Holz und Gras

10. Juli 2018 08:40; Akt: 10.07.2018 14:13 Print

Das sind die Alternativen zur Plastikverpackung

von Dominic Benz - Coop und Migros wollen die Plastikverpackungen durch Alternativen ersetzen. Doch taugen sie auch etwas? Ein Experte klärt auf.

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Die Detailhändler sagen dem Plastik den Kampf an. Nicht nur mit der 5-Rappen-Gebühr auf die Raschelsäckli an der Kasse will man den Abfallberg verkleinern. Auch die Gemüse- und Früchteabteilungen sollen umweltfreundlicher werden.

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Seit kurzem testen die Detailhändler verschiedene Alternativen bei Bio-Produkten. Das Problem: Das Gesetz verlangt eine deutliche Trennung zwischen Bio-Produkten und herkömmlichen Waren. Mit Kleber oder Laser könnten das Gemüse und die Früchte zwar als Bio-Produkte gelabelt werden. Doch das geht nicht immer: Beeren oder Blumenkohl benötigen wegen der Handhabung eine Schale oder ein Säckli.

Aber wie sehen die Plastik-Alternativen konkret aus? Sind sie tatsächlich umweltverträglicher? 20 Minuten hat beim Ökobilanz-Experten Roland Hischier von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa nachgefragt.

• Graspapier
Coop testet seit kurzem bei Bio-Äpfeln die Verpackung aus Graspapier. Die Körbli sind nicht mehr aus Karton, sondern bis zu 40 Prozent aus Gras. Dieses stammt laut Coop überwiegend von ökologischen Anbauflächen. Das heisst: Das Gras wächst ohne Düngemittel wild. Neben Gras besteht das Körbli aus Holzzellstoff aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Die Herstellung braucht 40 Prozent weniger Energie und Wasser als jene von Karton.
Das sagt der Experte: Laut Hischier ist Graspapier aufgrund des geringeren Energieaufwandes als umweltfreundlicher einzustufen als Karton. Die Plastikfolie um die Schale bleibt aber bestehen. Diese etwa mit Bio-Plastik zu ersetzen, sei meist nicht sinnvoll. «Bio-Plastik hat meist eine schlechtere Ökobilanz als normaler Plastik», so Hischier. Denn als Ausgangsmaterial werden Nahrungsmittel wie Mais verwendet, die selten aus nachhaltiger Landwirtschaft stammen.

• Zellulose-Netze
Zwiebeln waren bisher in Nylonsäckli zu kaufen. Coop ersetzt diese für sämtliche konventionellen und Bio-Zwiebeln mit Zellulose-Netzen. Die Zellfasern werden aus Holz gewonnen. Laut Coop sind sie zu 100 Prozent kompostierbar. Ende des Jahres will Coop die Nylon-Netze vollständig ersetzen. Auch beim Bio-Knoblauch stellt Coop ab sofort auf Zellulose um.
Das sagt der Experte: Dass das Netz kompostierbar ist, ist für Hischier kein schlagendes Argument. «Viele Haushalte haben keinen Zugang zum Komposthaufen.» Zudem besteht Verwechslungsgefahr, sodass plötzlich auch Nylon-Netze im Kompost landen könnten. Dennoch ist das Holz-Säckli sinnvoll, da ein nachwachsender Rohstoff einen fossilen ersetzt. «Die Frage ist aber, wie energieintensiv die Herstellung des Zellulose-Netzes ist», so Hischier.

• Banderolen
Coop prüft derzeit, stangen- und kugelförmige Gemüse mit Papierbändern, sogenannten Banderolen, zu versehen. Statt einer Plastikverpackung sollen diese Lauch, Rhabarber oder Stangensellerie als Bio-Produkte labeln und zusammenhalten. Die Banderolen werden laut Coop möglicherweise aus Graspapier oder aus Materialien aus FSC-zertifizierten Wäldern sein. Die Migros setzt Banderolen beispielsweise schon bei Bio-Ananas oder Bio-Avocados ein.
Das sagt der Experte: Papier als Alternative macht nur dann Sinn, wenn es leichter als Plastik ist. «Papier und Plastik hat in der gleichen Menge ungefähr die gleiche Ökobilanz», sagt Hischier. Ohnehin dürfe man nicht vergessen, dass Plastik bei fachgerechter Entsorgung in der Kehrichtverbrennung keine grossen Probleme für die Umwelt darstelle.

