingestuft und die Warnschilder entfernt. Gruinard Island wurde an die Nachfahren der ursprünglichen Besitzer zurückgegeben. Und auch wenn die Insel als sauber gilt, haben viele Schotten Zweifel: Gruinard Island ist deswegen auch heute noch unbewohnt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rüdiger am 15.01.2018 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    Paradies

    Ich würde sofort dort wohnen. Der Natur scheint es ja gut zu gehen und dank Formaldehyd ist man gleich noch konserviert.

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  • Dani am 15.01.2018 20:17 Report Diesen Beitrag melden

    Giftvers(e)uche

    Nur der Regen traut sich auf die Insel. Und spühlt langsam das ganze einsame und verlassene Anthrax ins viel bevölkerte Meer. Das finden dann alle toll, weil das arme Anthrax da nicht mehr so einsam und alleine ist...

  • Bob am 15.01.2018 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Nehme die Insel

    Würde Sie Kaufen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sepp am 15.01.2018 21:44 Report Diesen Beitrag melden

    Toll was der Mensch alles zerstört

    Die tierischen Inselbewohner freud es, keine Menschen weit und breit. Ob nun das Gift ins Meer durch den Regen, fliesst, spielt dich keine Rolle mehr, in Japan fliessen täglich immer noch radioaktiv verseuchtes Wasser in den Ozean, die Meeresbewohner leuchten schon, nur Menschen mit Gehirnkrankheiten brauen Gift und Atombomben gegen die eigene Spezies.

    • Berner Bär am 26.01.2018 09:15 Report Diesen Beitrag melden

      @Sepp

      Absoluter Quatsch! Auch nach einer starken radioaktiven Belastung beginnen Lebewesen nicht einfach zu leuchten, dafür sind ganz andere biologische Voraussetzungen notwendig (wie zB fluoreszierende Zellen). Auch wenn bei Fukushima noch heute Wasser mit erhöhter Radioaktivität (nicht verseucht, da kein Bio-Agent die Ursache ist) in den Ozean fliesst, wird dieses augenblicklich so stark verdünnt, dass es auf die Gesamtmasse unerheblich ist.

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  • Toni S. am 15.01.2018 21:30 Report Diesen Beitrag melden

    Menschen verseucht

    Ein von Menschen gemiedenes Stück Natur ist sauberer wie jede bewohnte und von Menschen verseuchte Landschaft.

  • Dani am 15.01.2018 20:17 Report Diesen Beitrag melden

    Giftvers(e)uche

    Nur der Regen traut sich auf die Insel. Und spühlt langsam das ganze einsame und verlassene Anthrax ins viel bevölkerte Meer. Das finden dann alle toll, weil das arme Anthrax da nicht mehr so einsam und alleine ist...

  • Rüdiger am 15.01.2018 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    Paradies

    Ich würde sofort dort wohnen. Der Natur scheint es ja gut zu gehen und dank Formaldehyd ist man gleich noch konserviert.

    • Miss Trauer am 15.01.2018 22:15 Report Diesen Beitrag melden

      Wer sind die Planer

      Wenn auch ohne Haare.... Da auch Formaldehyd schädlich auf Menschen wirkt

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  • Alfons am 15.01.2018 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Verbrecher

    Da sieht man, was die Engländer wirklich sind. Die grössten Verbrecher der Menschheit und noch nie haben sie dafür gebüsst.

    • Heidi am 15.01.2018 16:58 Report Diesen Beitrag melden

      Schurke

      Die Engländer sind bei Weitem nicht die einzigen Schurken auf der Welt. Die Queen ist doch auch ganz nett, oder?

    • Böse Zunge am 15.01.2018 17:02 Report Diesen Beitrag melden

      Gründe?

      Was haben sie den getan? Das Antrax wurde nicht eingesetzt und wäre nur zum Zug gekommen, wenn die Deutschen zuerst mit biologischen Waffen angegriffen hätten. Sitzt da vielleicht ein im Stolz beleidigter Deutscher vor dem PC?