• Unverpackt
Etliches Bio-Gemüse wie Auberginen oder Bio-Früchte wie Nektarinen werden ohne Plastik im Offenverkauf angeboten. Stattdessen haben sie einen Kleber mit dem Bio-Label drauf. Auch das Labeln mit Laser oder Licht-Tattoos haben Detailhändler schon getestet. «Wir haben allerdings festgestellt, dass viele Produkte mit der Kennzeichnung verdorben sind», teilt eine Migros-Sprecherin mit.
Das sagt der Experte: Auf den ersten Blick ist der gänzliche Verzicht auf Verpackung zu begrüssen. Doch unter Umständen kann das die Umwelt stärker belasten. «Die meisten Konsumenten nehmen auch für eine einzige Aubergine ein Gratis-Säckli», so Hischier. Dieses individuelle Abpacken führt auf die einzelne Aubergine gesehen zu einem höheren Plastik-Verbrauch, als ein vom Händler angebotenes Dreierpack mit Plastikhülle.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gion M am 10.07.2018 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Das grössere Problem

    Das grössere Problem ist doch sicher Fastfood und Conveniencefood: dort ist der Abfallberg riesig, da viele Produkte mehrfach in Plastik verpackt sind.

  • Bruno am 10.07.2018 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so...

    Wenn einmal nichts mehr verpackt ist, kommen die Berichte über diejenigen, die immer alle Früchte und alles Gemüse andrücken müssen. Das sind diejenigen ohne Augen. Nach einem Tag hat alles braune Eindrücke, ist hygienisch schon verseucht und will niemand mehr. Darum ab in den Kübel. Nächster Schritt ist dann die Wiedereinführung von Verkaufspersonal hinter Gemüsetheken. Eine gewisse Menge von Verpackung ist sinnvoll und kann, zumindest bei uns, recycelt werden. Mann muss es nur machen.

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  • publisher am 10.07.2018 09:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plastik ist nicht gleich Plastik

    Herr Hischier scheint dies etwas vereinfachen zu wollen. Alleine der Begriff Plastik ist zu allgemein, da nicht jedes Material, wie beispielsweise OPP, LDPE, PET etc die gleiche Ökobilanz hat. Die Aussage zu Bio-Plastik ist ausserdem veraltet. Mittlerweile wird zum Beispiel PLA nicht mehr aus Nahrungsmitteln, sondern aus deren Abfällen produziert. Wenn schon die Konsumenten informieren, dann richtig, bitte.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • leser2018 am 11.07.2018 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    immer diese Experten

    Ich liebe die "Das sagt der Experte"-Aussagen ... an allem hat dieser "Experte" etwas auszusetzen, bei jeder Alternative kommen ein Aber, Jedoch, Allerdings. Wenn er doch so ein grosser Experte wäre, hätte er schon längst die allumfassende Lösung präsentiert und unsere Gesellschaft & Wirtschaft bekehrt. Doch das überlässt er dann doch wieder "der Politik", "dem Staat" und "dem Handel", um später wieder als Experte auftreten zu können, wenn es nicht zu 100% klappt.

  • Josipovic ZlatkoPlastic am 11.07.2018 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Josipovic Zlatko

    Das grösste Problem ist die Migros und Coop selber, sie wollen alles schönreden und sich aufspielen wie umweltfreundlich sie sind,früher hat man die Früchte offen verkauft und in Zeitungspapier eingepackt, mann muss sie sowieso waschen weil alles gespritzt wird, ich kaufe keine Äpfel mehr, die können in der Natur nie so schön sein, werden auch mit Glanz prepariert,Äpfel die verwurmt sind, sind natürliche Äpfel, man kann das auch herausschneiden...wann werden sie die PET Flaschen und das Fleisch nicht mehr einschweissen .....

  • Plasticksack am 11.07.2018 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    5-Rappen Säckli

    Die Plastik säcke kosten ja seit einiger Zeit 5 Rappen jedoch die "säckli" fürs Gemüse nicht, daher nehme ich immer diese und spare mir die 5 rappen. Dafür schaue ich das ich mehrere Gemüse/Früchte Sorten in einen Sack hinein bringe

  • Walter B am 11.07.2018 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunsch zum Wechsel

    warum wird nicht einfach alles BIO produziert? EINE Papiertüte (oder Hanf oder Gras oder.....) für alles Gemüse, Ein Mitarbeiter packt das alles zusammen wie an der Fleischtheke auch und Schluss ist mit all den Problemen. Ausserdem sollte man eher die anderen Produkte speziell kennzeichnen.

    • leser am 11.07.2018 13:50 Report Diesen Beitrag melden

      @Walter B ... die rosarote Brille

      wann warst Du das letzte mal am Samstag in der Migros? Wieviele Mitarbeiter sollen da alles Gemüse der Kunden wie an der Fleischtheke in EINE Papiertüte packen? Wann warst Du das letzte mal Bauer und hast alles Obst & Gemüse (wohlbemerkt in der grossen Masse und über gute wie schlechte Jahre hinweg) nach Bio-Norm angebaut? Wann hast Du das letzte mal als Einkäufer im fernen Ausland die Produzenten von Bio-Methoden überzeugt und sie auch regelmässig überprüft? Bitte wann?

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  • Sunny am 11.07.2018 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Hanf

    Wäre es eine Möglichkeit, die Verpackungen aus Hanf herzustellen? Da es einfach und schnell angebaut sowie recycelt werden kann wäre es doch eine gute Alternative.