    • Loosli's jüngst am 15.01.2018 17:46 Report Diesen Beitrag melden

      Was?

      Einwenig krass. Schliessen sie aus dem Bericht von einem solchen Experiment auf die Boshaftigkeit der Briten ? Ich verstehe die Ansätze, die Schlussfolgerung jedoch nicht.

    • Céline Strahm am 15.01.2018 18:00 Report Diesen Beitrag melden

      Geschlafen im Geschichtsunterricht?

      Ich rate ihnen Punkto "grösste Verbrecher der Menschheit" nochmals Nachhilfe in Geschichte zu nehmen.

    • Kurt Steiner am 15.01.2018 18:04 Report Diesen Beitrag melden

      Aua!

      Ich empfehle dir Geschichtsunterricht (Grundstufe genügt völlig)!

    • Deutscher am 15.01.2018 18:30 Report Diesen Beitrag melden

      @Alfons

      Ich nenne das Notwehr.

    • Thomas Müller am 15.01.2018 18:36 Report Diesen Beitrag melden

      Genau!

      Richtig. Ausbeuten in der Kolonie und Bombenhagel auf Zivillisten.

    • Silas Peter am 15.01.2018 19:10 Report Diesen Beitrag melden

      Fehlinformation

      Also wenn wir ehrlich sind, dann gehört dieser Titel den USA! Jeder weiss, dass sie mit ihrem Glauben Friede durch Macht zu erzwingen den ganzen Mittleren Osten zerstört haben und den Grundstein für die heutigen Probleme gelegt haben. Die Liste würde sich fast endlos fortführen lassen, jedoch habe ich besseres zu tun als die grössten Dummheiten der Menschheit aufzuzählen!

    • Ibiness am 15.01.2018 19:23 Report Diesen Beitrag melden

      SCHWEIZ die Schlimmste

      Haha! Und was war in Seveso? Wo wir geheim Giftwaffen für die USA hergestellt haben, obwohl verboten?? Beim Chlapf wurde niemand informiert... Wir sind bei den Schlimmsten mit dabei, sollten da lieber ruhig sein

    • Leser am 15.01.2018 21:50 Report Diesen Beitrag melden

      @ Ibiness

      In Bophal waren sicher die Schweizer am Werk in der Union Carbide. Würde mich nicht wundern wenn die Schweizer auch mit Chernobyl mit gemischt hätten. Frage: Warum wird solcher Stuss verbreitet?

    • Berner Bär am 19.01.2018 10:02 Report Diesen Beitrag melden

      @Böse Zunge

      Falsch! Der bekennende Deutschenhasser Churchill wollte die deutsche Bevölkerung mit allen möglichen Mitteln - nicht nur Terrorbombardementen - bekämpfen oder gleich ausrotten. Dies bekräftigte er bereits 1918. Es war geplant, im Falle eines Scheiterns der "Operation Overlord" das gesamte Deutsche Reich (und den durch dieses besetzten Gebieten, "egal ob Freund oder Feind") mit Anthrax und andern biologischen Agentien und chemischen Mitteln zu verseuchen und vergiften. Uebrigens: Bereits beim Polenfeldzug 1939 stiess die Wehrmacht auf Senfgas aus englischen WK I-Beständen.

    • Berner Bär am 25.01.2018 09:16 Report Diesen Beitrag melden

      @Böse Zunge zum II.

      Das Deutsche Reich verfügte weder über B-, noch über C-Waffen. Erstens wurden die noch vorhandenen Bestände nach dem Ersten Weltkrieg vernichtet, zweitens hatte die oberste Reichsleitung die Produktion dieser Waffenart verboten, da praktische alle Reichsminister als Weltkrieg-Veteranen von den Auswirkungen dieser Waffenart wussten.

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